Götter aus Kerzenwachs

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Sue (r.) und Sylvain Hénon (l.) zeigen den Kindern, wie sie „ihre“ Götter aufs Papier bringen können.

Dieburg ‐ Götter in Hülle und Fülle wurden gestern im Museum Schloss Fechenbach geschaffen. Ob Okeanus, der Gott des Wassers, Sol, der Gott des Feuers und der Sonne, Caelus, der Gott des Windes, oder Tellus, die Göttin der Erde, - ihnen allen wurde im Pädagogikraum des Museums gleich mehrfach Leben eingehaucht. Von Laura Hombach

Zum Internationalen Museumstag hatten sich das Museum und das Atelier Hénon wieder eine Aktion für die kleinen Besucher ausgedacht, die ihnen mit Spaß die Inhalte des Museums näherbringen sollte. Unter dem Motto „Kinder, Phaeton und die vier Elemente“ stand diesmal der Mithrasstein im Mittelpunkt.

Gemeinsam mit Sue Hénon konnten die Kinder zunächst im Keller des Museums die auf dem 1926 in Dieburg gefundenen Kultbild dargestellte Geschichte erforschen. Sue Hénon erzählte ihnen von Phaeton, der unbedingt mit dem Sonnenwagen seines Vaters Helios fahren wollte und nach einer verheerenden Irrfahrt mit seinem Leben bezahlen musste. Einen Tag darauf blieb es der Geschichte nach auf der Erde dunkel, weil Helios um seinen Sohn weinte.

Eine traurige Geschichte, wie eine kleine Zuhörerin findet. Doch die Traurigkeit ist schnell verflogen, als es anschließend im Pädagogikraum darum geht, einen der die vier Elemente repräsentierenden Götter kunstvoll in Szene zu setzen.

Der Mystik des Themas entsprechend haben Sue und Sylvain Henon diesmal auch ein „geheimnisvolles“ Malverfahren vorbereitet.

Göttliche Konturen auf weißem Papier

Nachdem die nicht immer leichte Wahl zwischen den vier Gottheiten getroffen ist, werden die Grundzüge des Bildes zunächst mit simplem weißen Kerzenwachs auf einen weißen Karton gemalt. Weiß auf Weiß lässt sich so nur erahnen, was sich später auf dem Bild abzeichnen wird. So manch kleiner Künstler hat aber den Bogen schnell raus. „Man muss das Bild nur ins Licht halten, dann sieht man es“, erklärt der neunjährige Saro. Den Wind- und den Sonnengott hat er schon zu Papier gebracht.

Auch die siebenjährige Hanna malt Sol. „Weil ich Sommer und Sonne so gerne mag“, erklärt sie. Ihre sechsjährige Cousine Eva malt derweil ordentlich Wellen auf die weiße Pappe. Sie schwimmt gerne und hat sich deshalb für Okeanus entschieden.

Nachdem die göttlichen Konturen in Wachs gemalt sind, folgt der spannende Augenblick des Sichtbarwerdens. Sylvain Hénon zeigt den Kindern, wie sie den in Farbe getränkten Pinsel in gleichmäßigen Strichen von einer Seite zur anderen über das Papier ziehen. Pinselstrich für Pinselstrich offenbart sich so das wächserne Kunstwerk. Eine spannende Sache, finden die kleinen Künstler.

Nachbearbeitung per Wachsmalstift

Anschließend kann das Kunstwerk noch mit - diesmal bunten - Wachsmalstiften nachbearbeitet werden. Saro malt zu seinem Windgott noch einen kleinen Vogel, der vor dem Wind, den Caelus macht, wegfliegt. „Das finde ich lustig“, so der Künstler über sein Werk. Und auch seine kleinen Künstlerkollegen haben offenkundig viel Spaß daran, ihren Göttern noch den letzten Schliff zu verpassen.

An die großen Museumsbesucher war beim Internationalen Museumstag - auch wenn sie keine Götter schaffen durften - ebenfalls gedacht worden.

Neben dem kostenfreien Eintritt ins Museum, konnten sie sich am Abend bei einem Vortrag von Dr. Marion Göbel aus München zum Thema „Mithras - ein antiker Gott in der Zeitenwende“ informieren.

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