Schulkonferenz votiert gegen Turbo-Abitur

Goetheschule kehrt zu G 9 zurück

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Künftige Gymnasiasten der Goetheschule Dieburg haben auf dem Weg zur Reifeprüfung wieder ein Jahr mehr Zeit. Die Schule kehrt - wohl schon im Sommer - zu G9 zurück. Foto: Dörr

Dieburg Die Goetheschule Dieburg kehrt– voraussichtlich schon zum Schuljahr 2013/14 – zu G 9 zurück. Das hat am Dienstag die Schulkonferenz mit klarer Mehrheit entschieden. Jetzt gibt es im ganzen Ostkreis kein G 8-Angebot mehr. Von Jens Dörr

Nachdem in Hessen früher die neunjährige Zeit nach der Grundschule bis zum Abitur Usus war, war in den vergangenen Jahren in Gymnasien wie Kooperativen Gesamtschulen (wie der Goetheschule) das nach und nach als „Turbo-Abitur“ verschriene G8 eingeführt worden. Mit Blick auf die jetzt gegebene Wahlfreiheit entwickelten Eltern und Lehrer an der Goetheschule im Laufe der vergangenen Monate sowohl ein Konzept zur Beibehaltung von G8 – allerdings in „schülerfreundlicherer“ Form – als auch ein Konzept zur Rückkehr zu G9.

Für diese Rückkehr also votierte die Schulkonferenz eindeutig: Ein Grund zum Feiern insbesondere für die Eltern aktueller Dieburger Grundschüler, die Umfragen zufolge mehrheitlich für eine Rückkehr der Goetheschule zu G9 waren. Wessen Kind aktuell in die vierte Klasse geht, der darf darauf hoffen, dass es ab Sommer wieder sechs statt zuletzt fünf Gymnasialjahre an der Goetheschule absolviert: „Der entsprechende Antrag ist umgehend an das Landesschulamt und den Schulträger weitergereicht worden, so dass wir von einer Umstellung zum kommenden Schuljahr ausgehen“, gab Schulleiter Christof Maruschka am Dienstagabend bekannt.

Zukunftsfähiges Modell entworfen

Er stellte allerdings auch heraus: „Man ist sich einig, dass man mit dem vorgelegten Konzept nicht einfach zu einem ,alten’ G9 zurückkehrt, sondern hat hier gemeinsam mit der Elternschaft ein zukunftsfähiges Modell entworfen, dass auch leistungsstarken Schülerinnen und Schülern gerecht wird.“ Das betreffe etwa die Beibehaltung des bilingualen Unterrichts oder zusätzliche Unterrichtszeit für die Naturwissenschaften. Beides bei G8 Praktizierte soll auch seine Fortsetzung beim künftigen G9 an der Goetheschule finden.

Änderungen dürfte es, wie im G9-Konzept aufgeführt (wir berichteten), hingegen zum Beispiel beim Startzeitpunkt für die zweite Fremdsprache, häufig Französisch, geben. Früher erlernten die Gymnasiasten sie ab dem siebten Schuljahr, bei G8 schon ab dem sechsten. Künftig könnte es wieder im siebten Schuljahr losgehen, Sechstklässler hätten dann vorerst nur Englisch als Fremdsprache. Da die Schulzeit wieder um ein Jahr verlängert und eine Schulkarriere bis zum Gymnasium wieder 13 statt zwölf Jahren dauern würde, bliebe zum Erlernen der zweiten Fremdsprache trotz späteren Beginns aber ebenso viel Zeit wie zuvor. Das ist in Sachen konkreter Veränderungen allerdings nur ein - jedoch besonders plastisches - Beispiel von vielen. Wichtig sei nun, „die konstruktive Zusammenarbeit mit der Eltern- und Schülerschaft fortzusetzen“, so Maruschka. Auf der Basis des „weit ausgereiften Konzepts“ sehe man dem Kommenden gelassen und mit Freude entgegen. Im Ostkreis Darmstadt-Dieburg wird es somit aufgrund von Kehrtwendungen auch an anderen Schulen -– zum Beispiel der Aue-Schule in Münster – künftig kein G8-Angebot mehr geben. 

Das Konzept, wie es das G9-Prozessteam erarbeitet hat, ist auf der Website der Schule abrufbar.

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