Gefahr für die Radfahrer?

Dieburg ‐ Da der Verkehr durch die Bahnunterführung früher rollen wird als geplant (wir haben berichtet), drückt der Magistrat nun auch bei der Umgestaltung der Frankfurter Straße auf die Tube. Dort sollen Sanierungsmaßnahmen bis zur Kreuzung an der evangelischen Kirche sowie der Bau des Marienplatzkreisels im Juli /August beginnen. Von Dirk Beutel

Hierzu stellte Architekt Michael Reitzel, der auch für den Kanalneubau zuständig zeichnet, bei der Stadtverordnetensitzung am Donnerstag seine vorläufigen Planungen vor, die in Zusammenarbeit mit Polizei, Amt für Straßen- und Verkehrswesen und dem Dieburger Bau- und Grünflächenamt erstellt wurden.

Demnach soll die Strecke der Frankfurter Straße, die bekanntlich gerne von Pendlern als Alternative zur B 26 nach Darmstadt genutzt wird, zwischen dem künftigen Marienplatzkreisel und der Kreuzung Altstadt /Aschaffenburger Straße auf eine Gesamtbreite von 7,25 Metern verengt werden. Davon entfallen 1,50 Meter auf der westlichen und 1,25 Meter auf der östlichen Seite auf einen so genannten Angebotsstreifen für Radfahrer. Diese Markierungen für Radfahrer sollen in naher Zukunft Richtung Groß-Umstädter Straße fortgeführt werden. Die Marienstraße wird Einbahnstraße in Richtung Stadtmitte.

Zudem soll im Zuge der Trassierung eine einseitige Parkfläche auf der Westseite entstehen, mit einem zusätzlichen Angebot an der Minnefelder Seestraße. Die barrierefreie Bushaltestelle werde aller Voraussicht nach auf Höhe der Häuser 12 bis 14 sowie Nummer 15 entstehen. Auf Unmut aus den dicht besetzten Zuschauerreihen zu diesem Punkt reagierte Reitzel mit Verständnis: „Mit dieser Lage bin ich auch nicht allzu glücklich.“

4,25 Meter Fahrbahnbreite

Die Kosten für den Marienkreisel belaufen sich auf 836 000 Euro, davon entfallen 548 000 Euro auf die Stadt und 288 000 Euro auf das Land Hessen. Bei der Erneuerung der Straße hingegen handelt es sich um ein rein städtisches Projekt, in das Dieburg 647 000 Euro investiert. So schlagen für beide Vorhaben rund 1,48 Millionen Euro zu Buche.

Bereits kurz nach der Planungsvorstellung kristallisierte sich im Verlauf der Debatte bald ein deutliches Meinungsbild heraus. Weniger der neue Kreisel, sondern die Erneuerung der Frankfurter Straße und die Neuordnung der Radwege bereitete einigen Parlamentariern Kopfzerbrechen. Andreas Will (Grüne) kritisierte: „Eine Fahrbahn von 4,25 Metern Breite reicht nicht aus, damit der Gegenverkehr ungehindert vorbeifährt. Autos und Lkws sind gezwungen, auf den Radweg auszuweichen.“

Gute Erfahrungen mit „moderner Lösung“

Heribert Sürder (UWD) erinnerte zudem an die ursprünglich geplante Verkehrsberuhigung der Frankfurter Straße und zeigte sich mit Blick auf das Planungsergebnis enttäuscht: „Das ist geradezu eine Einladung, dass noch mehr Pendler durch Dieburg hindurchsausen.“

Architekt Reitzel verteidigte den Entwurf und stützte sich auf bundesweite Erfahrungsberichte mit dieser „modernen Lösung“: „Es hat sich gezeigt, dass Pkw- und Lkw-Fahrer in der Regel den Angebotsstreifen nicht befahren und ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen.“ Zudem sei diese Variante auch ein Vorschlag der Polizei gewesen. „Hier handelt es sich um Gefahrenpotenzial für Radfahrer, denn ich erlebe genug rücksichtslose Fahrer, die, wenn sie einen solchen Streifen überfahren, eben nicht auf den Radverkehr achten“, warf Renée Exner ein.

Am 6. Mai wird sich der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr mit der Erneuerung der Frankfurter Straße und der Umgestaltung des Marienplatzes beschäftigen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare