„Für Geld wäre der Spaß weg“

+
Peter Braun auf der Hassia-Tribüne als Stadionsprecher.

Dieburg - Nikolaus, Nordic Walker, Stadionsprecher – wo soll man bei einem Porträt über Peter Braun bloß anfangen? Ach ja, bei der Freiwilligen Feuerwehr Dieburg engagiert sich Braun, den viele Duz-Freunde nicht mit „Peter“, sondern mit seinem Spitznamen „Pitti“ ansprechen, ebenfalls. Von Jens Dörr

Egal was ich tue – ich mache das alles ehrenamtlich“, sagt Braun. Und ergänzt: „Für Geld wäre der Spaß weg.“ In ganz unterschiedlicher Gestalt kennen die Menschen in der Stadt den Dieburger. Vor kurzem allerdings musste man ganz genau hinschauen, um Braun zu erkennen: Da verteilte er beim „Glückstalermarkt“ Geschenke an die Kinder – verkleidet als Nikolaus. Nur die Brille und seine klare Stimme verrieten ihn da. Von der Stimme her kennen ihn ohnehin wohl noch mehr Dieburger als vom Aussehen: Als Hallensprecher der Handballerinnen moderiert Braun, wann immer es die Zeit zulässt, ebenso bei der einen oder anderen kulturellen Veranstaltung.

Sportlich unterwegs mit...

„Sport ist Mord“ – diese These ist von gestern. Besser trifft es die Aussage, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist stecken könne. Auch viele Dieburger oder in Dieburg Tätige sporteln eifrig, laufen, schwimmen, fahren Rad oder üben eine andere mehr oder weniger populäre Sportart aus. In der Serie „Sportlich unterwegs mit…“ porträtiert der DA in loser Folge lokale Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Vereinsleben, Kultur und Gesellschaft und berichtet, was sie - Sportliches und Nicht-Sportliches – zu erzählen haben.

Unvergessen auch seine Ansagen bei den Hobbyturnieren des FC Grashubbers Dieburg in der Gutenberghalle – vor allem aber seine Haupttätigkeit: Bis heute präsentiert er als Stadionsprecher des SC Hassia Dieburg regelmäßig Aufstellungen, Tore und Auswechslungen, verliest die Botschaften der Werbepartner und informiert über „die Hassia-Ergebnisse vom Wochenende“. Und das schon so lange, wie sich viele überhaupt erst zurückerinnern können: 1976 begann Braun als Stadionsprecher bei den Blau-Weißen. Dort war 51-Jährige im Alter von zehn Jahren eingetreten, trat dort auch selber gegen das Leder. Über die Jugend, die Aktiven-Teams, die Soma bis hin zu den Alten Herren hinweg zog sich seine Fußball-Karriere. Die Kickschuhe schnürt Braun heute nicht mehr, übt sein Amt als Stadionsprecher aber mit großer Leidenschaft aus – und mit großer Genauigkeit. „Ich stehe für objektive Ansagen und bereite mich ganz genau vor“, sagt er.  Braun schreibt sich vor der Partie etwa alle Namen in Lautschrift nieder – falsch ausgesprochene Namen wie auf so manchem Sportplatz der Region oder in manch großem Stadion gibt es bei ihm praktisch keine. „Ich bin kein Showman“, sagt Braun. „Die notwendige Lockerheit muss man da aber schon mitbringen.“

"Schicksalsbrand" brachte Braun zur Feuerwehr

Auch als Nordic Walker ist Braun oft unterwegs.

Erst recht, wenn große Fußballer ans Wolfgangshäuschen kommen – wie in der Vergangenheit geschehen: Da spielte in den 90er Jahren etwa eine Bezirksauswahl gegen den Bundesligisten TSV 1860 München, damals noch unter Trainer-Legende Werner Lorant. „Den Namen des Profis Abderrrahim Ouakili habe ich damals wochenlang geübt“, lacht der sympathische Mann mit dem frechen Schnauzbart. Der SC Hassia war auch „schuld“ daran, dass „Pitti“ Braun den Weg zur Feuerwehr fand. Als „Schicksalsbrand“ bezeichnet der 51-Jährige das Feuer, das 1986 das Vereinsheim des Sportclubs ergriff. „Das vergisst man nie“, sagt Braun. Mit schwerem Atemschutz war Braun unter anderem auch im Einsatz, als im Juli dieses Jahres zwei Häuser in der Steinstraße brannten. Sportlich unterwegs – als vitale Ergänzung zu seinem Job im VW-Vertriebszentrum in der Güterstraße, wo Braun schon seit 1990 arbeitet – ist der Dieburger mit Stöcken. „Stöcke für das Nordic Walking habe ich mir erstmals 2005 an der Nordsee gekauft“, sagt Braun. Nachdem diese zwei Jahre in der Ecke gestanden hatten, benutzte er sie sogar – und ist heute Feuer und Flamme für den gelenkschonenden Ausdauersport. Zehn Wochen lang bereitete er sich etwa vor auf den „Nordic Walking Tag“ von Turnverein und Hessischem Rundfunk im vergangenen Jahr, bestritt in diesem Jahr schon mehrere Wettkämpfe.

Ich finde, man könnte auch beim Dieburger Stadtlauf mal eine separate Strecke für Walker anbieten“, regt das Multitalent an. Kaum zu glauben, dass bei diesen vielfältigen Aktivitäten Brauns noch Zeit für ein anderes Hobby bleibt: Braun ist großer Pferde-Fan, „mein Opa hatte früher welche“. Bei den Reitturnieren der Region ist er regelmäßiger Gast – noch nicht im Sprecherhäuschen, sondern „nur“ auf den Zuschauerrängen. Wer Braun jedoch kennt, weiß, dass sich das noch ändern könnte…

Kommentare