Gefährliche Situationen durch aktives Wild

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Rotwild erwacht zu Beginn des Frühjahres und stellt eine Gefahr für Autofahrer dar.

Dieburg - Ein Alptraum für jeden Autofahrer: Plötzlich taucht ein Reh aus dem Dunkeln im Lichtkegel der Scheinwerfer auf. Meist ist es für den Fahrer zu spät, um zu bremsen - schon rennt das Tier auf die Fahrbahn. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg geraten immer mehr Autofahrer in eine solche Situation. Von Verena Scholze

Die Tiere, die im Winter ihren Körper in eine Art Ruhephase versetzen, erwachen zu Beginn des Frühjahres aus ihrem Energiesparmodus. Durch die zunehmende Sonne und die steigenden Temperaturen wird das Wild aktiver. Gerade jetzt kommen hauptsächlich Reh- und Rotwild, gelockt durch das frische Grün, vermehrt auf die Felder und an die Straßenränder. „Durch die Salzstreuung im Winter lagern sich am Straßenrand Mineralien ab“, erklärt Thomas Schmalenberg vom Forstamt Dieburg. Diese Mineralien benötigen vor allem die Hirschböcke zum Wachstum ihres Geweihs.

Neben den frühen Morgenstunden wird es für Autofahrer in der Abenddämmerung gefährlich. In diesen Zeiten verlassen die Wildtiere ihre Einstände, begeben sich auf Futtersuche. Speziell an Stellen, an denen die Fahrbahn ein Feld oder eine Wiese von einem Waldstück trennt, besteht vermehrte Gefahr. Diese Stellen sind durch Wildwechselschilder besonders gekennzeichnet, um die Autofahrer zu warnen. Vorsicht sollte man auch an bewaldeten Straßenrändern oder dichtem Buschwerk walten lassen. Angepasste Geschwindigkeit ist hier ein „Muss“.

Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Aufeinandertreffen mit dem Wild, sollten die Autofahrer Verhaltensregeln beherzigen. „Abblenden der Scheinwerfer, bremsen und hupen“,rät Schmalenberg. „So geben sie den Tieren die Möglichkeit zur Flucht.“Bei einer unvermeidbaren Kollision sollte das Fahrzeug maximal abgebremst und das Lenkrad gut festgehalten werden, um die Fahrspur beizubehalten. Riskante Ausweichmanöver sind zu vermeiden, da dabei das Unfallrisiko für Personenschäden besonders hoch ist.

Nach einem Unfall hat der Autofahrer die Pflicht, die Polizei zu informieren. Diese kann die für die Versicherung wichtige Wildschadensbescheinigung ausstellen. „Wurde das Wild verletzt und ist geflohen, muss die Unfallstelle markiert werden, damit ein Jäger die Spur des Tieres verfolgen kann“,informiert Schmalenberg. Ein verendetes Tier muss nach Absicherung der Unfallstelle von der Straße gezogen werden.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist neben den Waldgebieten und Feldern die B26 ein großer Gefahrenherd. „Hier lag letztes Jahr ein Schwerpunkt an Wildunfällen“, berichtet Schmalenberg. Seit 2006 ist die Zahl der sich dort ereigneten Unfälle sprunghaft angestiegen. „Wir konnten allein auf der B26 vierundvierzig Unfälle mit Wild verzeichnen.“Nachdem sich auf der Schnellstraße zwei schwere Unfälle mit Personen- und Wildschaden ereigneten, setzten sich die Vertreter vom Amt für Straßen- und Verkehrssicherheit, den Kommunen, dem Forstamt und der Polizei an einen Tisch. Bei einem Gespräch Mitte Januar wurde die Notwendigkeit der Erneuerung und Ergänzung des nur teilweise vorhandenen Wildschutzzaunes an der B26 beschlossen. „Der Zaun war teilweise schadhaft, sodass die Tiere zwar durch eine Lücke auf die Fahrbahn kamen, aber nicht mehr zurück fanden“,erzählt Schmalenberg. Die Gefahr hierbei ist, dass das Wild daher in Panik mehrfach die Fahrbahn kreuzt. Ein kritischer Punkt, der das Projekt Wildschutzzaun schnell zur Umsetzung kommen ließ.

„Die Bauvorbereitungen werden bereits getroffen“,teilt Jürgen Semmler, Netzmanager des Amtes für Straßen- und Verkehrssicherheit, mit. „Eine grobe Trasse wurde bereits gerodet und der Baubeginn ist für Anfang Mai geplant.“Der neue Zaun umfasst eine Länge von 16 Kilometern und beginnt in Darmstadt an der Heinrichstraße. Von hier wird er beidseitig bis zur Anschlussstelle Gunderhausen führen. Ab dort wird er einseitig auf der Nordseite bis zur Ausfahrt Groß-Zimmern verlaufen. „Die Gesamtinvestitionen werden rund 320 000 Euro betragen“,sagt Semmler.

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