Eine Rampe in der Gersprenz verbessert die Fluss-Ökologie.

Freie Fahrt für freie Fische

Für 270 000 Euro lässt der Wasserverband Gersprenzgebiet derzeit mit schwerem Gerät beim Amtsgericht eine Fischrampe bauen. Danach werden im Stadtgebiet noch zwei weitere Hindernisse für Fische beseitigt.

Dieburg - (mag)   Wo Barben, Eschen und Forellen in Dieburg bislang vor unüberwindbaren Hindernissen standen, können sie sich künftig problemlos flussaufwärts bewegen. Mit schwerem Gerät wird derzeit an der Gersprenz beim Amtsgericht gearbeitet und eine Fischrampe gebaut.

Gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, müssen bis ins Jahr 2015 gute ökologische Zustände an den Flüssen umgesetzt sein. „Ein Faktor ist dabei die Durchgängigkeit für Fische“, berichtet Heinrich Hess vom Wasserverband Gersprenzgebiet. Dem Verband gehören 21 Kommunen und zwei Landkreise an. Er ist unter anderem für den naturnahen Ausbau der Gersprenz zuständig.

Die Fischrampe ist nur ein Baustein der ökologischen Strukturverbesserung, nacheinander werden allein auf Dieburger Stadtgebiet weitere Hindernisse für die Fische beseitigt: am Schloss Stockau und an der Mörsmühle. Als nächstes aber ist die Brückenmühle an der Reihe. Hier wird in Zukunft der Wehrgraben, der das Ensemble umfließt, immer Wasser führen und für Fische durchgängig sein.

Wenn alles gut läuft, wird die Fischrampe am Amtsgericht noch in diesem Jahr fertig sein. Normalerweise werden die Maßnahmen über das „Landesprogramm naturnahe Gewässer“ finanziert. Die Baumaßnahme in der Nähe des Mühlturms ist jedoch eine „Kompensationsmaßnahme“ für das Kohlelager des Kraftwerks Staudinger. Die 270 000 Euro Baukosten werden also vom Energie-Unternehmen EON getragen.

Der Wasserverband Gersprenzgebiet hat noch viele weitere Maßnahmen zur Verbesserung in der Pipeline. So werden - soweit dabei keine Gefahr für die Anwohner entsteht - Ufersicherungen beseitigt. Ganze Flussabschnitte erhalten wieder ihr altes Gesicht, wenn Begradigungen früherer Zeiten im Zuge der Renaturierung rückgängig gemacht werden. Für 2010 wurde bereits die Renaturierung der Gersprenz im Bereich zwischen der Tannenmühle und Groß-Zimmern beim Landesprogramm zur Finanzierung angemeldet.

Wie kommt nun die Fischpopulation in die Gersprenz zurück? Zum einen setzen die Angelvereine Fische aus, zum anderen kehren die gängigen Arten von alleine wieder zurück, wenn sie hier auf „freie Fahrt“ stoßen.

„Sind jetzt auch Lachse in Dieburg zu erwarten?“ Heinrich Hess muss auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage amüsiert lachen. Dies ist trotz der verbesserten Fluss-Ökologie doch eher unwahrscheinlich.

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