FSJ in Südafrika

„Freue mich auf Heimweh“

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Auf und davon: In wenigen Tagen fliegt Artur Schmidt nach Südafrika.

Dieburg - „Das werde ich am meisten vermissen“, grinst Artur Schmidt, als seine Mutter eine Kanne Kaffee vor ihn auf den Tisch stellt. Lange kann der Dieburger sein „Hotel Mama“ nicht mehr genießen, in wenigen Tagen fliegt er für ein Jahr nach Südafrika. Von Lena Marie Jörger

Entsandt von Volunta, einer gemeinnützigen Gesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Hessen, absolviert er mit elf anderen jungen Erwachsenen aus ganz Deutschland ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Kgautswane, rund 400 Kilometer östlich von Pretoria. In der Gemeinde, die aus mehreren kleinen Dörfern besteht, unterrichtet Schmidt an einer Schule unter anderem Englisch und Naturwissenschaften. Gut die Hälfte der Kosten werden vom staatlich geförderten Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) abgedeckt. Den Rest müssen die Freiwilligen durch Spenden finanzieren.

Seit gut einem Jahr stand für Schmidt fest, dass er nach dem Abitur an der Alfred-Delp-Schule ins Ausland geht. „Das ist eine gute Gelegenheit, ein Jahr etwas für andere zu tun, bevor ich mich mit mir selbst und meiner beruflichen Zukunft beschäftigen muss.“

Warum die Wahl auf Südafrika fiel? So genau, weiß er das auch nicht mehr. „Anfangs wollte ich in ein spanischsprachiges Land, zum Beispiel nach Bolivien“, erzählt er, „aber bei einer Infoveranstaltung war ich plötzlich total begeistert von Südafrika und habe mich umentschieden.“

Dass die Wahl seines Projektes auf eine Schule fiel, ist kein Zufall. „Ich wollte schon immer mal mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.“ In Kgautswane wird das aber keine leichte Aufgabe für den 20-Jährigen – eine Klasse kann schon mal aus bis zu 70 Schülern bestehen. Sorgen macht er sich aber keine. „Ich bin total gespannt, wie das abläuft.“

Seine Vorfreude merkt man dem Dieburger an, besonders, wenn er von „Mama Clara“ erzählt. Die Südafrikanerin ist die Chefin des „Kgautswane Community Development Centers“, eine Art Freizeitzentrum mit kleinen Läden, einem Internetcafé und Sportplätzen. In dem Zentrum sind auch die Freiwilligen untergebracht. „Mama Clara ist eine beeindruckende Frau“, schwärmt Schmidt. Bei einem Vorbereitungsseminar lernte er Clara kennen und war vom ersten Moment beeindruckt. „In ihrer Heimat ist sie eine große Persönlichkeit, das hat uns Freiwillige schon eingeschüchtert“, erinnert sich der Abiturient. „Aber sie war total nett und hat uns jede Menge erzählt.“

Unter anderem, dass die FSJler ab 20 Uhr auf dem Gelände des Zentrums bleiben sollten – zu groß ist die Gefahr eines Überfalls. Aber Angst um seine Sicherheit hat Schmidt nicht. Nicht einmal um seine hochwertige Spiegelreflexkamera, mit der er leidenschaftlich gern fotografiert. „Ich gehe einfach nicht davon aus, dass sie mir geklaut wird.“ Das wäre auch mehr als schlecht, schließlich freut sich der Dieburger schon darauf, sein Hobby in Südafrika weiter auszuüben. „Die Sonnenuntergänge sollen der Hammer sein, habe ich gehört.“

Neben dem Fotografieren will sich Schmidt außerdem seiner zweiten Leidenschaft widmen: der Musik. Wie viel Spaß ihm die bereitet, zeigt allein schon die Liste der Instrumente, die er beherrscht: Gitarre, Bass, Klavier, Schlagzeug und Cajon, eine Art Kistentrommel. „Ich liebe Musik einfach“, bringt er es auf den Punkt. In Südafrika will er gemeinsam mit anderen Freiwilligen Musikprojekte starten. „Vielleicht geben wir Gitarrenunterricht oder bauen gemeinsam Perkussionsinstrumente“, überlegt er. Auch gemeinsame Abende am Lagerfeuer kann er sich vorstellen. „Die Menschen in Kgautswane singen und tanzen gern, da bietet sich das doch an.“

Um die Verständigung macht sich der Dieburger keine Gedanken - im Gegenteil: „Ich freue mich darauf, neue Sprachen zu lernen.“ Den Kurs in Sepedi und Afrikaans, zwei der vielen Sprachen, die neben Englisch in der Region um Kgautswane gesprochen werden, gibt es zu Beginn des Aufenthaltes von Mama Clara persönlich. „Ich wollte mir sogar schon ein Sepedi-Wörterbuch kaufen, habe aber keins gefunden“, bedauert Schmidt.

Abgesehen davon ist er aber bestens vorbereitet, hat sogar die Biographie von Nelson Mandela gelesen, um so viel wie möglich über Geschichte und Kultur des Landes zu erfahren. Bücher in Papierform nimmt er dorthin aber nicht mit. „Nur meinen E-Book-Reader, der ist handlicher.“

Urlaubspläne für die Zeit in Südafrika haben er und die anderen Freiwilligen schon gemacht. Im Januar soll es für eine Woche über Johannesburg nach Kapstadt gehen. Und auch ein Ausflug in den Krüger-Nationalpark, eines der größten Wildschutzgebiete Afrikas, ist geplant, denn der liegt nur wenige Kilometer von Kgautswane entfernt. Den vielen Eindrücken - ob gut oder schlecht - fiebert Schmidt jetzt schon entgegen. „Das wird meine Denkweise komplett verändern“, vermutet er.

Von dem Jahr erhofft er sich aber noch etwas ganz anderes: Er will selbstständiger werden. „Bisher macht meine Mama alles für mich, das ist zwar super, aber irgendwann muss ich anfangen, das selber zu übernehmen.“ Ob er Heimweh nach seinen Eltern, Geschwistern und Freunden haben wird? Er hofft es: „Darauf freue ich mich, denn das hatte ich noch nie.“

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