Gänseblümchen locken zu sehr

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Ran an den Ball: Die Kindergartenkinder von St. Martin beim Fußballtraining.

Dieburg ‐  „Was hast du denn für Mords-Schuhe an? Da sind ja die vom Ribéry nix dagegen“, sagt Fußball-Trainer Dieter Mann lachend und läutet anschließend die nächste Übung ein. Der ehemalige Coach des SV DJK Viktoria bringt den Kindergartenkindern aus St. Martin Regeln und grundlegende Voraussetzungen bei, ohne die ein richtiges Fußballspiel nicht zustande kommt. Von Dirk Beutel

Aber bevor es überhaupt auf den Rasen geht, steht ein ordentliches Aufwärmprogramm auf der Tagesordnung - mit dem Ball versteht sich. Leichte Kniebeugen mit dem Ball in den Händen der ausgestreckten Arme, danach erste Zielübungen.

Auch wenn diese Trainingseinheit eher an erste Annäherungsversuche an den Basketballsport erinnert, schwört Dieter Mann darauf: „Die Kinder müssen erst mal ein Gefühl für den Ball bekommen und lernen, Entfernungen abzuschätzen und sich auf sich selber zu konzentrieren“, weiß der Profi, der zwölf Jahre die Spieler der DJK auf Trab gehalten hat.

„Man muss immer auf den Trainer hören“

Unterstützt wird er an diesem Vormittag von seiner Tochter Sandra, Erzieherin in St. Martin und Schöpferin dieser Idee. Ihre Interessen ergänzen die ihres Vaters: „Fußball ist ideal, um den Kindern zu zeigen, wie man als Team zusammen Spaß haben kann. Dazu gehört aber auch, dass sie den Anweisungen des Trainers zuhören.“ Diese Tatsache stellt Dieter Mann immer gleich am Anfang klar: „Man muss immer auf den Trainer hören, sonst funktioniert hier nichts.“ Den Kleinen kann es recht sein. Hauptsache Fußball.

Nach erfolgreichen Würfen am Basketballkorb geht es endlich auf den Platz. Aber auch hier muss Mann die kleinen Racker und ihr chaotisches Gewusel erst mal zusammen pfeifen, bevor er kleine gelbe Hütchen auf der weißen Seitenauslinie aufstellt. So schnell jeder kann, soll der Ball im Slalom um die kleinen Kegel manövriert werden. Geschwindigkeit ist hier nicht das Ziel, sondern Gefühl für den Ball am Fuß zu bekommen. Dabei stehen die Mädchen den Jungs in Nichts nach. „Die wissen alle, dass bald die Weltmeisterschaft beginnt, und sind richtig aufgeregt gewesen, mit einem echten Trainer Fußball spielen zu dürfen“, so Sandra Mann.

Talente fallen gleich auf

Sowieso kann sie von der WM-Vorfreude in ihrer Kita ein Liedchen singen. Nicht nur auf den Schulhöfen, sondern auch bei ihr sind seit Tagen die Sammelbilder der Nationalkicker das Thema überhaupt. Und auch die zukünftigen ABC-Schützen haben ihre Favoriten. „Vor allem Michael Ballack ist sehr beliebt.“ Und auch wenn der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft verletzungsbedingt nicht dabei ist, sein Bild hat nach wie vor einen hohen Stellenwert. Das gilt auch für die Begeisterung für bestimmte Fußball-Vereine. Macit (5) trägt die gelb-roten Farben von Galatasaray Istanbul, Kati (4) das Trikot von Bayern München, Alessia (5) das der deutschen Nationalmannschaft (mit ihrem eigenen Namen auf dem Rücken) und Phil (6) kam gleich in seiner vollen DJK-Montur. Er kann schon richtig mit dem Ball umgehen. „Der ist mir gleich aufgefallen, weil er einen kräftigen Schuss hat.“

Nachdem die erste Runde des Slalomlaufs beendet ist, ruft Dieter Mann seine Schützlinge wieder zu sich: „Kennt einer von euch den Lothar Matthäus? Bevor er nach Italien gegangen ist, konnte er nur mit seinem rechten Fuß spielen. In Mailand hat er gelernt, dass man auch den linken benutzen kann“, fachsimpelt Dieter Mann, während zehn kleine Augenpaare aufmerksam an seinen Lippen hängen. „Trainer?“, zupft es an der Jogginghose von Dieter Mann. „Ich bin auch aus Italien“, stellt Alessia fest. „Das ist doch gut. Da kommen ne Menge guter Spieler her“, erklärt der Coach. Nun also Slalomlauf mit beiden Füßen.

Training aus der Lamäng

Nur einer hat nicht richtig aufgepasst. Die Gänseblümchen auf dem Rasen haben es Mervan (3) angetan. „Mindestens ein Blümchenpflücker ist immer dabei“, schmunzelt Mann und greift zur Pfeife. Nach dem anstrengenden, aber abwechslungsreichen Trainingsprogramm geht es endlich ans Fußballspielen. Hier sollen die Kinder das Gelernte aber auch anwenden. „Guck nicht mich an, guck auf deine Mitspieler. Das macht der Stefan Kießling von Bayer Leverkusen auch immer falsch“, ruft Dieter Mann Tobias (5) zu, dessen Schuhe der Trainer anfangs noch bewundert hat. „Ich mache das alles hier aus der Lamäng heraus. Auch wenn ein paar Kleinigkeiten beim Fußball sein müssen, soll man Kinder einfach spielen lassen. Der Rest kommt von selbst.“ Abpfiff, das Spiel ist zu Ende.

Sichtlich ausgepowert sammelt sich die Truppe und packt ihre Sachen, denn die nächste zehnköpfige Mannschaft aus St. Martin steht schon freudestrahlend in den Startlöchern. Ihnen steht das gleiche Prozedere noch bevor. Dieter Mann: „Die werden heute alle bestimmt gut schlafen.“

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