Geburtstagsfeier mit Pauken und Trompeten

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Die Mitglieder des Musikvereins St. Peter und Paul bei ihrer wöchentlichen Probe.

Dieburg - „Jeder nimmt sich einen blauen Ordner mit den Konzertnoten“, weist Guido Obmann die versammelte Gruppe an. „Wir spielen zum Auftakt den Radetzkymarsch.“ Die Bläser des Musikvereins St. Peter und Paul holen tief Luft und auf drei geht es los, die flotten Töne erklingen. Von Verena Scholze

Obmann zeigt sich zufrieden und gibt ein paar einzelne Tipps, danach steht das nächste Musikstück auf dem Plan. Der Musikverein St. Peter und Paul kann dieses Jahr voller Stolz auf sein 20-jähriges Bestehen zurückblicken. 1988 hatte Pfarrer Lorenz Eckstein die Idee, einen Musikverein in Dieburg zu gründen. „Er wollte eine spezielle Musikgruppe zu kirchlichen Anlässen, an der damals großer Bedarf herrschte“, erzählt Dr. Franz Hock, 1.Vorsitzender des MV. Schnell fanden sich einige Musikbegeisterte, die in den Verein eintraten.

Am Anfang waren es fast alles „blutige“ Anfänger, die sich bemühten, ein Instrument zu erlernen. Unter der Leitung von Dirigent Rainer Rufle, der durch sein Engagement zu begeistern wusste, fanden bereits im ersten Jahr die ersten öffentlichen Auftritte am Weißen Sonntag und zur Wallfahrt statt. Auch nicht-kirchliche Auftritte standen auf dem Programm und man spielte zur Fastnacht auf.

1989 wurde dann die offizielle Gründung des Vereins vorgenommen. Acht Jahre später verließ der damalige Dirigent Rufle den Verein und an seiner Stelle übernahm Klaus Wörtche das Amt. Unter seiner Leitung fand die Gründung der Jugendgruppe statt, die er mit viel Begeisterung unterrichtete. „Bereits damals legten wir Wert auf Nachwuchsarbeit“, erzählt Dr. Hock, „denn schließlich lebt der Verein vom Nachwuchs.“

Bläserkids gesucht

Es folgten im Laufe der nächsten Jahre ein paar erneute Dirigentenwechsel, bis 2004 Britta Obmann das Amt des Dirigenten im Jugendorchester und Guido Obmann das Amt des Dirigenten im Großen Orchester antraten und diese Ämter bis heute ausüben. Durch Verena Rothbarth-Kamutzki, eine staatlich geprüfte Lehrerin für elementaren Musikunterricht, Bewegung und Tanz, wurde eine musikalische Frühförderung aufgebaut, in der vier- bis siebenjährige Kinder durch die Beschäftigung mit Instrumenten und durch Singen an die Musik herangeführt werden. „Das Hauptanliegen der musikalischen Frühförderung besteht darin, die Kinder zu motivieren und sie ihren altersgemäßen Bedürfnissen entsprechend zu fördern“, sagt Dr.Hock.

Matinee vor dem Schloss

Im Jubiläumsjahr bietet der Musikverein St. Peter und Paul einige besondere Konzert-Highlights an. So steht am kommenden Sonntag, 12. Juli, um 11 Uhr eine Matinee im Park vor dem Schloss Fechenbach auf dem Jubiläumsprogramm. Neben dem Orchester des Dieburger Musikvereins wird auch der Musikverein Weiskirchen auftreten und mit Unterhaltungsmusik die Gäste erfreuen. Bei sommerlichem Wetter wird die Veranstaltung über die Mittagszeit gehen und alle Gäste haben die Möglichkeit, sich mit Getränken und Gegrilltem zu versorgen.

Auch die Gründung einer Eltern-Kind-Gruppe durch Britta Obmann war ein großer Schritt in der Vereinsgeschichte. In dieser Gruppe, die für Kinder von vier Monaten bis vier Jahren sowie deren Eltern gedacht ist, können Babys und Kleinkinder viel erleben und entdecken, sie hören und ahmen nach und finden so bereits in den ersten Monaten und Jahren den Bezug zur Musik. Im Herbst 2004 wurde das Konzept zur Jugendförderung im Musikverein unter der Leitung von Britta und Guido Obmann neu gestaltet und die Bläserkids wurden ins Leben gerufen. „Diese Gruppe ist für neun- bis sechzehnjährige Musiker aufgebaut“, so Dr. Hock. „Der Verein bietet die Möglichkeit, den Musikern für zwei Jahre ein Instrument zur Verfügung zu stellen.“ Zusätzlich erhalten die Kinder und Jugendlichen Unterricht von ausgebildeten Musiklehrern. „Leider ist diese Gruppe unser momentanes Sorgenkind“, berichtet Dr. Hock. „Gerade für diese Gruppe besteht großer Bedarf an Nachwuchs und wir würden uns freuen, wenn sich neue Interessenten finden. Auch ältere sind gerne gesehen“, lächelt der Vorsitzende.

Im Herbst 2005 gründete der Musikverein unter der Leitung von Elisabeth Schöner eine Trommler-Gruppe. Der Andrang war so groß, dass gleich zu Beginn zwei Gruppen entstehen konnten.

Ein Jahr später ging der Gründer und langjährige Präses Pfarrer Lorenz Eckstein in den Ruhestand. Bei der Verabschiedung durch die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul ernannte ihn der Musikverein zu seinem Ehrenpräses auf Lebenszeit. Gleichzeitig wurde er vom Vorsitzenden des Diözesanmusikverbandes der Diözese Mainz, Hubert Will, mit der höchsten Auszeichnung des Diözesanverbandes der Diözese Mainz ausgezeichnet. Neuer Präses des Vereins ist seit dem 12. November 2006 Pfarrer Alexander Vogl.

Der Musikverein ist eine feste Größe im Dieburger Musikgeschehen und Vereinsleben und bei vielen Veranstaltungen vertreten. Im Jahr stehen rund 40 Veranstaltungen auf dem Programm der Musiker – neben den kirchlichen Feiern auch weltliche Termine wie Fastnacht, Teichfest oder das Waldfest. Besondere Höhepunkte des Jahresprogramms sind das Frühlingskonzert in der Ludwigshalle sowie das traditionelle adventliche Konzert am ersten Advent in der Pfarrkirche. Auch das Turmblasen ist eine lieb gewonnene Tradition geworden und seit letztem Jahr in der Umsetzung etwas verändert. „Wir haben letztes Jahr das Turmblasen nach dem Gottesdienst veranstaltet und nicht, wie in den Jahren zuvor immer, vorher“, blickt Dr. Hock zurück. „Dazu boten wir den Besuchern Glühwein an, was viele bei dem kalten Wetter zu schätzen wussten.“ Die vielen  Besucher  gaben dem Verein recht, und viele verweilten auch nach dem Turmblasen vor der Kirche.

Im Jubiläumsjahr bietet der Musikverein neben den jährlichen Konzerten zusätzliche Highlights an: So findet am kommenden Sonntag (12.) eine musikalische Matinee im Park Schloss Fechenbach statt, am 27. September steht ein Kinderkonzert in der Ludwigshalle an. Am 9.Oktober findet – ebenfalls in der Ludwigshalle – ein gemeinsames Konzert mit dem Jazzclub Limburg statt.

Neue Mitglieder willkommen

Interessierte Musiker, die im Verein mitwirken wollen, sind gerne gesehen. „Wir würden uns freuen, wenn sich Interessenten zu unseren Proben einfinden“, sagt Dr. Hock, der das Amt des Vorsitzenden seit 20 Jahren innehat und den Verein seit Gründung aktiv unterstützt und selbst Klarinette spielt. Die Proben finden jeden Donnerstag von 19.30 bis 21 Uhr im Pater-Delp-Haus statt. „Es stehen viele Instrumente zur Verfügung“, so Dr. Hock und zählt auf: „Bei und sind Querflöten, Klarinetten, Saxophon, Trompeten, Posaunen, Tuba und sogar ein Waldhorn vertreten. Selbstverständlich darf auch ein Schlagzeug zur Unterstützung nicht fehlen.“

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