Gänseblümchen aufs Brot

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Hannelore Stuckert (links) und Maria Porzenheim erläuterten den „Steinzeit-Menü-Teilnehmern“, was die Menschen 7500 Jahren aßen.

Dieburg - „Ich hätte Ihnen auch einen Brei vorsetzen können, da hätten Sie aber das Gesicht verzogen“, sagte Hannelore Stuckert am Mittwochabend vor einer Gruppe im Anbau des Museums Schloss Fechenbach. Von Jens Dörr

Sie meinte damit einen Brei, wie ihn die Bewohner einer der „Steinzeiten“ - es gebe nicht „die eine“, so Stuckert - vor rund 7500 Jahren im Terrain des heutigen Deutschlands aßen: aus Emmer (Zweikorn) und diversen Einkörner, jeweils Weizen-Vorläufer, mit Wasser oder Milch aufgekocht. Milch - vor 7500 Jahren? „Damals fingen die Menschen an, Tiere zu halten“, wusste Stuckert.

Die Archäologin aus Reinheim war bei der Veranstaltung des Dieburger Museums auch um andere Antworten nicht verlegen. Die freie Mitarbeiterin der Kulturstätte gab rund um die Kost der oben angesprochenen Steinzeit eine kleine Einführung im Museum und anschließend zusammen mit Museumsleiterin Maria Porzenheim einen Rundgang durch den Fechenbach-Park mit so manch interessanter Anregung. Ein Vorgeschmack auf den „Steinzeit-Erlebnistag“ am Sonntag (siehe blauen Kasten).

Weißklee, der auf vielen Wiesen zu finden ist, wirkt fiebersenkend. Foto: Dörr

Zunächst erklärte Stuckert, die - neben vielen ehemaligen Archäologie-Studenten aus Frankfurt und Mainz - dem Verein Bandkeramisches Aktionsmuseum angehört: „Zur steinzeitlichen Mahlzeit gehörten Fladenbrote aus Mehl, Wasser und Salz sowie Schafs- und Ziegenkäse. Fleisch gehaltener Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen gehörte ebenfalls dazu, das Salz musste wie der Feuerstein erhandelt werden.“ Denn Handel habe es vor 7500 Jahren in Deutschland bereits gegeben, obwohl es beim Transport noch insbesondere auf menschliche Tragekraft anstatt von Wagen und Lasttieren angekommen sei. Alle Nahrungsmittel, die es damals bereits gab, präsentierten Stuckert und Porzenheim auf einem Tisch. Wobei die Karotte in Knallorange, wie wir sie kennen und wie sie ebenfalls vor den Teilnehmern lag, „nicht authentisch“ sei, wie Stuckert eingestand. Die Steinzeit-Menschen hätten sich viel eher mit weißen Vorläufern der heutigen „Gäleriewe“, wie es auf Dieburger Platt heißt, anfreunden müssen.

Grundproblem bei allen Zutaten des historischen Mahls, das die Teilnehmer der Veranstaltung auch kosten durften: Kaum etwas war so zubereitet, dass es - insbesondere für den Winter - haltbar gewesen wäre. Gut, wenn man für diesen Fall beispielsweise Eicheln sammeln konnte, wie Porzenheim - nun angekommen unter einer Eiche im Fechenbach-Park - anmerkte.

„Es ist vieles essbar, man muss es nur erkennen“

Draußen machte Stuckert auf Pflanzen aufmerksam, die auch heute noch Speisen bereichern oder anderweitig Anwendung finden können. „Es ist vieles essbar, man muss es nur erkennen“, sagte sie. Zur Erheiterung aller stand Museumsleiterin Porzenheim, die in den meisten Punkten gewiss ebenso firm war wie die Archäologin, plötzlich in etwas drin, was hätte vorgestellt werden sollen: mitten in einem Breitwegerich-Nest nahe der Allee zur Schlosstreppe. Nachdem sich die Heiterkeit gelegt hatte, folgte Stuckerts Erläuterung: Den heilkräftigen Breitwegerich könne man auf wunde Füße legen.

Weitere Tipps: Gänseblümchen auflesen und auf Butterbrot servieren - oder im Salat. Dabei durchaus darauf achten, dass man an Orten sucht, wo Tiere nicht gerade für unhygienische Hinterlassenschaften sorgen. Den Weißklee könne man gar als fiebersenkendes Mittel verwenden. Bekannter in der Anwendung ist derweil die Brennnessel. Stuckert: „Die ist ganz prima harntreibend, sehr gut geeignet für alle möglichen Unterleibserkrankungen.“ Vor dem Essen gelte natürlich: heiß brühen, damit die Pflanze ihrem Namen nicht alle brennende Ehre mache.

Anregungen nahmen alle Teilnehmer mit nach Hause - und anschließend auch noch Eindrücke bei einem Rundgang durch die Dauerausstellung des Museums.

Quelle: op-online.de

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