Gemeinsam statt einsam

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Der kleine Tim beobachtet mit seiner Mama fasziniert den Auftritt einer Taube auf dem Marktplatz. Auch andere Cafébesucher genießen die herbstliche Sonne. Einkaufen, Bummeln und Wohnen mitten in der Stadt, das will auch das Regionalmanagement voranbringen. Um Ideen zu sammeln, haben Experten für „Neue Wohnformen im alten Ortskern“ in Dieburg getagt.

Dieburg (eha/sek) ‐  Welche besonderen Bedürfnisse haben Familien oder Senioren beim Wohnen und wie lassen sie sich in den Kommunen umsetzen?

Das war eine der Hauptfragen, mit denen sich die Teilnehmer einer Tagung des im Dieburger Kreishaus angesiedelten Regionalmanagements befassten. Ziel und Zweck des so genannten „Regionaldialogs“ ist die Kommunikation zwischen Vertretern des Landkreise und der Kommunen, um Ideen und auch Lösungen zu bestimmten Problemfeldern zu sammeln.

Der neue Landrat Klaus Peter Schellhaas ging dabei zu Beginn auf die problematische demografische Entwicklung ein. „Wir werden eine immer älter werdende Gesellschaft mit einem vergleichsweise geringen Anteil jüngerer Menschen“, sagte er. Daher würden die Senioren eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung durch ihre Arbeit in Ortsbeiräten und Vereinen übernehmen.

Senioren in Städten und Gemeinden halten

Und der Kreis müsse im Gegenzug die Attraktivität für ältere Menschen im ländlichen Raum in Bezug auf Wohnen und Arbeit steigern. „Die Entwicklung fordert neue Denkansätze“, sagte Schellhaas. „Wir müssen die Senioren in unseren Städten und Gemeinden halten.“

Was seniorengerechtes Wohnen bedeutet, erläuterte Gastrednerin Helene Rettenbach von der Planwerkstatt Wiesbaden. Das Wichtigste sei die Barrierefreiheit, sagte sie. Dabei könnten natürlich auch ältere Häuser entsprechend umgestaltet werden. Neben betreutem Wohnen gebe es auch immer mehr gemeinschaftliches Leben in Wohngemeinschaften, wo Senioren weniger vereinsamen würden.

Völlig neue Wege geht die Bürgermeisterin der Gemeinde Mühltal, Dr. Astrid Mannes mit ihrer Idee der seniorenfreundlichen Kommune. Zu den Besonderheiten zählen etwa das bedarfsorientierte Taxi „Mitkomm“, die seniorengerechte Wohnraumanpassung und der mobile Bürgerservice. Letzterer ist ein Modellprojekt in Hessen. Der Service ist für Menschen da, die das Rathaus aus eigener Kraft nicht mehr erreichen können. So kommt das „Rathaus im Koffer“ ins Haus - beispielsweise, um dem Bürger einen Pass auszustellen.

Zudem stellte sie den Plan für einen Stadtteil mit altersgerechtem Wohnen, integriertem Kindergarten und einem Wochenmarkt vor. Ziel sei es, der „Ghettoisierung älterer Menschen“ vorzubeugen, wie sie beispielsweise oft bei Seniorenheimen auf der grünen Wiese entstünde.

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