Mit gebremster Kraft voraus

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Ein Blick von oben auf die Großbaustelle Bahnunterführung.

Dieburg ‐  Es wäre so schön gewesen: Rechtzeitig mit der Freigabe des Tunnels im Mai/Juni 2011 sollte auch eine weiteres großes Straßenbauprojekt fertig sein - der Marienplatzkreisel mit dem Ausbau der Frankfurter Straße.  Von Lisa Hager

Mit dem langjährigen Tunnelprojekt hat man den Anwohner schon genug zugemutet. Das Gebiet sollte nicht noch weitere Jahre „Dauer-Baustelle“ bleiben. Vor kurzem aber wurden bei Probebohrungen im Untergrund Verunreinigungen mit chlorierten Kohlenwasserstoffen, vermutlich Altöl, gefunden (wir berichteten). Die Herkunft ist unklar.

In der kommenden Woche hat Bürgermeister Dr. Werner Thomas einen Termin mit dem RP und der Unteren Wasserbehörde, bei dem es nähere Informationen über das Ausmaß geben soll. Unklar ist, was die Sanierung kosten und wer sie zahlen wird. Die bisherigen Untersuchungen haben bereits mit 6 000 Euro zu Buche geschlagen. Folge des ungewollten „Ölfundes“: Der Umbau der Frankfurter Straße wird sich mitsamt dem Bau des Marienplatzkreisels verzögern - auf unbekannte Zeit.

Unzufriedenheit bei Sitzung im Rathaus

Die Unzufriedenheit über diesen Zustand war auch den Mitgliedern des Haupt- und Finanzaussschusses am Donnerstagabend bei ihrer Sitzung im Rathaus anzusehen. Eigentlich müssten sie im Rahmen der Beratungen zum Nachtragshaushalt die Mittel für den Kreiselbau wieder abplanen. Diese Gelder werden ja jetzt noch nicht benötigt. Auch das Land Hessen hat seine bereits zugesagten Zuschüsse wegen des Baustopps zurückgestellt.

Dr. Harald Schöning (CDU) will die Baumaßnahme Frankfurter Straße aber so schnell nicht aufgeben. „Wir sollten alle Arbeiten durchziehen, soweit es das Gebiet mit den Verunreinigungen nicht betrifft“, forderte er. Er kündigte für die Stadtverordnetenversammlung einen Antrag an, nachdem die Stadt die Baumaßnahme Marienplatzkreisel/Frankfurter Straße vorfinanzieren soll. „Wir möchten, dass die Frankfurter gemacht ist, wenn der Tunnel offen ist. Alles andere wäre ein Schildbürgerstreich“, meinte er.

Ohne Kreisel keine Frankfurter Straße

„Wir können die Frankfurter Straße aber nicht beginnen ohne den Kreiselbau“, widersprach Fachbereichsleiter Wolfgang Dörr. Es würde zeitgleich auch ein neuer Kanal eingebaut und der gehe in eine neue Richtung. „Wir müssen durch das verseuchte Material durch, das ist doch das Problem“, sprang ihm in der Argumentation Michael Dingeldey vom Bauamt bei.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas kündigte trotzdem an, die planende Fachfirma Reitzel (Groß-Zimmern) eventuelle Möglichkeiten prüfen zu lassen, welche Arbeiten man trotz der Verunreinigungen jetzt schon angehen könne.

Dingeldey machte den Ausschussmitgliedern aber noch aus einem anderen Grund wenig Hoffnung: Die Arbeiten für einen weiteren Kreisel nördlich der Bahnlinie an der Gewerbestraße seien bereits ausgeschrieben. Sie würden bis ins nächste Frühjahr laufen. Bei einem Ortstermin mit dem Amt für Straßen und Verkehrswesen (ASV) hätten Vertreter der Polizei deutlich gemacht, neben der Tunnelbaustelle und dem Gewerbegebietskreisel keine zusätzliche Baustelle in dem Bereich zu dulden. „Wir haben keine Möglichkeit, im südlichen Bereich noch zusätzlich etwas zu sperren“, sagte Dingeldey.

Alternative Nutzung unbenötigter Gelder

Andreas Will (Grüne) hatte noch eine andere Idee: Er regte an, mit den Geldern, die jetzt für den Marienplatzkreisel nicht benötigt würden, ein Alternativ-Straßenbauprojekt vorzufinanzieren. Thomas nannte auf Anfrage als mögliches „Ausweichquartier“ den Bereich Kolpingstraße, Hinter der Schießmauer und Konrad-Adenauer-Straße.

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