In fünf Jahren auf drei Spuren über B 26

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silke Lautenschläger im Gespräch mit Alexander Klug.

Darmstadt-Dieburg - Sie hat bei der Neuwahl des Landtags im Januar den Wahlkreis 52 zurückerobert. Der Kabinettsumbau hat sie von der Sozial- zur Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gemacht. Nun haben auf dem Tagesprogramm von Silke Lautenschläger Biogasanlagen und Leichtbauautos Kindergärten und Seniorenheime verdrängt. Was ihr neuer Arbeitsplatz und der Koalitionsvertrag von CDU und FDP für Projekte in der Region bedeuten, darüber hat OP-Redakteur Alexander Klug mit ihr gesprochen.

Wie haben Sie sich in Ihrem neuen Ministerium eingelebt, Frau Lautenschläger?

Sehr gut! Die Einarbeitung im aufgewerteten neuen Ministerium ist mir überhaupt nicht schwer gefallen. Ich habe mich sehr gern um das Sozialressort gekümmert, aber nach acht Jahren ist es auch spannend, sich in andere Bereiche zu vertiefen. Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz interessieren mich sehr. Hier werden Zukunftsfragen beantwortet: Wie sichern wir die Energieversorgung und halten sie bezahlbar und sauber? Wie geben wir Landwirten eine Zukunft? Hierauf Antworten zu finden, ist spannend und bedeutend zugleich. Ich bin auf dem Bauernhof groß geworden und kenne die Herausforderungen.

Im Koalitionsvertrag mit der FDP schreiben Sie der B 26 „überragende Bedeutung“ zu. Wie wird sich die bemerkbar machen?

Diese schier endlose Geschichte muss jetzt zu Ende gebracht werden. Das wollen wir in den kommenden fünf Jahren schaffen. Ich kann den Ärger der Verkehrsteilnehmer verstehen, die täglich im Dauerstau stehen. Das ist schlecht für die Umwelt, schlecht für den Geldbeutel und schlecht für die Mobilität insgesamt. Das müssen und werden wir in den Griff bekommen. Die Planungen sind in letzter Zeit gut vorangekommen.

Wo sehen Sie noch mögliche Hindernisse?

Wer heute in Europa Infrastrukturprojekte plant, ist in Gottes Hand, ein bisschen wie vor Gericht und auf hoher See. Aber im Wesentlichen sehe ich keine Schwierigkeiten mehr für den dreistreifigen Ausbau der B 26. Wenn beim Planfeststellungsverfahren doch noch welche auftauchen, müssen wir eben schauen, wo es hakt. Ich sage aber auch: Die Südumgehung von Babenhausen ist nur realisierbar, wenn alle nötigen Entscheidungen, die die Verantwortlichen vor Ort zu treffen haben, abgearbeitet sind.

Diskussionen löste neulich das Thema Staudinger im Eppertshäuser Ortsparlament aus. Was entgegnen Sie den Kritikern des Kraftwerks in Großkrotzenburg?

Es ist wichtig, die Menschen in Kommunen und Kreisen zu beteiligen. Das passiert im Zuge des Raumordnungsverfahrens. Dieses Verfahren verläuft nach Recht und Gesetz und nicht nach Lust und Laune oder politischen Vorlieben. Wie werden übrigens dem Kraftwerksbetreiber eine Menge abverlangen. Ein Großkraftwerk kann nur dann erweitert werden, wenn sich daraus ökologische Vorteile ergeben. Aber zur großen Rechnung gehört natürlich auch die andere Seite: Die Grundlast der Stromversorgung muss gesichert sein, dafür sind moderne Kraftwerke nötig. Bei Themen dieser Art sind Diskussionen schon immer sehr emotional geführt worden. Da hilft nur viel Aufklärung. Klar ist, dass wir auf absehbare Zeit einen Mix aus allen zur Verfügung stehenden Energien brauchen und dazu zählt auch die Kohlekraft.

Wie könnte diese Mischung denn nach Ihren Vorstellungen aussehen?

Unser Ziel ist klar: 20 Prozent erneuerbare Energie bis zum Jahr 2020 bezogen auf den Endenergieverbrauch. Ein ehrgeiziges Ziel, denn es ist klar, dass wir weder die Sonnenstunden Spaniens noch die Windmenge der Küsten Schleswig-Holsteins haben. Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin für Windenergie, da wo es Sinn macht – genauso für den Ausbau der Photovoltaik. Man muss eben sehen, wo noch Spielräume vorhanden sind. Zum Beispiel ist die Energiegewinnung aus Biogas noch ausbaubar. Und natürlich müssen wir an der Energieeinsparung insgesamt arbeiten, das ist das Allerwichtigste. Die Grabenkämpfe in der Energiepolitik müssen aufhören. Wir wollen mehr erneuerbare Energie und mehr Effizienz. Klar ist aber auch, dass wir nicht im energiepolitischen Wolkenkuckucksheim leben.

Quelle: op-online.de

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