Wo das ganze Jahr über Fastnacht ist

Bürgermeisterwahl: Gottfried Fischer privat

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Schlägt gerne Brücken zu allen Menschen, denen er begegnet: Hein Gottfried Fischer ist zwar nicht so häufig in Dieburg anzutreffen, aber wenn er in der Gersprenzstadt unterwegs ist, sucht er den Kontakt zu möglichst vielen Bürgern. - Foto: Löw

Dieburg - Schwimmen, Entspannungsübungen, Yoga oder doch Autogenes Training: Hein Gottfried Fischer kann wahrlich auf eine ganze Palette an Hobbys zurückgreifen, um Energie zu tanken. Von Konstanze Löw

Vor allem seine Entspannungsübungen macht der Senior dafür verantwortlich, dass Urlaub für ihn gar nicht zwangsläufig nötig ist. Doch wer aufgrund seiner Passion zu diesen eher ruhigen, besinnlichen Übungen schlussfolgert, dass Fischer auch im Alltag hauptsächlich auf sich achtet, irrt: „Ich mag Menschen sehr und ich mag es, mich offen mit allen zu unterhalten. Für mich ist jeder gleich wertvoll. Auch den schlauen Rat eines Drogenabhängigen nehme ich natürlich gerne an.“ Diesen Vorsatz des positiven Denkens vermittelt der 73-Jährige auch seinen 18- und 29-Jährigen Töchtern. „Ich sage zu den beiden immer: Und wenn ihr vorhabt, Bundeskanzlerin zu werden, dann glaube ich daran, dass ihr das schafft.“

Die Kandidaten im Porträt:

Thomas Disser

Renée Exner

Erik Marx

Frank Haus

Wenn der alleinstehende Entspannungspädagoge aus Gangelt bei Aachen nicht gerade bei seinem Ehrenamt bei der Aachener Tafel oder als Schulbetreuer aufzufinden ist, kümmert er sich um sein Zwergkaninchen Lili. Doch auch für ausgelasseneren Zeitvertreib ist Fischer zu begeistern. Am Rosenmontag hat er Äla-Luft geschnuppert und sich zum Feiern unter die Narren gemischt. „Wenn irgendwo gute Stimmung ist, mache ich sie noch größer. Ich feiere gerne und bewege mich dann auf der Bühne wie ein 18-Jähriger“, berichtete Fischer stolz beim Telefoninterview. Generell habe er es sehr genossen, die Dieburger Fastnacht mitzuerleben und dabei viele Blicke auf sich zu ziehen, resümiert er. Trotzdem gelte für ihn weiterhin – auch nach den tollen Tagen – das Motto: „Meine Lebensfreude ist immer groß, deshalb ist für mich Karneval das ganze Jahr über!“ Und nicht nur die Dieburger Fastnacht hat Fischer in seinen Bann gezogen. Die Gersprenzstadt gefällt ihm vor allem wegen der Kreativität, die er gleichermaßen im Geschäftsleben und in der Bevölkerung wahrnehme und aufgrund der vielen alten Fachwerkhäuser in der Altstadt. Die entfachen in dem gebürtigen Goslarer ein Stück Heimatgefühl, da er in einem alten Fachwerkhaus aufgewachsen ist.

Als weiteren Grund für seine Verbundenheit zu Dieburg macht Fischer seine Familiengeschichte verantwortlich. Sein Urgroßvater sei Imanuel Lazarus Fuchs, ein Mathematiker, der im 19. Jahrhundert lebte und der einen Wikipedia-Eintrag hat. Seine Mutter sei eine der ersten Lehrerinnen mit Uniabschluss gewesen und obendrein berichtet Fischer von einer Verwandtschaft zu Kaiser Wilhelm II. „Mein wissenschaftlicher Hintergrund und der meiner Familie schafft Nähe zu Dieburg. Hier haben wir auch den Campus direkt vor Ort, da fühle ich mich gleich wohl.“

Wenn Fischer, der sich mindestens 15 Jahre jünger fühlt, als er ist, darüber nachdenkt, was er in Dieburg ändern möchte, fällt ihm zuerst das Thema Jugendamt ein. Das wolle er sofort eigenständig für Dieburg errichten. „Da spricht der Pädagoge aus mir, es ist mir wichtig, dass die Jugend gut betreut wird.“ Doch wenn Fischer am 12. März zu Dieburgs Bürgermeister gewählt wird, stehe zuerst die Wohnungssuche an. Und danach eine öffentliche Party, zu der er alle Bürger einladen möchte. Natürlich, so fügt Fischer an, sei vorher zu prüfen, ob eine solche Fete „kostenmäßig überhaupt verantwortlich ist“.

Bis dahin möchte der selbstbewusste Senior weiter seine Ziele – die nicht nur auf die Gersprenzstadt übertragbar sind – in die Welt tragen. Denn mit Gelassenheit gegen Aggression, Optimismus gegen Pessimismus, Sinnlichkeit gegen Erstarrung, Zuversicht gegen Trübsal und Gefühl gegen Kalkül lebe es sich einfach überall angenehmer.

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