Großbrand durch Himmelslaternen

+
In der Innenstadt Dieburgs hat es zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres einen Großbrand gegeben.

Dieburg - In der Dieburger Innenstadt hat es zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres einen Großbrand gegeben: Am späten Samstagabend gerieten zwei Häuser in der Steinstraße - unmittelbar gegenüber der Arztpraxen des Rochus-Krankenhauses - in Flammen. Von Jens Dörr

Menschen kamen nicht zu Schaden, wohl aber beide Häuser, in deren Erdgeschoss sich ein Kiosk und ein Frisörsalon befinden. Das Feuer griff zunächst die Dachstühle der Häuser an, die von der Feuerwehr zur Bekämpfung der Brandnester eingerissen wurden. Löschwasser beschädigte schließlich auch die Wohnungen. Erste Schätzungen des Gesamtschadens beliefen sich in der Nacht zum Sonntag auf rund 250 000 Euro.

Zur Brandursache wollte sich Dieburgs Stadtbrandinspektor Winfried Storck, der den Großeinsatz leitete, nicht äußern. „Das ist Sache der Kriminalpolizei, die wird ermitteln“, so der Feuerwehrmann. Sehr wahrscheinlich sind aber so genannte „Himmelslaternen“ Ursache für den Brand. Das legen Aussagen von Augenzeugen nahe.

Die Himmelslaternen hatte eine Hochzeitsgesellschaft, die im Fechenbach-Schloss feierte, etwa um 22.45 Uhr angezündet und steigen lassen.

In den Laternen befinden sich Kerzen, die heiße Luft erzeugen und die Ballons damit in die Höhe steigen lassen - gerade nachts immer wieder ein beliebtes Spektakel bei Festen und Feierlichkeiten, obwohl die Laternen wegen ihres Gefahrenpotenzials in einigen deutschen Bundesländern bereits verboten wurden - etwa in Niedersachsen. In Hessen besteht kein generelles Verbot für die Flugkörper, aber auch hier muss erst eine Freigabe bei der Deutschen Flugsicherung eingeholt werden.

Auf einer Balkonüberdachung in der Dieburger Steinstraße sind die Himmelslaternen gelandet, die den Brand am späten Samstagabend verursacht haben sollen. Gestartet wurden die mit Kerzen ausgestattenen Ballons im Fechenbach-Park. Im Schloss feierte eine Hochzeitsgesellschaft.

Was mit den Himmelslaternen alles schief gehen kann, wird der Dieburger Holger Jantschke spätestens seit Samstagabend wohl nie mehr vergessen. Jantschke wohnt in der parallel zur Steinstraße verlaufenden Eulengasse und beobachtete die Katastrophe von Beginn an: „Etwa um 22.50 Uhr kam ich mit meiner Frau und meinen beiden Kindern nach Hause, stellte mein Auto auf dem Parkplatz in der Eulengasse ab. Da sah ich schon, wie die Gesellschaft trotz der trockenen Witterung und der umstehenden Fachwerkhäuser die Ballons steigen ließ.“ Zunächst seien einige der Flugkörper wie geplant Richtung Münster geflogen, „wie an einer Perlenschnur aneinander gereiht“, beschrieben andere Zeugen. Dann, so Jantschke, hätten zwei der Himmelslaternen während der ersten Flugphase Feuer gefangen, seien ins Schlingern geraten und genau zwischen den beiden Häusern mit den Hausnummern 18 und 20 auf einer Balkonüberdachung gelandet.

Die Leute, die da feierten, haben das auch noch mit amüsiertem Gejohle quittiert“, beschreibt Jantschke unter dem Eindruck des Feuers wütend die weiteren Ereignisse.

Bilder der Löscharbeiten

Großbrand durch Himmelslaternen

Nur rund 20 Meter Luftlinie liegt der hintere Balkon seines Hauses von den beiden betroffenen Häusern entfernt. Von dort konnte er alles mit ansehen. „Nach zehn bis 15 Minuten ging das Feuer los. In der Zwischenzeit haben die Gäste im Park aber einfach weitere Ballons steigen lassen.“ Jantschke musste angesichts der „Uneinsichtigkeit seitens der Gesellschaft“ schwer an sich halten. „Ab dem Zeitpunkt, als der zweite Ballon abstürzte, war es für mich Vorsatz. Als es dann losging mit den Flammen, haben sich einige durch den Park ganz schnell auf und davon gemacht“, hat Jantschke beobachtet. Er selbst habe die Feuerwehr verständigt, die aber zuvor schon durch andere Zeugen alarmiert worden war. Vor allem aber habe er seine Kinder - elf Jahre alte Zwillinge - zu Verwandten gebracht. „Die hatten richtig Angst. Ich wollte nicht, dass sie mit ansehen müssen, wie nebenan ein Haus abbrennt.“

Er selbst habe sich schon Gedanken gemacht, was bei einem Übergreifen auf das eigene Haus zu tun wäre, da die Häuser in diesem Gebiet alle eine Verbindung untereinander haben. „Ich hätte meine Dokumentenordner geschnappt und wäre abgehauen“, so Jantschke, der nicht versucht hätte, sein Haus auf eigene Faust zu verteidigen.

Auch die am Großeinsatz beteiligten Kräfte schüttelten ihre Köpfe ob des Leichtsinns, in solcher Umgebung Himmelslaternen fliegen zu lassen.

Alleine von der Freiwilligen Feuerwehr Dieburg waren rund 40 Leute im Einsatz, wie Marcus Bauer, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands Darmstadt-Dieburg, gegen 1.30 Uhr morgens erläuterte. Dieburg habe sieben Fahrzeuge gestellt, darunter drei Löschfahrzeuge. „Der Notruf in der Zentrale ist um 23.04 Uhr eingegangen, nur wenige Minuten später waren wir vor Ort“, so Bauer. Auch 17 Feuerwehrleute aus Münster haben bei der Brandbekämpfung mit fünf Fahrzeugen geholfen. Schon weit vor Mitternacht waren keine Flammen mehr sichtbar, die Arbeit der Einsatzkräfte aber noch lange nicht beendet. „Es wird die ganze Nacht eine Brandwache geben“, kündigte Einsatzleiter Storck an.

Das Feuer habe von der Balkonüberdachung auf die Dächer der beiden Häuser übergegriffen, sei dann auch in den ersten Stock gelangt. Nach dem Löschen habe sich die Feuerwehr um das Stoppen der Rauchentwicklung und das Aufnehmen des Löschwassers gekümmert.

Voll des Lobes für den schnellen und umfassenden Einsatz der Feuerwehr und der anderen Helfer - auch Johanniter, Rotes Kreuz und THW waren vor Ort - war Nachbar Jantschke: „Die haben tolle Arbeit geleistet und waren superschnell da.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare