Leserwanderung des DA: Rund 50 Teilnehmer trotzten am Samstag dem launischen Aprilwetter

Grenzerfahrung auf 100 Beinen

Nicht nur Steine, sondern auch Eichen markierten die Grenzen. Nele (vorne rechts) war mit sechs Jahren die jüngste Teilnehmerin.

Dieburg J Der Aprilsamstag war nicht so gut gelaunt wie die rund 50 Teilnehmer der DA-Leserwanderung: Sie hatten sich vorsorglich mit Regenschirmen und wasserdichten Jacken ausgerüstet – und das war gut so. Von Lisa Hager

„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, meinte eine Dame und zog sich die Kapuze über den Kopf. Bei der Begrüßung vor der Stadtpfarrkirche durch Bürgermeister Dr. Werner Thomas, Heimatvereinsvorsitzender Maria Bauer, OWK-Vorsitzendem Franz Zoth und DA-Redaktionsleiterin Lisa Hager kam schon die erste Dusche herunter. Die gute Nachricht: Es gab noch eine zweite und letzte – aber erst nachmittags auf dem Nachhauseweg.

Zwischenzeitlich schien sogar die Sonne, beispielsweise als Wolfgang Hönche am Trapezteich den Schlossgarten zu Goethes Zeiten wieder aufleben ließ. Was der Dichterfürst mit seiner Bemerkung, an Silvester habe es im Schloss der Groschlags „neckische Spielchen“ gegeben, gemeint haben könnte, ließ er verschmitzt lächelnd im Dunkeln.

Viel Informatives erfuhren die Leserwanderer auch auf den weiteren Stationen: Was es beispielsweise mit dem Begriff der „Dieburger Mark“ auf sich hatte und welche Grenzstreitigkeiten und Machtspielchen über Jahrhunderte zum Alltag der Dieburger´und ihrer Nachbar gehörten, erläuterte Willi Horneff vom Forum Gundernhausen. Er spürte im Wald so manchen Grenzstein auf, der schon in Vergessenheit geraten ist.

Neu für viele Teilnehmer war, dass zur Bezeichnung der Gemarkungsgrenzen auch Eichen gepflanzt wurden, die wegen des Wiedererkennungswerts in sich verdreht oder mit Kerben versehen wurden. Damit sich auch die Söhne der „Märker“ die wichtigen Zeichen merken konnten, griffen die Altvorderen zu drastischen Mitteln. Der Nachwuchs erhielt an Stellen, die es sich einzuprägen galt, Prügel, wurde in ein Erdloch gesteckt oder mit Pistolenschüssen erschreckt. Diese Tradition ist bei heutigen Grenzgängen erfreulicherweise nicht mehr üblich.

Stärkende Bratwürste brutzelte das OWK-Küchenteam an der Waldschule Groß-Zimmern, wo Förster Martin Starke, den Wanderern die naturpädagogische Einrichtung vorstellte. „Was es hier so alles Interessantes gibt“, staunte ein frisch „Zugereister“, der die Wanderung genutzt hatte, um seine neue Heimat kennen zu lernen.

Quelle: op-online.de

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