Ekel am Spießfeld: Gerade unweit des Ufers gleicht Dieburgs Freizeitzentrum einem „Minenfeld“

Gänsekot trübt Erholung

Dieburg - Gerade jetzt, wenn die Tage wärmer und länger werden, lockt es viele Dieburger raus ins Spießfeld. Doch dort erwartet sie gerade eher ein „Minenfeld“ statt Naherholung. Denn das Freizeitzentrum versinkt zunehmend im Gänsekot. Von Jens Dörr

Kann moderne Technik dagegen ankämpfen? Als das Spießfeld kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung zur Sprache kam, waren Gebührenordnung und Wildschweine die Themen. Dieburgs Parlamentarier verabschiedeten – insbesondere hinsichtlich der Vergabe der Grillstellen – einerseits die Neufassung der Benutzungs- und Gebührenordnung. Auf eine entsprechende Nachfrage teilte Bürgermeister Werner Thomas außerdem mit, die immer wieder dort wühlenden Wildschweine dürfe man auf dem städtischen Gelände (wo lediglich der See an die Feuerwehr verpachtet ist) durch den Jagdpächter nicht beschießen lassen, weil es sich um „befriedetes Gebiet“ handele. Das derzeit größte Problem im Naherholungsgebiet westlich der Stadt aber sprach niemand an: Das Spießfeld versinkt zunehmend im Gänsekot.

Es ist ein eher unappetitliches Thema, das aber mehr und mehr bei jenen für Ärger sorgt, die das Freizeitzentrum gerne nutzen – zum Entspannen, Picknicken, Spielen, Modellschiffe fahren lassen oder Spazierengehen. Oft bis zu 20 Gänse – darunter Graugänse, Nilgänse und Kanadagänse (siehe auch Infokasten) – bevölkern den See, die kleine Insel sowie das nördliche Ufer, an das sich Bänke, Spielgeräte, ein Bolzplatz und etwas weiter entfernt die Grillstellen und der Kiosk befinden. Die genaue Zahl der Tiere lässt sich nur schwer bestimmen, da sie unter kehligen Rufen oft zwischen Spießfeld und Wolfgangsee pendeln, ab und an auch im Feld nahe den Hühnerfarmen zu sehen sind.

Dass sich die durchaus schönen Tiere auch mal ihres Verdauten entledigen müssen, ist klar. Mehrere Zentimeter lange Würste sind ihre Ableger. Gerade am Spießfeld hat der Kot wegen der höheren Zahl an Tieren in jüngerer Vergangenheit aber deutlich zugenommen. Ans Ufer kann man kaum noch herantreten, ohne im „Minenfeld“ in die Hinterlassenschaften zu treten. Auch das Sitzen nahe des Wassers – besonders auf dem Boden – macht angesichts des Gänsedrecks kaum noch Freude. Zumindest diesbezüglich wird der Erholungsfaktor derzeit eingeschränkt. Auch zwischen den beiden Fußball-Toren lässt sich kaum mehr kicken, ohne mit dem Gänsekot in Kontakt zu kommen. Bänke und Tische sind davon ebenfalls nicht mehr frei.

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Auf die vielen Gänse und ihre Auswirkungen haben bereits Privatpersonen, aber auch die Angler auf der Stadtverwaltung aufmerksam gemacht. Ein Mitglied des Dieburger Angelsportvereins bezeichnet die Tiere als neue „Ratten der Lüfte“, sorgt sich um die Auswirkungen auf den Fischbestand.

Ein DA-Leser hat unserer Zeitung seinen Schriftwechsel mit dem Dieburger Ordnungsamt weitergeleitet. Schon im Mai 2016 hatte der Dieburger das immer stärker verkotete Spießfeld, wo er besonders seit 2014 eine Zunahme an Gänsen festgestellt habe, angeprangert und darauf hingewiesen, dass es seinen Namen als „Freizeit-Zentrum“ nicht mehr recht verdiene. Nachdem sich keine Veränderungen abgezeichnet hatten und die Gänse wohl eher noch mehr geworden waren, reklamierte der Leser im April dieses Jahres erneut. Das Ordnungsamt hielt ob möglicher Maßnahmen zur Eindämmung der Probleme, zu denen Beobachtungen zufolge auch die Verdrängung von Enten und Pillhühnern zählen könnten, Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde. Von dort leitete die Stadt die für den Leser unbefriedigende Antwort weiter: Einem Behördenmitarbeiter zufolge sei „die Ansiedlung zwar bedauerlich“, man müsse sich aber „wohl daran gewöhnen“. Es handele sich mehr oder weniger um einen „natürlichen Vorgang“.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas, selbst promovierter Biologe, bezeichnet die Lage mit dem vielen Gänsekot am Spießfeld auf Nachfrage unserer Zeitung als „im wahrsten Sinne des Wortes sch...“. Er erinnert daran, dass man die Tiere vor einigen Jahren schon einmal zu „vergrämen“ versucht habe, was bedeutet, dass man zur Vertreibung in die Luft geschossen habe. „Die sind dadurch zwei-, dreimal weggeflogen, waren dann aber schnell wieder da.“ Eine Jagdgenehmigung habe die Stadt von der Unteren Naturschutzbehörde bislang nicht erhalten. „Es ist immer schwierig, wenn Tiere mit Migrationshintergrund zu uns kommen“, spielt Thomas insbesondere auf die Nilgänse an, die eigentlich nicht in Südhessen, sondern in Afrika südlich der Sahara beheimatet sind (seit mehreren Jahrzehnten mittlerweile aber auch hierzulande). „Die Angler haben in ihrem letzten Brief an uns auch darauf hingewiesen“, so Thomas. Der Rathaus-Chef versprach, nun erneut das Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde zu suchen.

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Der Leser regte derweil schon mal eine unblutige, andernorts aber effektiv eingesetzte Methode zum Vertreiben der Gänse vom Spießfeld und vom Wolfgangsee – wo das Problem mit dem Kot weniger auffällig ist – an: Man könnte doch einige Leute mit Drohnen (eigentlich „Multicoptern“) zusammenholen, die ihre Geräte, die oft ambitionierten Fotografen als Trägermedium für Kameras dienen, am Spießfeld aufsteigen ließen.

Andernorts, etwa auf Liegewiesen in Bädern und am Rhein-Ufer, wo das Gänseproblem ebenfalls aufgetaucht war, sorgte dies tatsächlich für einen Ortswechsel der Tiere auf längere Sicht. Die aufsteigenden Multicopter irritierten die Vögel offenbar derart, dass die das Weite suchten und fortan fernblieben.

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