„Fünf weitere Jahre sind drin“

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Der WSV kämpft auch dafür, dass es über 2014 hinaus Veranstaltungen wie die „Pool-Party“ des SV Blau-Gelb Dieburg geben kann.

Dieburg ‐   An Silvester 2014 läuft der Mietvertrag zum Dieburger Hallenbad aus, den der Wassersportverein Dieburg (WSV) mit dem Telekom-Vermögensverwalter Corpus Sireo abgeschlossen hat. Zugleich das Datum für die endgültige Schließung des Bads – damit zumindest schienen sich in der Vergangenheit die meisten Dieburger Bürger und Kommunalpolitiker abgefunden zu haben. Von Jens Dörr

Gerade in der jüngeren Vergangenheit kam aber Bewegung in die Sache – und plötzlich eine für Wasserratten hoffnungsvollere Perspektive ins Spiel. Der Wassersportverein fordert den Betrieb des Bads über 2014 hinaus und wünscht sich baldige Klarheit für die spätere Zukunft. „Nach unserer Auffassung ist das Hallenbad nach 2014 noch einige Jahre lang weiter gut betreibbar“, sagt Klaus Schulte, der Vorsitzende des WSV. Ein Zeitraum von fünf zusätzlichen Jahren, durchaus aber auch bis 2020 oder 2021, schwebt Schulte und seinem Verein vor. Schon FDP-Mann Albrecht Achilles sprach im Haupt- und Finanzausschuss von einer verzögerten Bebauung des Hallenbad-Areals und einen Erhalt über den Mietvertrag über 2014 hinaus. Auch mit den Grünen tauschte sich der WSV aus, die sich im Parlament per Antrag für das Weiterbestehen von Hallenbad und Sportanlagen auf dem Campusareal aussprachen. Besonders intensiv aber steht der WSV in Gesprächen mit der Dieburger CDU, seit September unterhält man sich gezielt zum Thema „Erhalt des Hallenbads für weitere Jahre“.

Wir wollten noch einmal vom Verein bestätigt bekommen, dass das Bad über 2014 hinaus weiter betreibbar ist“, so Stadtverordnetenvorsteher Harald Schöning. Das habe der WSV überzeugend getan. Seit Oktober 2003 hat der Wassersportverein – nicht gleichzusetzen mit der Schwimmabteilung des SV Blau-Gelb Dieburg, auch wenn der SV der größte Nutzer ist – den Betrieb des Bads in Eigenregie inne.

120 000 Euro bereits in das Hallenbad investiert

Von 2003 bis 2007 nahm der Verein immer wieder unterschiedlichste Sanierungsarbeiten vor, im Sommer 2008 bekamen das Bad und die anliegenden Turnhallen zudem eine neue Heizung. Dieter Sähring, WSV-Mitglied und Technischer Leiter des Hallenbads, ist in diesem Zusammenhang nicht gut zu sprechen auf die ehemals für das Bad verantwortliche Hochschule Darmstadt, die zu wenig und falsch investiert und sich auch beratungsresistent gezeigt habe.

Bei einer Führung durch das Bad und dessen Katakomben verdeutlichen Schulte und Sähring, wo der WSV überall investiert hat und wo auch Fehler in der Ausgestaltung des Bads gemacht wurden. Einfaches Beispiel: die Leuchten über dem Becken, die man ohne Gerüst nicht auswechseln könne. Schulte weist darauf hin, dass im gesamten Bad nichts mehr von der alten Beleuchtung übrig sei. 120 000 Euro habe man seit 2003 an Investitionskosten getragen, zusätzlich zu den anfallenden jährlichen Betriebskosten.

„Das Bad ist fit“

Auch 70 Prozent der Abflussrohre wurden ersetzt, zahlreiche weitere Reparaturen vorgenommen, um das Bad aufzufrischen. „Wir sind einfach gut bei den Kosten“, sagt Technik-Chef Sähring.

WSV-Chef Klaus Schulte (Mitte) und der Technische Leiter, Dieter Sähring (rechts), zeigen Stadtverordnetenvorsteher und CDU-Mann Dr. Harald Schöning einige der Investitionen in den Katakomben des Dieburger Hallenbads.

Deshalb betont WSV-Präsident Schulte nochmal: „Fünf weitere Jahre sind drin.“ Die großen Batzen seien erst einmal investiert, auch wenn etwa bei den Duschen immer mal wieder Reparaturbedarf auftauchen könne. Insgesamt aber sei „das Bad so fit, dass wir es noch eine geraume Zeit lang nach 2014 betreiben können“, sagt Schulte. Dr. Harald Schöning nennt die Alternativen unterdessen beim Namen: „Ansonsten käme die Schließung des Bads oder der Bau eines neuen Hallenbads infrage.“ Man könne sich natürlich auch über ein kombiniertes Modell aus dem weiteren Betrieb des alten Bads und parallelen Konzepten zum Bau eines neuen vorstellen, ergänzt Schulte. Schöning macht aber auch klar: „So, wie sich die kommunalen Haushalte aktuell entwickeln, ist an den Bau eines neuen Hallenbads in Dieburg nicht zu denken.“ Das könne und werde seiner Einschätzung nach aber nicht ewig so weitergehen.

Letztlich aber darf der selbst ernannte „Asset Manager“ Corpus Sireo mit dem Hallenbad nach 2014 allerdings machen, was er will. Klar ist: Das Campus-Areal wird nach der Aufstellung eines Bebauungsplans durch die Stadt an einen oder mehrere Investoren verkauft, die möglichst viele neue Gebäude auf dem rund 100 000 Quadratmeter großen Gebiet errichten wollen. Dies wird einerseits eingeschränkt durch die Vorgaben des Bebauungsplans, andererseits durch die Zukunft des Hallenbads: Bleibt es stehen, passen weniger Häuser und Wohngrundstücke auf das Gelände.

Zukunft des Hallenbads dennoch ungewiss

Das Interesse von Corpus Sireo dürfte somit kaum in einem Fortbestand des Hallenbads liegen. Dennoch ist der WSV zuversichtlich: Zum einen sei man von Corpus Sireo und dessen Vertreter Daniel Querbach bisher „sehr fair behandelt und stets frühzeitig informiert“ worden.

Andererseits sieht man politische Mehrheiten auf der eigenen Seite, was auch die Einschätzung Schönings ist. „Unser Wunsch ist es, dass eine politische Entscheidung über den Fortbestand des Bads herbeigeführt werden kann“, sagt derweil Klaus Schulte. Dafür müsse aber Corpus Sireo mitspielen – weswegen die Hoffnungen nun auf Bürgermeister Dr. Werner Thomas liegen: „Wir setzen nun auf dessen Verhandlungsgeschick in den Gesprächen mit Corpus Sireo“, so Schulte. Davon hänge stark ab, ob man im Dieburger Bad auch in sechs oder acht Jahren noch seine Bahnen ziehen könne.

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