Frühlingsgefühle bei Fröschen: Autofahrer, aufgepasst!

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Werner Markwort (vorne) und Rudolf Barthel leeren die Eimer, in die die Amphibien am Zaun plumpsen.

Dieburg - Im Gegensatz zu vergangenem Jahr, als die Amphibienwanderung so früh wie noch nie einsetzte, sind die Kröten und Frösche wegen des langanhaltenden Winters in diesem Jahr sehr spät dran. Zum Laichen brauchen sie bestimmte Voraussetzungen - wie ansteigende Temperaturen. Von Verena Scholze

Seit knapp zehn Tagen ist es aber nun soweit, die Frühlaicher kommen aus ihren Winterschlupflöchern und streben ihren Laichgewässern entgegen. Die Autofahrer werden wieder besonders auf die Wanderung aufmerksam gemacht. Aktuelle Schilder weisen auf die Gefahr hin und ermahnen die Autofahrer, ihr Tempo zu drosseln. Besonders morgens und in den Abendstunden ist mit Tieren auf den Fahrbahnen zu rechnen.

„Samstagnachmittag vor einer Woche haben wir die Amphibienzäune überprüft und an den schadhaften Stellen ausgebessert“,berichtet Rudolf Barthel von der NABU-Ortsgruppe Dieburg. „Als ich Samstagabend erneut vor Ort war, habe ich bereits die erste Kröte in einem Eimer gefunden“, so Barthel weiter.

Am Amphibienzaun plumpsen Kröten, Frösche oder Molche in Eimer.

Der Holzzaun, der das Gebiet auf einem kappen halben Kilometer Länge neben der Kreisstraße 128 eingrenzt und die Tiere vom Überqueren der Straße abhalten soll, wurde bereits in den Siebzigerjahren vom NABU errichtet. Die Amphibien wandern auf ihrer Laichstrecke vom Forst zum Teich auf dem Gelände der FH, um dort ihre Eier abzulegen. Nachdem der Zaun im Laufe der Zeit durch Wind und Wetter marode wurde, muss er nun jedes Jahr durch Kunststoffplanen verstärkt werden, um ihn für die Tiere undurchdringlich zu machen. Die Amphibien hüpfen so lange am Rande des Zaunes entlang, bis sie in einen von 24 Eimern fallen, die beidseitig entlang der Absperrung aufgestellt worden sind. Hier werden die Tiere dann von den Helfern zweimal pro Tag eingesammelt und an den Teich im Forst zurückgesetzt. „Hauptsächlich sammeln wir hier in dem Gebiet Kröten, Frösche und Molche ein“,berichtet Werner Markwort, stellvertretender Leiter des NABU. „Aber einmal fanden wir sogar einen Feuersalamander.“

Letztes Jahr konnte der NABU während der Laichzeit rund 900 Amphibien einsammeln. „Diese Jahr haben wir innerhalb der letzten zehn Tage bereits 400 Tiere verzeichnet“,erzählt Barthel, „ein explosionsartiger Anstieg.“ Abends finden die Helfer manchmal zwischen 20 und 30 Kröten, Frösche oder Molche in den Eimern vor.

„Die Zusammenarbeit zwischen dem NABU und dem Dieburger Forstamt verläuft auf beiden Seiten zur vollen Zufriedenheit“,sagt Stefan Rickert, Bereichsleiter im Forstamt. „Wir sind für den Artenschutz und die Pflege im Forst zuständig, dazu zählen auch die Naturschutzgebiete.“ Das Forstamt hält die Anlagen in Ordnung und prüft die richtige Betreuung. „Wenn wir beispielsweise . bei den Schutzzäunen Defekte feststellen, setzen wir uns sofort mit den Ansprechpartnern vom NABU in Verbindung oder ergreifen auch selber Maßnahmen“, so Rickert.

Neben der K128 befindet sich eine Hinweistafel, auf der neben den hier ansässigen Arten auch die Zahlen der gesammelten Tiere vermerkt sind. Hier werden die Amphibien registriert, die am Abfangzaun gezählt und übergesetzt wurden. So erreichte die Zahl 2001 mit 2012 Amphibien den Höhepunkt, in den darauf folgenden Jahren fielen die Zahlen zum Leidwesen des NABU. So konnten 2004 nur noch 1371 Amphibien, 2006 noch 907 und 2008 nur noch 862 Tiere gezählt werden.

Bereits vor einigen Jahren erhielt der NABU eine Spende aus dem Umwelt Fond der Fraport AG. Mit diesem Geld wurde in Zusammenarbeit mit dem Dieburger Forstamt im Waldgebiet zwischen der K128 und der B26 ein neuer Laichtümpel für die Amphibien angelegt. „Dieser Tümpel musste damals mit Wasser von der Feuerwehr gefüllt werden, die eigens dafür anrückte“,blickt Barthel lächelnd zurück. Wegen des trockenen Sommers kam kein natürliches Nass. Die Amphibien sollen dieses neue Biotop als Ersatzlaichtümpel annehmen und durch ihn von dem Drang abgehalten werden, die Straße in Richtung FH-Teich zu überqueren.

Bereits damals eine gute Entscheidung wie sich heute herausstellt, stehen doch die Mitglieder des NABU und das Forstamt vor einem neuen Problem. Aufgrund des neuen Bebauungsplanes, der für das Gelände der FH im Gespräch ist, ist es möglich, dass der Laichplatz der Amphibien in Gefahr ist. Durch eine eventuelle Trockenlegung des Weihers würden die Amphibien ihr Laichgewässer verlieren.

„Erdkröten wandern immer zurück, egal ob der Teich trocken ist oder nicht“,berichtet Wolfgang Röhser, Artenschutzbeauftragter des Forstamts Dieburg. „Sie suchen sich kein neues Gewässer, sondern würden sich weiter am ehemaligen Laichplatz aufhalten. Somit wären sie dort natürlich eine leichte Beute für Vögel.“Gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas sollen nun Gespräche geführt werden, um für Bebauung und Naturschutz eine für alle Seiten tragbare Lösung zu finden.

Bis es soweit ist, haben die Mitglieder des NABU in den nächsten Wochen noch einiges zu tun, denn Überquerungshilfe leisten, ist weiterhin notwendig. „Wir arbeiten in zwei Schichten“,so Barthel, einmal morgens und einmal abends in der Dunkelheit mit Taschenlampe. Alle Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich und finden sich selbstverständlich auch bei schlechter Witterung ein.“ Leider habe man aktuell nur acht bis zehn aktive Mitglieder und betreue neben den Amphibien auch noch andere Projekte, wie die Pflege von Nistkästen. Barthel: „Daher sind wir für jeden freiwilligen Helfer dankbar.“

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