Fruchtkörper im Unterholz gesucht

Die Familie Spieß säuberte ihre Pilze gleich vor Ort. - Fotos (2): Sell

Pilze sammeln – in Dieburg ein beliebtes Hobby. Die Naturfreunde hatten zur Pilzwanderung eingeladen und rund 50 Interessierte kamen. Von Fabian Sell

dieburg - Mit Körben am Arm pilgerten am Samstag rund 50 Interessierte zum Naturfreundehaus auf der Moret. Dort begrüßte sie Dr. Michael Höllwarth, der die Führung übernahm. Er begann mit einen kurzen Einblick in die vielfältige Welt der Pilze.

„Es gibt etwa 1,5 Millionen Pilzarten. Davon sind zirka 10 000 Großpilze. Von diesen Großpilzen gibt es wiederum etwa 2 000 in Deutschland – und davon sind vielleicht 200 essbar“, sagte Höllwarth. Zudem sammle man nicht die Pilze, sondern deren Fruchtkörper. „Der Pilz selbst wächst im Boden und man sieht ihn meist nicht.“

Eben jene Fruchtkörper sollten nun die Sammelkörbe füllen. Die üblichen Arten für den Mittagstisch waren jedoch nicht erwünscht. „Es geht nicht darum, Pilze zum Essen zu finden, sondern neue Arten kennen zu lernen“, betonte der Exkursionsleiter. Dann begab sich die Gruppe ins Unterholz. Eine Stunde ging es dort auf die Suche nach unbekannten Arten.

Am Ende der Menschenschlange, die sich in den Wald begibt, läuft eine ältere Pilzsammlerin. In ihrem Sammelkorb liegen bereits ein paar Pilze – gesammelt in den frühen Morgenstunden. Mit der Pilzwanderung ist sie wohl vertraut.

Schon seit vielen Jahren besucht sie die Exkursionen von Michael Höllwarth. Warum sie immer wieder teilnimmt? „Man lernt jedes Mal etwas Neues“, erklärt sie. Die Teilnehmerzahl ist der Dieburger Rentnerin dieses Mal jedoch etwas zu hoch. „Es ist ja so, dass Michael Höllwarth eine große Verantwortung dafür trägt, dass niemand einen Giftpilz einnimmt.“

Einige Minuten später, einige hundert Meter weiter. Die anfänglich noch zusammen laufende Menschenmenge hat sich aufgelöst. Auf dem Hauptweg steht Volker Sattler. Bereits gestern sei er sammeln gewesen – und mit einigen Steinpilzen im Gepäck erfolgreich heimgekehrt.

Heute ist sein Korb noch leer. Zeit also, sich auf der Suche nach Pilzen durch das angrenzende Dickicht zu kämpfen. Der Matsch ist tief, durchwühlt von Wildschweinen. Zweige versperren den Blick und müssen zur Seite geschoben werden.

Zwei Pilze erweisen sich beim näheren Hinsehen als alt und ausgerissen. Dann lichtet sich die Sicht - und Sattler entdeckt einen Riesenschirmpilz, seinen Lieblingspilz. Dieser ist, erzählt Sattler, einer von sieben Pilzen, mit denen er wohl vertraut ist.

Bei der Pilzwanderung ist er aber das erste Mal dabei. Seine ersten Sammelerfahrungen liegen jedoch weit zurück – in der Kindheit. Mit seinem Vater sei er sammeln gewesen. Er habe ihm viel beigebracht. Als Erwachsener war er hingegen nur ab und zu sammeln. Ein Tipp ist ihm aber gut in Erinnerung geblieben: „Wenn du einen guten Pilz gefunden hast, gehe weiter. Wo einer steht, stehen noch mehr.“

Diesen Tipp scheinen auch andere Sammler zu kennen. Denn als sich die Gruppe an einer Kreuzung unweit des Naturfreundehaus Moret wieder trifft, sind viele Körbe gut gefüllt. Michael Höllwarth beginnt mit der Pilzbegutachtung – häufig begleitet von der Frage: „Ist dieser Pilz essbar?“ Etwa der Milchling? „Nein, wenn er bitter und scharf schmeckt, ja, wenn er mild schmeckt.“ Der Butter-rübling? „Er ist essbar, es lohnt sich aber nicht, ihn zu sammeln.“ Oder der Rettich-Helmling? „Er ist ungenießbar.“

Volker Sattler steht am Rand des Kreises, der sich um Michael Höllwath gebildet hat. Er ist etwas enttäuscht. Für Einsteiger sei die Begutachtung ja in Ordnung, aber für Fortgeschrittene halte er die Informationen für zu oberflächlich. Ein Problem der Gruppengröße: „Mit weniger Teilnehmer wäre es informativer“, sagt Sattler. Auch Michael Höllwarth sieht die Gruppengröße kritisch. „Optimal ist eine Gruppengröße von 20 bis 25 Teilnehmern“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung.

Doch viele Teilnehmer hin oder her – Familie Spieß ist mit der Exkursionen auf jeden Fall zufrieden: So stehen Vater, Sohn und Tochter nach der Begutachtung beisammen. Jeder mit eigenem Pilzkorb. Jeder mit neuen Erfahrungen. „Wir haben heute neue Arten kennen gelernt“, sagt der Vater. Und der Sohn ergänzt: „Jetzt werden wir in den Herbstferien Pilze sammeln gehen.“

Und auch für die Pilze sammelnde Seniorin hat sich die Wanderung gelohnt. Sandröhrling heißt der Pilz, den sie heute kennen gelernt hat. Doch bedeutender ist für sie etwas anderes. „Michael Höllwath hat den grünen Knollenblätterpilz gezeigt. Das war wichtig, weil er giftig ist und man ihn auf keinen Fall essen darf.“

Für Höllwarth dürfte der grüne Knollenblätterpilz nicht das erstes Vorstellungsobjekt dieser Art gewesen sein, führt er die Pilzwanderungen doch schon seit langem. Wie lange? „Bestimmt schon seit über 15 Jahren“, sagt Höllwarth.

Auf die Frage, was ihn dazu motiviere, Pilzwanderungen zu leiten, antwortet er schlicht: „Man kennt die Pilze. Warum sollte man sie nicht den Naturfreunden nahebringen?“

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