Gefahr droht besonders an Bahnhof und Freibad

+
Reimar Franke im Fahrrad- und Mofalager der Polizeistation Dieburg.

Dieburg - Fast jeder Dieburger dürfte es schon einmal erlebt oder zumindest erzählt bekommen haben: Das Fahrrad wurde irgendwo abgestellt, abgeschlossen - und der Drahtesel trotzdem geklaut. Von Jens Dörr

Oft findet er sich später in der Gegend wieder, meist achtlos hingeschmissen und manchmal beschädigt. 8,7 Prozent aller Straftaten, die die Polizeistation Dieburg in ihrem acht Städte und Gemeinden sowie 103 000 Einwohner zählenden Einsatzgebiet mit ihren 80 Bediensteten bearbeitet, sind Fahrraddiebstähle. Entsprechend hat die Polizei im August 2008 reagiert und einen Koordinator für die Bekämpfung dieses Deliktes abgestellt.

Jörgen Waldeck (51) ist dieser Koordinator und zugleich Polizeioberkommissar. Gemeinsam mit Reimar Franke (59), Erster Polizeihauptkommissar und Dienststellenleiter der Polizeistation Dieburg, stellte sich der „Fahrrad-Cop“ den Fragen des DA.

Herr Waldeck, Herr Franke: Wo ist es in Dieburg besonders riskant, sein Fahrrad abzustellen?

Waldeck: Im Sommer definitiv am Freibad. Dort kann es vorkommen, dass an einem einzigen Tag vier oder fünf Räder gestohlen werden. Das sind genauso viele wie in der Gemeinde Otzberg im ganzen Jahr 2008 entwendet wurden.

Franke: In Dieburg waren es im Jahr 2008 übrigens genau 110 Räder, von 272 Fahrraddiebstählen in unserem Gebiet insgesamt.

Ist Dieburg also eine kriminelle Hochburg?

Franke: Nein, das hängt vielmehr mit der Mittelpunktfunktion Dieburgs zusammen: Als ehemalige Kreisstadt sind hier Schulen und Ämter, zudem natürlich das Freibad, das auch von Bürgern der Nachbargemeinden stark frequentiert wird.

Waldeck: Zudem ist Dieburg flach. Dort wo ich wohne, im Odenwald, gibt es wesentlich weniger Fahrraddiebstähle - die finden in Orten, wo es hügeliger ist, einfach seltener statt, weil die Leute dort weniger Rad fahren.

Die Räder werden nicht hauptsächlich gestohlen, um sie anschließend zu verkaufen?

Waldeck: Das gibt es zwar auch. Doch häufiger als die Beschaffungskriminalität sind die Fälle, in denen Räder geklaut werden, um nur kurz eine Fahrt damit zu machen. Die werden dann nach dieser Fahrt achtlos wieder weggeworfen. Das scheint für viele ein Kavaliersdelikt zu sein.

Wer sind diese Täter?

Franke: Vorwiegend männliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Wobei sie es ab 16 eher auf Motorroller abgesehen haben.

Wie viele der Taten werden aufgeklärt?

Waldeck: Etwa 4,8 Prozent. Probleme bereitet es etwa, dass viele ihre Rahmennummer nicht notiert haben. Dass es so einfach ist, ein Fahrrad zu stehlen, liegt aber auch an den Schlössern. Neun von zehn Leuten haben ein Spiralkabelschloss. Das kann jeder in zwei Sekunden knacken. Ein sicheres Schloss, das zudem flexibel und kompakt sein soll, kostet eben mindestens 50 Euro.

Was tun Sie gegen die Diebstähle?

Franke: Die Polizei führt gezielte Kontrollen an den Brennpunkten durch, diese Kontrollen werden sowohl von uniformierten als auch von zivilen Kräften getätigt.

Noch ist es kein Sommer, noch ist das Dieburger Freibad geschlossen. Wo werden in Dieburg aktuell die meisten Räder gestohlen. Und wie sieht es in den Nachbargemeinden Groß-Zimmern und Münster aus?

Waldeck: Als Haupttatorte haben sich die Bahnhöfe in Dieburg, Münster und Altheim herauskristallisiert. Bushaltestellen sind dagegen keine Schwerpunkte, auch wenn dort genau wie auf Höfen und in Garagen ebenfalls immer wieder Räder entwendet werden. Den 110 Diebstählen in Dieburg im Jahr 2008 standen 35 in Groß-Zimmern und 56 in Münster gegenüber.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare