Gut gerüstet ins Mittelalter

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Mittelalterexperte Dierk Dreieicher in entsprechender Kleidung neben einem weniger bequemen Modell aus Metall.           

Dieburg - „Das Mittelalter war nicht immer so finster, wie man dachte“, stieg Mittelalterexperte Dierk Dreieicher lächelnd in die Materie ein. „Und das möchte ich heute Abend gerne den Besuchern näher bringen.“ Von Verena Scholze

Zum beliebten Themenabend, den das Museum Schloss Fechenbach an jedem letzten Mittwoch des Monats veranstaltet, standen dieses Mal Rittertum, Lebensart und Ernährungsgewohnheiten des Mittelalters auf dem Programm. „Mittelalter war schon immer mein großes Hobby“, erzählte Dreieicher. Daher war es für ihn keine Frage, Mittelalterliche Geschichte zu studieren und darin seinen Magister abzulegen.

Der in Groß-Zimmern lebende Sparkassenfachwirt bietet Volkshochschulkurse über das Rittertum, die Kreuzzüge, Magie und Leben im Mittelalter an. So kam der Kontakt zu Museumsleiterin Maria Porzenheim zustande, die einen Experten zum Thema suchte.

Beim Themenabend standen den Besuchern verschiedene Exponate zur Ansicht und zum Anfassen zur Verfügung. Sie stammen aus dem Museum oder aus privatem Besitz. Neben Alltagsgegenständen wie Kleidung und Trinkhorn hatte das Museum eine Rüstung aus dem 17. Jahrhundert zur Verfügung gestellt, und man konnte sich beim Schwingen der Schwerter selbst wie ein Ritter fühlen. „Das ist aber schwer“, keuchte eine Besucherin erstaunt. Wie konnte man denn damit kämpfen?“

Zu dieser Frage lieferte Dreieicher interessante Aspekte und Einblicke in das harte Leben eines Ritters. So erklärte er die verschiedenen Schwertformen und Kampftechniken, die ein Ritter zuerst als Knappe und dann später als ausgebildeter Kämpfer erlernen und beherrschen musste.

Vom Werdegang eines Ritters bis hin zur Turnier- und Kriegsführung berichtete Dreieicher und hatte dabei auch manche Anekdoten zur Hand. So erläuterte er den Wandel der Rüstung, die zu Beginn aus einer Art Steppdecke bestand und sich im Laufe er Zeit vom Ringelpanzer (Kettenhemd) zu den bekannten „Plattenpanzerungen“ entwickelte.

Auf die Frage, wie denn ein Ritter in Rüstung seine Notdurft verrichtete, antwortete Dreieicher lächelnd: „laufen lassen“. Allerdings war es wohl situationsabhängig, ob er es nicht doch noch vorzog, sich vorher schnell aus der Rüstung zu schälen. Der Allerwerteste des mittelalterlichen Ritters war nämlich gar nicht von schweren Eisenplatten bedeckt, „sonst könnte der Herr ja schwerlich zu Pferde reiten“.

Die Besucher brachten in trauter Runde rund um die Ausstellungsstücke versammelt ihre Fragen und ihr eigenes Wissen ein.

Schnell geriet man ins Fachsimplen über Armbrust und Pfeilschießen oder das Leben auf einer Burg.

Bei der anschließenden Führung durch die entsprechende Abteilung des Museums ließ Maria Porzenheim das mittelalterliche Dieburg wiederaufleben. Die Überreste alter Türme und Mauern sowie die Entdeckung zweier Ständerbauten aus dem 14. Jahrhundert anlässlich der Innenstadterneuerung ermöglichten eine recht genaue Rekonstruktion.

Dreieicher brachte den Besuchern zudem anhand von Farbgebung und Muster die mittelalterlichen Wappen näher.

Eine große Bedeutung - auch überregional - errangen damals die Erzeugnisse der Dieburger Töpfereien. Zahlreiche Produkte dieser Handwerksbetriebe sind im Museum zu bewundern.

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