Präventionsparcours an der Goetheschule

Alkoholrausch durch die Brille

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Brille auf und der Blick verschwimmt. Weder gerade auf der Linie laufen noch mit dem Bobbycar geradeaus fahren gelingt. Das zeigt den Schülern, wie gefährlich der berauschte Zustand ist.

Dieburg -  Mit einem Präventionsparcours hat die Kinder- und Jugendförderung an der Goetheschule Station gemacht. Eine Brille sorgte für Schwindelgefühl und gleichzeitig für Aufklärung. Von Bettina Link

Der Boden bewegt sich, fast so, als käme er einem entgegen. Die Hand vor den eigenen Augen wird doppelt so groß und plötzlich wieder ganz klein. Die Umgebung verschwimmt. Die Linie auf dem Boden hüpft von links nach rechts, die Füße schaffen es einfach nicht, sie zu treffen. Die Orientierung fällt schwer und die Reaktion kommt erst in Zeitlupe.

Schuld an diesem Ausnahmezustand ist der Alkohol. Luca Canci setzt die Skibrille ab, ihm ist schwindelig. Doch getrunken hat hier niemand. Um Alkohol ging es an der Goetheschule Anfang der Woche trotzdem.

Wie sich die Wahrnehmung verändert

Der 14-jährige Luca hat eine Station des Präventionsparcours der Kinder- und Jugendförderung absolviert. Die Skibrille simuliert, wie es sich anfühlt, wenn man betrunken ist und wie sich die Wahrnehmung dadurch verändert. Die Schüler der Goetheschule müssen mit dieser Brille, die einen Blick verleiht, als hätte man zwischen 0,8 und 1,5 Promille intus, auf einer Linie gehen, eine Jacke anziehen, 16 Cent aus mehreren Münzen heraussuchen und mit einem Bobbycar fahren. „Ich dachte, ich fahre rückwärts, obwohl ich ja vorwärts gerutscht bin“, sagt Luca.

Zum Glück ist das mulmige Gefühl und der berauschte Blick an diesem Tag vorbei, sobald die Brille von der Nase ist. Damit die Achtklässler der Goetheschule für die Gefahren des Alkohols sensibilisiert werden und lernen, was Sucht bedeutet, hat die Kinder- und Jugendförderung des Landkreises das Projekt „Voll daneben?!“ zur Suchtprävention ins Leben gerufen.

Rausch-Erfahrung durch die Brille

Mareike Helm erläutert den Schülern, nachdem sie ihre eigene Rausch-Erfahrung durch die Brille gemacht haben, welche Gefahren Alkohol im Straßenverkehr birgen – für den Betrunkenen und für die anderen.

Neben der Erfahrung mit der „Rauschbrille“, lernen die Schüler bei dem Projekt, wie Werbung manipuliert und welche körperlichen Folgen die Sucht hat.

Die Schüler haben mit einem ehemaligen Alkoholiker gesprochen und Ralf Drexelius von der Jugendverkehrsschule Dieburg klärte über die Wirkungen von Drogen auf und welche Strafen es nach sich ziehen kann. „Der erhobene Zeigefinger bringt dabei gar nichts“, sagt der Polizist. Größere Wirkung habe ohnehin die Erzählung aus eigenen Erfahrungen, weiß Drexelius.

Gesundheitliche Folgen

Viele der 13- bis 14-Jährigen lachen über die Übung mit der „Rauschbrille“, wenn der Klassenkamerad die Jacke nicht zu bekommt oder das Bobbycar nicht unter Kontrolle hat. „Trotzdem erkennen sie die Gefahr und reflektieren, was da eigentlich passiert“, sagt Mareike Helm, die den Parcours betreut.

An der „Quizstation“ geht es um alkoholhaltige Getränke und die gesundheitlichen Folgen. „Was passiert mit einem, wenn man Alkohol trinkt?“, fragt Andrea Baumann die Gruppe von Schülerinnen „Man macht Dinge, die man nicht machen würde“, sagt ein Mädchen, eine andere fügt hinzu: „Es ist ungesund für die Leber.. Doch nicht alle kennen die Gefahren so gut wie diese Mädchen, deswegen sei Aufklärung wichtig, so Pamela Bertram von der Kinder- und Jugendförderung.

Nach dem Parcours beantworten nahezu alle Jugendliche eine Frage mit „Nein“: „Findet mich meine Clique cooler, wenn ich Alkohol trinke?“

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