Fußballfans auf dem Busdach

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Diese Fans feierten friedlich am Kreisel. Später kam es allerdings zu Ausschreitungen.

Dieburg ‐  König Fußball hat die Nation fest im Griff. In Dieburg hat sich der so genannte „Fan-Kreisel“ am Schlossgarteneingang zum Treff für die Fußballbegeisterten gemausert. So war es nicht erstaunlich, dass sich nach dem Sieg über Ghana um die 500 Fahnen schwenkende Begeisterte dort versammelten und den Verkehr lahm legten. Von Elisabeth Hager

Bei einer kurzzeitigen „Straßensperre“, die die Polizei über die WM-Zeit weitgehend duldet, blieb es aber nicht. Der Nachtbus nach Aschaffenburg blieb gegen 23 Uhr in dem Menschengetümmel der Rheingaustraße stecken. Zehn Minuten später waren Polizeibeamte vor Ort. Der Bus allerdings war schon umringt von singenden jungen Leuten mit Hüten, Perücken und anderen Utensilien in Schwarz-Rot-Gold. Übermütig begannen einige auf den Bus zu klettern und dort oben zu tanzen. Dabei sei auch eine Seitenscheibe zu Bruch gegangen, wie Polizeipressesprecher Karl Kärchner auf Anfrage bestätigte. „Wie es dazu kam, konnte bislang nicht geklärt werden, zumal der Busunternehmer bislang keine Anzeige erstattet hat“, so Kärchner. Gegen 23.40 Uhr konnte der Bus weiterfahren.

Nirgendwo im Landkreis habe es nach dem Spiel größere Verkehrsbehinderungen gegeben, sagt Kärchner. Die Autokorsos seien friedlich verlaufen. Zum Teil würde die Polizei zur Sicherheit für andere Verkehrsteilnehmer auch Absperrungen errichten. „Wenn der Korso bei Rot über die Ampeln fährt, schreiten wir allerdings ein“, so der Polizeisprecher.

„Nichts runterspielen, aber auch nichts überziehen“

Agiert die Polizei in Sachen WM derzeit zu zurückhaltend, wie manche Beobachter kritisieren? Wird zu viel Toleranz gegenüber Fans geübt, die Sachbeschädigungen zumindest billigend in Kauf nehmen? Diese Vorwürfe weist Kärchner zurück. „Wir wollen nichts runterspielen, aber auch nichts überziehen“, umschreibt er die Taktik. Bei der Massenschlägerei in Weiterstadt nach dem Spiel gegen Serbien beispielsweise sei nicht erwiesen, dass die Public-Viewing-Veranstaltung der Auslöser war. Vielmehr seien die beiden Gruppen in Streit geraten, weil einer der Beteiligten über ein Fahrrad gestürzt sei. Dann gab „eins das andere“.

Mit einem Rahmeneinsatzplatz bereitet sich die Polizei auf Großereignisse wie die WM vor. „Trotzdem müssen wir die Lage jedes Mal neu beurteilen“, so Kärchner. „Da müssen wir von Fall zu Fall flexibel reagieren.“

Das Abbrennen von Pyrotechnik beim Public Viewing ist übrigens kein Kavaliersdelikt. Wer zum Beispiel Fackeln in einer Menschenmenge entzündet, macht sich nicht nur strafbar, sondern handelt auch unverantwortlich, weil er sich und andere in Gefahr bringt. Bei aller Begeisterung für die eigene Mannschaft sollte man „kein Eigentor schießen und auf Feuerwerkskörper verzichten“, so die Polizei.

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