Das gilt auch für Hunde: „Wer rastet, der rostet“

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Gemeinsam mit Petra Baum (rechts) führt Martina Perschbacher ihren Hund Bonnie über die Wippe.

Dieburg -  „Wer rastet, der rostet“, sagt Petra Baum lächelnd, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und das Hundeturnen beim „Flying Dogs Agility Team“. Dass diese Aussage nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Hunde zutrifft, weiß Baum aus eigener Erfahrung. Von Verena Scholze

Hunde gelten bereits ab sechs Jahren als Senior“, erzählt sie. „Dies ist jedoch kein Grund, mit dem Hund keinen Sport mehr zu treiben.“ Denn gezielte und richtig eingesetzte Bewegung unterstützt den Bewegungsapparat und damit die körperliche und geistige Vitalität des Vierbeiners.

Seit rund einem Jahr bietet das Team der „Flying Dogs“ ein spezielles Turnen für ältere Hunde oder Hunde mit Handicap an. „Dieses Training ist für alle Größen und Rassen geeignet“, so Baum.

Die Idee hierzu wurde sozusagen aus der Not heraus geboren. „Unser 13-jähriger Cocker Spaniel Taps hatte einen Bandscheibenvorfall“, erzählt Baum. Nach vielen Tierarztbesuchen, bei denen er mit Spritzen und Bestrahlungen behandelt werden musste, erfolgte die Diagnose: lebenslange Tabletteneinnahme. Nachdem Baum bei einem Kurs verschiedene Übungen zur Gymnastik und Bewegungsunterstützung erlernte und sie diese auch zu Hause jeden Tag nur wenige Minuten angewendet hatte, zeigte sich bereits ein Erfolg. „Nachdem Taps beim Treppenlaufen die beiden Hinterbeine im Hüpfen nachzog, konnte er nach einer kurzen Zeit die Stufen schon wieder normal bewältigen“, freut sich Baum. Diese Übungen bestehen aus einfachen Handgriffen wie Pfoten anheben oder leichtes entgegengesetztes Drücken des Bewegungsapparates, mit dem der Hundebesitzer die Muskulatur des Tieres stimuliert.

Die Beziehung zwischen Hund und Mensch wird gefestigt

Auf dem Hundeplatz hingegen lernen Hund und Herrchen eine leichte Form der Bewegung. „Anders als beim Agility springen die Hunde nicht über die Hindernisse, sondern müssen drüber hinweg steigen“, erklärt Baum. Dies erweist sich als gar keine leichte Übung „denn der Hund hat die Veranlagung zum Springen“.

Bernd Kraut übt mit Hündin Alexa. Regelmäßiges Hundeturnen hält die Vierbeiner länger fit.

Auch beim Bewältigen der anderen Hindernisse wie dem Tunnel oder der Wippe verlässt sich der Hund auf die Führung des Besitzers. So kann im Laufe der Zeit eine innige Beziehung zwischen den beiden aufgebaut werden.
Bevor Hund und Herrchen jedoch mit dem Turnen beginnen können, legt Baum erst einmal eine Krankenakte an. „So kann ich für jeden Hund das speziell auf ihn und seine Krankheit oder Alter abgestimmte Training erarbeiten“, sagt sie. Denn trotz einer Gruppe von zehn Teilnehmern geht es individuell zu beim Hundeturnen. „Wir wollen das Tier nicht überfordern“, erklärt Baum entschieden. Vor jedem Training erfolgt eine kurze Besprechung. Hier wird festgestellt, wie das letzte Training verarbeitet wurde oder ob es Auffälligkeiten gab.

Erst danach wird der Kurs für die Teilnehmer aufgebaut, der an jedem Trainingstag andere Elemente enthält und immer neu gestaltet wird. „Es soll keine Gewohnheit aufkommen“, sagt Baum.

Hundeturnen macht Hunde mutiger und vertrauensvoller

Bonnie, eine vierjährige Golden Retriver Hündin aus dem Tierheim, nimmt gemeinsam mit ihrer Besitzerin Martina Perschbacher aus Schaafheim an dem Hundeturnen teil. „Sie ist ziemlich ängstlich und durch das Hundeturnen findet sie langsam Vertrauen“, berichtet Perschbacher, nachdem sie mit Unterstützung von Petra Baum die Wippe gemeistert hat.

Infos zum Verein und den Trainingsstunden findet man auf der vereinseigenen Homepage.

Anders ist die Geschichte von Alexa, einer knapp zweieinhalb jährigen Riesenschnauzer Hündin aus dem Tierheim. „Vor knapp einem halben Jahr jagte sie einem Hasen hinterher direkt auf die Autobahn. Dort lief sie direkt vor ein Auto“, erzählt Besitzer Bernd Kraut. Durch eine OP, bei der ein Implantat in die Hinterhand eingesetzt wurde, konnte Alexa gerettet werden.

Knapp vier Monate nach dem Unfall begann Kraut mit dem Hundeturnen, an dem beide voller Vergnügen teilnehmen. „Sie macht gerne mit und ihre Bewegungen sind wieder gut geworden. Das Jagen kann sie allerdings immer noch nicht lassen“, sagt Kraut schmunzelnd, „das liegt in ihrer Natur.“

Sollte das Wetter mal nicht mitspielen, ist statt körperlicher geistige Fitness angesagt. Dann findet für die Vierbeiner im Vereinsheim beispielsweise Klickertraining statt.

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