Freier Blick aufs Schlagloch

+
Ralf Blanke (l.) und Manfred Seibert arbeiten beim Flicken der Löcher mit dem Reparaturzug Hand in Hand.

Dieburg ‐ Nun ist sie erstmal weg die am Ende auch nicht mehr ganz so weiße Pracht auf Dieburgs Straßen. Nun zeigt sich, was in den vergangenen Wochen unter Eis und Schnee verborgen lag wieder in seinem ganzen Ausmaß: Löcher und Risse im Asphalt.  Von Laura Hombach

Auf Teilabschnitten der Groß-Umstädter und Aschaffenburger Straße wähnt man sich beim Fahren nun eher auf einer Querfeldeinrallye als auf einer innerstädtischen Straße. Dass die Schlaglöcher nun wieder verstärkt ins Auge fallen und den Autofahrern das sanfte Dahingleiten vermiesen, liegt aber nicht nur daran, dass der Schnee für eine Weile seinen weißen Schleier über das Dilemma gebreitet hatte. Denn wie schon im letzten Winter, haben auch die eisigen Temperaturen der letzten Wochen für eine rasante Vermehrung und eine Vergrößerung bereits vorhandener Schlaglöcher gesorgt.

Die Bürger sind aufgerufen, schadhafte Stellen bei der Stadt zu melden, damit die Mitarbeiter des Bauhofs dem mackenhaften Belag zu Leibe rücken können. Die neue Geheimwaffe im Kampf gegen die Krater nennt sich Straßenreparaturzug. Das Geräteensemble ist seit sechs Monaten im hälftigen Besitz der Stadt Dieburg. Die andere Hälfte gehört der Gemeinde Münster, denn der Reparaturzug ist zugleich auch ein Stück gelebte interkommunale Zusammenarbeit. Das zeigt sich auch am eingespielten Zweimann-Team, das inzwischen weit über 100 Löcher gestopft hat. Gemeinsam rücken Manfred Seibert vom Dieburger Bauhof und Ralf Blanke vom Bauhof Münster Schlaglöchern dies- und jenseits des Nordrings - sprich in beiden Kommunen - zu Leibe.

Es wird laut: Blanke wirft die Rüttelplatte an

Während Seibert die Temperatur am Ofen überprüft, erhitzt Blanke mit einem gasbefeuerten Spezialgerät den Asphalt rund um das zu stopfende Loch im Straßenbelag. 180 bis 200 Grad müssen hier erreicht werden. Das dauert bei den derzeitigen Temperaturen etwas länger als im Sommer. Sinken die Außentemperaturen unter null Grad, werden die Flickarbeiten eingestellt, denn dann ist keine haltbare Stopfarbeit möglich.

Ist der Asphalt auf Temperatur gebracht, kann es weitergehen. Blanke rauht die Ränder des Lochs auf, Seibert schafft derweil den heißen Asphalt herbei und füllt ihn in das Loch. Dann wird es laut: Blanke wirft die Rüttelplatte an und verschwindet sogleich in einer ordentlichen Dampfwolke. Zuvor auf den heißen Asphalt gegossenes Wasser sorgt für Kühlung, eine glatte Oberfläche und eben für jede Menge Dampf.

„Wir werden weiter mit Eimern arbeiten“

Zehn bis 15 Minuten brauchen die Bauhofmitarbeiter für das Stopfen eines Lochs. Deutlich länger als für die gleiche Arbeit mit Kaltasphalt aus dem Eimer. Deshalb wird auch die Eimer-Methode zur schnellen Abhilfe trotz des schicken neuen Reparaturzugs nicht aus der Mode kommen. „Wir werden weiter auch mit den Eimern arbeiten“, so Bauhofleiter Manfred Witzel. Allerdings sind die Löcher beim Stopfen mit Kalt-asphalt auch fast so schnell wieder da, wie sie weg sind. Manchmal hält das Flickwerk noch nicht mal einen Tag, weiß Witzel aus Erfahrung.

Mit der Haltbarkeit der mittels des neuen Reparaturzugs gestopften Löcher ist der Bauhof-Chef indes sehr zufrieden - die gestopften Löcher sind immer noch zu. Ein Allheilmittel ist das Gerät allerdings nicht. Die Löcher dürfen nicht größer als zirka ein Quadratmeter sein, größer ist die Fläche des Geräts, das den vorhandenen Straßenbelag erwärmt nicht. Unsinnig wird der Einsatz auch, wenn die Straße allzu große Ähnlichkeit mit einem Schweizer Käse aufweist. „Liegt ein Loch am anderen, dann hilft da nur noch eine Straßenbaufirma“, zeigt Witzel die Grenzen des Bauhofs auf.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare