Freiwillige Feuerwehr Dieburg

„Noch kein Katzenskelett gefunden“

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Dieburgs Stadtbrandinspektor Sven Weyrauch.

Dieburg - Alarm in der Einsatzstelle, wenige Sekunden später piept der Melder bei den Freiwilligen. Das Gedränge rund um die Fahrzeuge ist groß, denn die Feuerwehrmänner sind stets spätestens nach zehn Minuten am Einsatzort. Doch nicht immer ist ihr Engagement zum Nulltarif. Von Sabrina Kristen

Ob der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr etwas kostet und wenn ja, wie viel, ist für jede Stadt genauestens geregelt. „Es gibt eine Gebührenordnung der Stadt Dieburg, nach der wir berechnen. Generell sind Brandeinsätze und das Retten von Menschenleben kostenlos“, sagt Stadtbrandinspektor Sven Weyrauch.

Die Unterscheidung, ob etwas nun kostenfrei ist oder in Rechnung gestellt wird, gestalte sich jedoch nicht immer eindeutig. „Wenn wir bei einem Verkehrsunfall eine eingeklemmte Person retten, ist das selbstverständlich kostenlos. Saugen wir im Anschluss Stoffe wie Öl oder Benzin auf, kostet das etwas“, erläutert Weyrauch. Häufiger Fall: Es kommt zu einem Fehlalarm, wenn eine Brandmeldeanlage, wie in einem Altenheim, fälschlicherweise losgeht. „Hierbei kostet der Einsatz in etwa 800 Euro und der Betreiber muss dafür aufkommen“, erklärt der 40-Jährige. Mit den Rechnungen selbst hat die Freiwillige Feuerwehr nichts zu tun, denn hierfür ist die Stadt Dieburg zuständig.

Das genaue Gebührenverzeichnis gibt es als pdf-Datei.

Die Anzahl von böswilligen Fehlalarmen, beispielsweise als Streich von Jugendlichen, ist verschwindend gering: Im vergangenen Jahr gab es keinen Fall, 2012 lediglich einen. „Das liegt wohl vor allem daran, dass die Rufnummerunterdrückung bei der Einsatzstelle nicht funktioniert. Außerdem sind Telefonzellen als anonyme Anlaufstelle zur Seltenheit geworden“, erklärt Weyrauch. 75 Dieburger Einsatzkräfte hatten im vergangenen Jahr einiges zu tun: 27 Brandeinsätze, 93 Hilfeleistungen und 22 Fehlalarme führen zu insgesamt 142 Einsätzen. Der klassische Wohnungsbrand ereignet sich dabei in der Regel in den Abend- und Nachtstunden, wohingegen Fehlalarme in Gewerbeanlagen überwiegend tagsüber vorkommen.

Den Klassiker gibt es eigentlich nicht

Zum Wohnungsbrand kommt es meist durch technische Defekte, wie zum Beispiel durch Fusseln in der Leitung von Waschmaschinen oder Trocknern. „Die alten Röhrenfernseher werden zunehmend durch Flachbildmodelle ausgetauscht. Aus diesem Grund nehmen die Einsätze in diesem Bereich ab“, sagt der Stadtbrandinspektor. Eine Gefahrenquelle sei jedoch die falsche Anordnung in der TV-Ecke. „Wenn mehrere Geräte zusammenstehen, kann es zum Hitzestau kommen. Obacht auch vor billigen Mehrfachsteckdosen, lieber auf Qualität setzen“, findet Weyrauch.

Besonders Großbrände wie in der Dieburger Altstadt im Jahr 2011 bleiben im Gedächtnis. Auch im Sommer 2012 kamen die Ehrenamtlichen allein durch Unwetter und das Open-Air-Festival „Traffic Jam“ auf rund 100 Einsätze, die in der Statistik zusammengefasst als nur jeweils einer aufgelistet werden.

Der Klassiker „Katze oder Wellensittich auf einem Baum“ kommt in Dieburg so gut wie gar nicht vor. „Das Tier kommt nach einiger Zeit sowieso von selbst herunter. Ich habe zumindest in meiner Laufbahn noch kein Katzenskelett zwischen den Ästen gefunden“, sagt Weyrauch mit einem Schmunzeln. Da es sich hierbei jedoch um eine Hilfeleistung und keine lebensbedrohliche Notlage handelt, müsste der Tierbesitzer für die Kosten aufkommen. Da allein der Einsatz der Drehleiter pro angefangener Stunde 194,30 Euro kostet, würde schnell einiges zusammen kommen.

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