Serie des DA: „Dieburg – früher und heute“ / Teil 3

Ein Frisörsalon und nebenan das Café Katz

So sah die Ecke Fuchsberg/Minnefeld noch in den 60er Jahren aus. Rechts das „Weiße Kreuz“. - Repro: Dörr

dieburg - Nichts ist beständiger als der Wandel. Dieburg macht da keine Ausnahme: Was einst das Stadtbild prägte, ist heute teilweise in Vergessenheit geraten. Was vormals wichtig war, fristet heute ein Schattendasein.

Manches ist auch geblieben und hat sogar an Bedeutung gewonnen - auf jeden Fall hat sich vieles verändert. In seiner Serie „Dieburg - früher, heute“ blickt der DA in loser Folge auf markante Stellen der Stadt, beschreibt in Wort deren Entwicklung und vergleicht zudem in Bild, was einstmals war und heute ist.

Die Recherche zur Serie unterstützte und unterstützt der Heimatverein Dieburg, allen voran dessen Ehrenvorsitzende Anne Sattig. Die Repros gehen teilweise auf den Fotonachlass von Josef Blank - zur Verfügung gestellt von dessen Schwiegersohn Hans Rohmann - zurück.

Doch auch viele weitere Dieburger wussten und wissen etwas zur Historie ihrer Stadt beizutragen. DA-Leser haben überdies jederzeit die Möglichkeit, Anregungen zur Serie zu äußern. Der Autor ist telefonisch (0151 18458014) oder per E-Mail (jensdoerr@gmx.de) erreichbar.

Die heutige Folge führt an die Ecke Fuchsberg/Minnefeld: Sie sah einst ganz anders aus

Viel Verkehr herrscht auf der Dieburger Ost-West-Achse vom Minnefeld über die Darmstädter Straße nicht erst seit gestern: Schon vor Jahrzehnten sorgte der Ruß der Fahrzeuge dafür, dass das „Weiße Kreuz“ am Eckhaus zwischen Fuchsberg und Minnefeld nach und nach seine „weiße Weste“ verlor. Das Eckhaus ist nicht mehr, das „Weiße Kreuz“ gibt es aber noch - allerdings nicht mehr in Weiß, da es abgestrahlt wurde, so dass der rote Sandstein wieder zum Vorschein kam.

Die christliche Darstellung spendete einst der Dieburger Frisör Weber, der das Eckhaus um 1900 herum baute. Schon über den Frisörladen, der sich im Erdgeschoss befand, lassen sich viele Geschichten erzählen. Unter anderem lernten hier nach dem Zweiten Weltkrieg Marlies und Josef Faust, die später den „Salon Faust“ in der Altstadt aufbauten. Heute führt ihn ihr Sohn Detlef Faust.

Das Kreuz befindet sich heute an leicht verändertem Standort, direkt am Hause Mai. Davor ist etwas Freifläche zu finden - das Eckhaus fiel einst im Zuge der Begradigung der Landestraße und im Zuge deren Ausbaus. Was nicht nur das Andenken an den Frisörladen verschwinden ließ, sondern auch das Elternhaus der einstigen Dieburger Fastnachtslegende Robert Thomas. Er wurde über dem Salon geboren.

Nebenan, rechts gesehen, wenn man den Fuchsberg Richtung Bahnhof hinauffährt, befindet sich etwas, das dort schon Jahrzehnte war: ein Lokal. Das heutige „Level 2“ war zuvor unter anderem ein Dönerladen - und bis zum Dritten Reich das „Café Katz“. Berta Katz wurde dort in der Reichskristallnacht Überfallopfer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete das Nebenhaus zum verschwundenen Eckhaus wieder mit einem gastronomischen Angebot - was sich bis ins Jahr 2012 fortgesetzt hat. J jd

Kommentare