Geburtshilfe stirbt aus

Dieburg - Sollte am Montag noch ein Kind im Dieburger Krankenhaus St. Rochus von seiner Mutter entbunden werden, wird es einen Platz in der Lokalhistorie einnehmen: Von Jens Dörr 

Mindestens für lange Zeit, wenn nicht für immer, ist es das letzte Neugeborene, das in der Kratzengasse das Licht der Welt erblickt. Ab Dienstag ist die Geburtshilfe in der Klinik Geschichte: Der letzte Hoffnungsfunke auf einen Fortbestand des medizinischen Angebots in Dieburg sei erloschen, teilten sowohl Geschäftsführer Frank Bletgen als auch die Dieburgerin Rebecca Meseth mit.

Meseth hatte mit einer Gruppe von Müttern, die ihre Kinder im St. Rochus bekommen hatten und mit der dortigen Betreuung sehr zufrieden gewesen waren, in den vergangenen Wochen das versucht, was dem Haus selbst zuvor nicht gelungen war. Bletgen hatte betont, die Geburtshilfe werde Ende Juni nicht in erster Linie aus Kostengründen auslaufen - obwohl heute jährlich nur noch 300 Geburten in Dieburgs Krankenhaus bis zu 800 in früheren Jahren gegenüberstünden -, sondern aus Personalmangel. Zwei Gynäkologen als Belegärzte des Hauses wie bislang könnten das Angebot, das eine 24-Stunden-Bereitschaft erfordert, langfristig nicht aufrechterhalten. Neue Frauenärzte, die auch entbinden würden, konnte das St. Rochus unter anderem aufgrund unattraktiver Vergütungsstrukturen nicht gewinnen. Meseth und Co. riefen ihrerseits zu einer Demonstration auf dem Dieburger Marktplatz auf, um über die erlebte Güte der Geburtshilfe in Dieburg zu informieren und für deren Erhalt zu plädieren. Zugleich formulierten sie aus ihrer Sicht ein Schreiben an Gynäkologen der Region in der Hoffnung auf Kontaktaufnahme der Mediziner zum Krankenhaus.

Mittlerweile liegt die Bilanz des Versuchs vor, ist Ernüchterung eingekehrt: Etwa ein halbes Dutzend Gynäkologen aus dem näheren Umkreis hatten die Befürworter des Erhalts der Geburtshilfe kontaktiert. „Geantwortet haben uns zwei - die anderen haben noch nicht einmal auf unsere Anfrage reagiert“, berichtet Meseth. Positive Rückmeldungen waren nicht dabei. Man habe versucht, seinen Beitrag für den Erhalt des Angebots zu leisten, müsse das Ergebnis nun aber akzeptieren.

Bletgen bestätigte, dass ab kommendem Dienstag in Dieburg kaum noch ein Mensch zur Welt kommen werden - Hausgeburten zählen heute zu den Ausnahmen. „Schweren Herzens“ schließe man die Geburtshilfe. Zugleich kündigte er an, das St. Rochus wolle in Kürze einen näheren Ausblick auf seine künftige Ausrichtung geben: „Wir wollen deutlich machen, dass wir im Haus weiter ein breites medizinisches Spektrum abdecken.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare