Landkreis und Asylkreis hoffen auf private Mietverträge

Gemeinschaftsunterkunft Nordring wird aufgelöst

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Heinz Albers (links) und Günter Kriebel vom Führungsteam des Dieburger Asylkreises würden den Auszug der Flüchtlinge sehr bedauern: „Sie sind hier gut integriert.“

Dieburg - Für rund 80 Flüchtlinge und Asylbewerber enden am 30. November die Mietverträge für die Gemeinschaftsunterkunft im Nording. Damit sie nicht wegziehen müssen, appelliert der Asylkreis an die Dieburger, leer stehenden Wohnraum zu vermieten. Von Sabine Müller 

Der Landkreis hofft jedoch auf private Mietverträge im Wohnkomplex. Die Mitglieder des Asylkreises Dieburg sorgen sich um rund 80 Bewohner, die sie betreuen und die bisher im Wohnkomplex Nordring untergebracht waren. „Weil der Mietvertrag für die Wohnungen ausläuft, müssen alle dort lebenden Flüchtlinge und Asylbewerber bis zum 31. Oktober ausziehen“, berichteten Heinz Albers, Dr. Albrecht Achilles und Günter Kriebel vom Führungsteam in der vergangenen Woche. „Ein Drittel der Bewohner ist dann weg. Außerdem fehlen die gut ausgebildeten Sozialarbeiter, die im Auftrag der Diakonie tätig sind.“

Der Landkreises bestätigt die Auflösung der Gemeinschaftsunterkunft auf Anfrage. Er habe im Objekt Nordring 35 bis 37 18 Wohnungen angemietet, wo 75 Personen lebten, „hauptsächlich Familien, von denen einige bereits ein Bleiberecht haben“, informiert die stellvertretende Pressesprecherin, Annika Schmid. Der Mietvertrag sei für fünf Jahre geschlossen und ende am 30. November. „Im Mai wurden daher mit dem Vermieter bereits Gespräche geführt, ob die Familien nach Beendigung des Mietverhältnisses einen privaten Mietvertrag mit dem Vermieter abschließen können.“ Zunächst habe es keine Aussage von Vermieterseite gegeben. „Daher wurden die Bewohner auch informiert, dass sie eventuell bis Ende November ausziehen müssen.“ Jetzt habe der Vermieter jedoch eine Verhandlungsbereitschaft über private Mietverträge signalisiert.

Der Landkreis hofft deshalb, dass die überwiegende Zahl der Bewohner – hauptsächlich die Familien – dort wohnen bleiben können. Personen, bei denen dies nicht möglich sei, würden vom Landkreis in eine andere Gemeinschaftsunterkunft zugewiesen. Hierbei würden die persönlichen Verhältnisse berücksichtigt. Die Häuser im Nordring sind nach Angaben der Helfer vom Asylkreis Anfang der 90er Jahre als Flüchtlingsunterkunft gebaut worden. „Hier leben – neben anderen – Einzelpersonen und Familien aus Somalia, Eritrea, Afghanistan, Pakistan, Iran und Irak – meist nach Ethnien eingeteilt – in Wohngemeinschaften.“ Da nach offizieller Aussage des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) derzeit weniger Flüchtlinge nach Deutschland kämen, gebe es einen „Überhang“ an Unterkünften. „Der Landkreis zahlt Miete für etliche Liegenschaften“, erläutert Achilles, der selbst im Kreistag sitzt, „dort gibt es jetzt zum Teil einen Leerstand, auf den die Flüchtlinge verteilt werden können.“

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Wenn dies nötig werden sollte, ist es dem Asylkreis ein großes Anliegen, dass die Verlegung sozialverträglich geschehen müsse: „Integration ist eine der schwierigsten Aufgaben. Einige Menschen bereits seit fünf Jahren hier, sind verwurzelt und haben Bindungen aufgebaut.“ Dies gelte insbesondere für die Kinder, die Kitas und Schulen besuchten: „Wenn 15 fehlen, fehlen sie auch bei den Spielenachmittagen und in den Deutschkursen.“ Fatal wäre der Auszug außerdem für Personen, die Kurse, Fortbildungen, ein Praktikum oder eine Ausbildung absolvierten oder einen Job gefunden hätten. „Sie haben kein Auto, um zur Arbeitsstätte zu gelangen, wenn sie jetzt zum Beispiel im Westkreis unterkommen.“ Der Kreis versuche zwar, die Menschen bevorzugt in der Nähe unterzubringen, etwa in Gemeinschaftsunterkünften in Münster oder in Eppertshausen, die seien aber kaum für Familien geeeignet.

„Wir bitten deshalb alle Dieburger, die Wohnleerstand haben, der vermietet werden könnte, sich zu melden“, appelliert Heinz Albers. „Vorrangig für Familien mit fünf bis sechs Personen.“ Die Menschen hätten einen guten Leumund und bewegten sich ganz selbstverständlich in der Stadt. Beratung und Information zu den Modalitäten erhalte man beim Landkreis, bei der Stadt Dieburg und beim Asylkreis – Mitarbeiter Kriebel kann aus eigener Erfahrung berichten: „Ich habe selbst in Dieburg an eine syrische Familie vermietet. Es läuft sehr gut, das sind Mieter wie andere auch.“ Nach Aufkunft von Dr. Achilles bezahlt das Sozialamt nach Wohngeldklasse, Vertragspartner wird der Flüchtling oder Asylbewerber selbst. Wer bezahlbaren Wohnraum anbieten kann, meldet sich unter wirtschaftsfoerderung@dieburg.de oder unter wohnung@ladadi.de.

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