70. Geburtstag von Adi Grimm

Freunde, Familie und der OFC

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So kennen ihn die meisten: Adi Grimm noch immer voller Tatendrang in seinem Geschäft "Sport Gimm" in der Dieburger Fußgängerzone.

Dieburg - Vor 65 Jahren nahm ihn sein Vater erstmals mit zum OFC, vor 45 Jahren gründete er einen der ersten Fußball-Fanclubs überhaupt. Mit Franz Beckenbauer aß er zu Mittag, trank aus dem Europapokal der Pokalsieger. Zum 50. Geburtstag gratulierte ihm Legende Fritz Walter. Von Jens Dörr

Am heutigen Montag wird Adi Grimm 70. Der Eppertshäuser, Inhaber von „Sport Grimm“ in Dieburg und nicht nur in der regionalen Fußballszene bekannt wie ein bunter Hund, feiert den Tag über daheim im Eppertshäuser Winkelgarten - um 18 Uhr ist allerdings Schluss. Denn dann macht er sich so langsam auf: Heute Abend (20.15 Uhr, live auf Sport1) spielen schließlich „seine“ Offenbacher Kickers in der Regionalliga Südwest gegen Hessen Kassel. Auch am Jubeltag also wird Grimm am Bieberer Berg seiner großen Fußballliebe die Treue halten.

Bei den Kickers ist ihm nicht nur als langjähriger Freund, Gönner und Ausrüster ein Platz in den Chroniken sicher - für den OFC leistete er auch Historisches: 1968 gründete der zusammen mit Willi Trux, Karlheinz Kraus, Peter Kreher, Gerhard Grimm, Berri Grimm, Norbert Grießling, Peter Beckmann, Hans Brusch, Vincent Schrod, Günter Rickert und Peter Frank den ersten Kickers-Fanclub. In einer Zeit, in der der OFC immer mal wieder auch bei den Großen in der 1. Bundesliga anklopfte, waren Auswärtsfahrten mit tausenden Fans noch unüblich. Was auch mit dem Geld zu tun hatte, einem der Gründe, weshalb die Genannten den Fanclub gründeten. „Dort sammelten wir für unsere Freunde, die bei der Bundeswehr waren.“ Dank gemeinsamer Anstrengungen sollten auch die sich die ein oder andere Fahrt mit dem OFC in die Fremde leisten können. Was gelang: Wie Exoten nahmen sich Grimm und Co. etwa beim Auswärtsspiel bei Tasmania Berlin aus. „Damals saßen vielleicht 4 000 Leute im riesigen Olympiastadion - und wir als einzige Gästefans mittendrin.“ Zum Glück sei die erste Fahne gerade noch rechtzeitig fertig geworden.

Schwenkend oder mit Doppelstock-Halter sieht man Adi Grimm heute zwar nicht mehr auf der Haupttribüne sitzen. Vor Ort ist er aber weiterhin bei praktisch jedem Heimspiel - auch nach der Lizenzverweigerung durch den DFB im Sommer und dem folgenden Zwangsabstieg in Liga vier. „Über die Zahlen beim OFC will ich nicht urteilen“, sagt Grimm mit Blick auf die Millionenschulden der Profi-GmbH. Sportlich gesehen stimmten beim aktuellen Team zwar Einsatz und Laufbereitschaft; „die Mannschaft ist aber zu jung. Vielleicht fehlt ihr jemand wie Routinier Sead Mehic. Fußball wird auch mit dem Kopf gespielt.“

Noch enger mit dem OFC und seinen Protagonisten zusammen rückte der Eppertshäuser und gelernte Feintäschner, als er 1970 im Geschäft seiner Eltern einstieg. Im Geschäft seiner Eltern also, das es in Dieburg schon seit rund 50 Jahren gibt und in dem Grimm nach wie vor häufig mitarbeitet - gemeinsam mit seiner Frau Lilo („Ihr sollte man an meinem Geburtstag als Erstes gratulieren - ich weiß gar nicht, wie sie es so lange mit mir ausgehalten hat“), den Kindern Alex und Sandy sowie den treuen Mitarbeitern Thorsten Heckwolf und Jerome Mai -, ging es richtig los mit den Kontakten zu den Wichtigen des Sports. OFC-Größen wie Karl Waldmann und Berti Kraus kauften regelmäßig bei ihm ein, bis heute schaut Eintracht-Start Sebastian Rode rein.

Auf ein Gläschen mit Jupp Derwall: Der junge Adi Grimm prostet dem 2007 verstorbenen Ex-Bundestrainer zu.

Vor allem aber lernte er durch den OFC auch weitere Menschen kennen, die noch heute jedem ein Begriff sind: Oliver Reck, Uwe Bein und natürlich Rudi Völler - sie alle sind noch immer sehr gute Freunde Grimms. Unter anderem Reck, derzeit Torwart-Trainer bei Fortuna Düsseldorf, wird heute in Eppertshausen vorbeischauen. Gesprächsthemen könnten auch Grimms frühere Kicks für die Kickers-Traditionself „Waldis“ und die Lufthansa-Mannschaft „Cargo Bulls“ sein. Aufgrund einer Schulterverletzung jagt Grimm dem Ball derzeit nicht nach und kann auch kein Rennrad fahren - ein weiteres sportliches Hobby des nun 70-Jährigen. „Ansonsten geht es mir aber gut - mein Reichtum sind meine Freunde und meine Familie.“

Auch wenn das letztgenannte Zitat ein pathetischer Wohlfühl-Abschlusssatz gewesen wäre, so muss der Artikel über Adi Grimm doch mit einer Fußballgeschichte enden, die er am besten selbst erzählt: „Viel verbindet mich nicht nur mit dem OFC, sondern auch mit Werder Bremen. Das kam über dorthin gewechselte Kickers-Spieler zustande. So fuhr ich mit Bekannten im VW-Bus zum DFB-Pokalfinale 1990 nach Berlin, das Bremen gewann. Nach der Partie holten mich die Spieler auf den Platz. Ich war überall dabei, außer im Entmüdungsbecken. Die anderen sind im VW-Bus alleine nach Hause gefahren - ich mit den Bremern im Mannschaftsbus nach Bremen. Dort stand ich am nächsten Tag mit den Spielern zur Feier auf dem Rathaus-Balkon - unvergesslich!“

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