Neuer Lebensmittelmarkt?

Edeka will auf dem Gelände der Gärtnerei bauen

Dieburg - Bekommt Dieburg bald einen zweiten zentrumsnahen Lebensmittelmarkt? Der Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr hat am Montagabend einstimmig die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen. Von Lisa Hager

Die Stadtverordnetenversammlung wird demnächst darüber entscheiden, ob das Projekt auf dem Gelände der Gärtnerei Spieß (Groß-Umstädter Straße) realisiert wird.

Die Pläne der Edeka Handelsgesellschaft Südwest, einen 1600 Quadratmeter großen Lebensmittelmarkt auf einem Teilgelände der Gärtnerei zu errichten, sind bereits seit einigen Monaten bekannt (wir berichteten ausführlich). Gebietsexpansionsleiter Matthias Lein hat das Vorhaben im Detail jetzt erstmals den Ausschussmitgliedern vorgestellt. Die Gärtnereibesitzer haben ein 4 700 Quadratmeter große Fläche bereits an Edeka verkauft. Sie selbst wollen nordwestlich des bestehenden Wohnhauses ein neues Blumengeschäft errichten. Auch dieses Vorhaben soll der neue Bebauungsplan abdecken.

Modalitäten bereits vertraglich vereinbart

Der neue Markt, so Lein, werde als Vollsortimenter mit 15.000 Artikeln eine Verkaufsfläche von 1135 Quadratmeter haben. Betreiben wird ihn die Familie Kosch, die dann ihren jetzigen, erheblich kleineren Markt in der Henri-Dunant-Straße schließen wird.

Diese Modalitäten sind mit Edeka bereits vertraglich vereinbart. „Wir wollen auch der Familie Kosch, die ihr Geschäft seit über 60 Jahre zuverlässig und sehr persönlich betreibt, eine Zukunft bieten“, sagte Lein.

Der neue Markt könnte im nächsten Jahr in Betrieb gehen, wenn alles nach den Vorstellungen des Bauherrn läuft. „Wir wollen bewusst keinen Standort auf der grünen Wiese“, begründete Lein die Entscheidung für die relativ zentrumsnahe Fläche. „Zu uns sollen die Kunden auch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Rollator kommen können.“

Frage der Stellplätze

Dreh- und Angelpunkt in der kommenden Diskussion könnte trotzdem die Frage der Stellplätze sein. Die 71 im Plan vorgesehenen Stellplätze reichen nach der Stellplatzsatzung der Stadt bei weitem nicht aus (es müssten rechnerisch 113 sein) und erfüllen selbst die Vorgaben des Unternehmens nicht: Dort rechnet man mit einem Stellplatz pro zehn Quadratmetern Verkaufsfläche.

„Das ist ja lobenswert, dass wir einen zweiten innenstadtnahen Markt bekommen sollen“, bemerkte CDU-Fraktionschef Renee Exner. Allerdings sei die Diskrepanz zwischen dem Parkplatzangebot laut Plan und der Vorgabe laut Satzung doch sehr groß.

Lein ist sich bewusst, dass dies der Knackpunkt werden könnte. Er verwies auf ähnliche Märkte in vergleichbaren Lagen in den Innenstädten von Reinheim und Groß-Umstadt, wo man ein Verhältnis von 1:15 (ein Stellplatz pro 15 Quadratmeter) hinbekommen hätte. Eventuell könne man in Dieburg die Parkbuchten noch etwas enger machen, das aber sei wiederum nicht kundenfreundlich, meinte er. Und einer Verkleinerung der Verkaufsfläche erteilte Lein eine klare Absage. „Wir brauchen diese Fläche, um die Produkte wettbewerbsfähig präsentieren zu können.“

Anwohner plagen andere Sorgen

Anwohner der Ringstraße, von denen einige zur Ausschusssitzung gekommen waren, plagen hingegen ganz andere Sorgen. Ein großflächiger Einzelhandelsmarkt über 800 Quadratmeter sei in diesem Gebiet grundsätzlich nicht zulässig, merkte eine Anwohnerin an. Außer der Lärm- und Abgasbelastung durch ein- und ausfahrende Kunden, schlagende Autotüren und Anlieferverkehr durch die Lastwagen, führte sie ein weiteres Argument gegen das Projekt ins Feld: Ein so großer Markt zöge die Kunden aus der Innenstadt ab, mache dem bestehenden Lebensmittelfachhandel – Bäcker, Metzger, Gemüsehändler – im Zentrum Dieburgs Konkurrenz. Zu diesen Auswirkungen auf die Innenstadt regte sie die Erstellung eines Gutachtens an.

„All diesen Fragen stellen wir uns gerne“, sagte Lein. „Aber erst nach dem Aufstellungsbeschluss, denn wir müssen ja auch bei einem Gutachten wissen, von welcher Ausgangslage wir ausgehen müssen.“

Die Kosten des Verfahrens soll nach Vorstellungen des Ausschusses der Bauherr tragen. Ferdinand Böhm (SPD) regte zudem an, Edeka auch eventuell nötig werdende Umplanungen für die Ausfahrt zur Groß-Umstädter Straße in Rechnung zu stellen und dies vertraglich festzulegen.

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