Folgen der Epidemie

Groß-Umstadt bekommt keinen „Corona-Drive-In“ – vorerst

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Mund auf: Bei einem Pressetermin in München probt medizinisches Personal einen Abstrich an einer neuen „Drive-in“-Teststation für den Coronavirus. Die CDU fordert eine solche Einrichtung auch fürs Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt (Symbolbild).

In Hessen gibt es mittlerweile zehn zentrale Untersuchungsstellen für Sars-CoV-2-Fälle. Das Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt gehört nicht dazu.

  • Erster Fall von Coronavirus im Kreis Darmstadt-Dieburg bestätigt
  • CDU-Kreistagsfraktion fordert „Drive-In“
  • Nach der Probeentnahme würden Patienten wieder nach Hause fahren und das Testergebnis telefonisch mitgeteilt bekommen

Dieburg – Das Coronavirus breitet sich erwartungsgemäß weiter aus. Am Dienstag meldete das hessische Sozialministerium den ersten bestätigten Fall aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg. Die CDU-Kreistagsfraktion fordert, an der Kreisklinik in Groß-Umstadt einen „Corona-Drive-In“ einzurichten. Patienten, bei denen ein begründeter Corona-Verdacht vorliegt, müssen derzeit jedoch eine von hessenweit zehn zentralen Untersuchungsstellen aufsuchen.

Das Land Hessen hat diese zentralen Untersuchungsstellen für Coronavirus-Verdachtsfälle in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen eingerichtet. Groß-Umstadt gehört derzeit nicht dazu. Die Untersuchungsstellen haben am vergangenen Montag und Dienstag in ausgewählten Stellen des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) den Betrieb aufgenommen. Ziel der Aktion ist es vor allem, die Hausarztpraxen zu entlasten. Menschen, bei denen der Hausarzt einen begründeten Verdacht hat, werden in den Untersuchungsstellen gebündelt auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet.

Wo das nächste Testzentrum für Dieburg ist, wollte Karl Matthias Roth, Pressesprecher der KV Hessen nicht sagen: „Wir wollen verhindern, dass Leute dort massenhaft hinkommen und der Betrieb gestört oder lahmgelegt wird“, sagte er auf Anfrage des Dieburger Anzeigers. Die Arbeit in den Testzentren sei „gut gestartet“, belastbare Zahlen gebe es aber erst nach ein paar Tagen. In Sachen Hardware, also Schutzausrüstungen oder Teströhrchen, sei man „gut aufgestellt“, der Katastrophenschutz und Arztpraxen hätten hier zugeliefert.

Corona-Drive-In in anderen Städten als Dieburg?

Die CDU-Kreistagsfraktion hatte am Montag Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) aufgefordert, an der Kreisklinik in Groß-Umstadt einen „Corona-Drive-In“ nach dem Vorbild Groß-Geraus einzurichten. „Es gilt, rechtzeitig vorbereitet zu sein und die bisherigen äußerst guten Vorbereitungen noch zu verbessern“, sagte Lutz Köhler, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion.

Unter einem „Corona-Drive-In“ könne man sich einen Seiteneingang oder Parkplatz auf dem Klinikgelände in Groß-Umstadt vorstellen, „an den man nach Aufforderung durch die Behörden, mit seinem eigenen Fahrzeug fährt, sich telefonisch bei der Klinik anmeldet und dann in seinem Fahrzeug von entsprechend geschütztem Fachpersonal getestet wird“, so Köhler. Nach der Probeentnahme fahre der Patient wieder nach Hause und bekomme das Testergebnis telefonisch mitgeteilt.

CDU-Fraktionsgeschäftsführer Heiko Handschuh sagte gestern, die Forderung habe auch nach Einrichtung der Testzentren nichts an ihrer Aktualität verloren: „Die Entwicklung ist unklar, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere Fälle im Landkreis auftreten. Deshalb halten wir es nach wie vor für sinnvoll, sich schnellstmöglich Gedanken zu machen, wie das ,Corona-Drive-In’ umzusetzen ist.“

Landrat Schellhaas weilt derzeit in Kur, verfolgt die Entwicklung aber freilich. Man habe fast schon damit gerechnet, Testzentrum zu werden, weil es an der Klinik in Groß-Umstadt ja einen ÄBD gebe, sagte er nach Auskunft seines Pressesprechers. Nun sei man aber kein Testzentrum-Standort. Noch nicht, denn Schellhaas könne sich gut vorstellen, dass sich dies im weiteren Verlauf der Epidemie noch ändere. Die Kreisklinik sei auf alle Fälle vorbereitet und in der Lage, zum Corona-Testzentrum zu werden.

Pelin Meyer, Betriebsleiterin und Geschäftsführerin der Klinik, bestätigt dies, ist jedoch skeptisch, was den „Drive-In“ betrifft. Dieser vermittele zwar ein Gefühl der Sicherheit, aber wenn ein Patient wirklich Krankheitssymptome habe, sei es besser, ihn gleich stationär aufzunehmen, als dass er noch mit dem Auto zur Klinik komme.

Weder das Sozialministerium noch das Gesundheitsamt wollten aus Datenschutzgründen derweil mitteilen, wo im Landkreis der Corona-Fall aufgetreten sei.

Gestern meldete das Ministerium in Wiesbaden 48 bestätigte Sars-CoV-2-Fälle (Stand 14 Uhr) in Hessen. Am Dienstag waren es noch 34 Fälle. „Alle erkrankten Personen weisen aktuell milde Verläufe mit keinen oder leichten Symptomen auf“, hieß es.

VON RALF ENDERS

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