Getrübter Radelspaß am Tunnel

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Die Bahnunterführung aus der Vogelperspektive: Die Wegeführung für Fußgänger und Radler wurde jetzt vom Bauausschuss unter die Lupe genommen.

Dieburg - Fast ein Jahr ist es her, dass die ersten Autos durch den Tunnel rollten. Am 8. Oktober 2011 wurde die Unterführung für den Verkehr frei gegeben. Allerdings ist die Großbaustelle des 13-Millionen-Projekts immer noch nicht ganz fertig. Von Lisa Hager

Der Bauausschuss nahm bei einem Ortstermin jetzt vor allem die Wegeführung für Fußgänger und Radler unter die Lupe.

Östlich des Bahnhofs soll diese Parkfläche noch ausgebaut werden.

In der Kreuzungsvereinbarung zwischen Land, Stadt und Bahn war es klar geregelt: Mit 800  000 Euro sollte sich Dieburg mit dem Bau der Fuß- und Radwege im Umfeld der Bahnunterführung beteiligen. Verwundert zeigten sich jetzt bei einem Ortstermin des Ausschusses für Bauen und Stadtentwicklung manche Stadtverordnete, dass es gar keine kombinierten Fuß- und Radwege gibt. Hintergrund: Nach einer aktualisierten gesetzlichen Regelung reicht die vorhandene Breite nicht aus, um die Radler – zusammen mit den Fußgängern – zwingend auf diese Wege zu beschränken. Grundsätzlich sollen Radler also die Straße durch den Tunnel nehmen, dürfen aber – legitimiert durch das Schild „Radfahrer frei“ – auch die Fußgängerwege benutzen. Wird es da allerdings eng, müssen die Radler absteigen.

„Fehlplanung“

Ausschussvorsitzender Andres Will (Grüne) zeigte sich beim Ortstermin unzufrieden mit der Situation. „Das ist nicht das, was wir beschlossen haben. Wir wollten einen Fahrradweg auf beiden Seiten“, sagte er und sprach sogar von „Fehlplanung“. Er regte an, zu überlegen, ob die Stadt nicht einen Teil des Geldes zurückfordern sollte. Der Parlamentsbeschluss habe darauf abgezielt, vollwertige Wege für Passanten und Radler zu schaffen. Außerdem sei zu prüfen, wann denn die gesetzlichen Vorgaben zur Mindestbreite von gemeinsamen Fuß- und Radwegen geändert worden sei.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas verteidigte den Ist-Zustand. Er entspräche sehr wohl den in der Kreuzungsvereinbarung festgelegten Zielen. Dass sich zwischenzeitlich die Vorgaben für die Mindestbreite ändern, habe man damals nicht vorhersehen können.

Unklar ist indes noch, wann die eigenen Brücken für Fußgänger und Radler parallel zur Bahnstrecke über die Frankfurter Straße eröffnet werden können. Es fehlen immer noch Geländer und Schilder.

Komplizierte Fuß- und Radwegführung

Vor allem die komplizierte Fuß- und Radwegführung im Westen parallel zur Frankfurter Straße stieß bei den Ausschussmitgliedern auf Kritik. Der Benutzer muss dabei nicht nur eine Verkehrsinsel und eine verkehrsabhängig geregelte Ampel zur Straße „Am Bahnhof“ queren, sondern steht dann auch noch vor einer Treppe im südwewestlichen Teil des gesamten Kreuzungsbereichs. Die habe man gebraucht, um das große Geländegefälle hier zu überwinden, sagte Thomas. Das hat die Konsequenz, dass Radfahrer, die beispielsweise Richtung Marienplatz/Groß-Umstädter Straße wollen, absteigen müssen oder Richtung Westen – beispielsweise Richtung Fahrradstraße – ausweichen müssen. Ein Problem haben hier auch Rollstuhlfahrer, die von Norden nach Süden oder umgekehrt unterwegs sind und plötzlich vor der Treppe stehen.

Schöner werden soll noch das Umfeld der Unterführung: Eine Freifläche in der Südwestecke der Ritterstraße soll mit Zierkirschen bepflanzt werden. Rund 20 zusätzliche Parkplätze werden in der Verlängerung des jetzigen Parkplatzes am Bahnhof entstehen. Auf dem Areal, das weiterhin in Bahnbesitz bleibt und derzeit provisorisch als Parkplatz genutzt wird, will die Stadt auf eigene Rechnung feste Parkplätze anlegen lassen.

Abschließend sprach der Bauausschuss die Empfehlung aus, die Planung fortzuführen und die Kostenfrage bei den Haushaltsberatungen zu klären.

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