Großbrand in Geschäftshaus am Marktplatz

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Das Geschäftshaus am Dieburger Marktplatz steht in Flammen.

Dieburg (eha) - Die schwarze Rauchwolke, die fast kerzengerade in den blauen Winterhimmel steigt, ist bis nach Münster zu sehen: Um 9.30 Uhr alarmiert eine Angestellte des Textilgeschäfts NKD im Erdgeschoss des Hauses „Markt 2“ die Feuerwehr.

Auch Zahnarzt Dr. Ingo Gerlach, der seine Praxis im ersten Stock hat, reagiert umsichtig. Er gibt allen Nachbarn Bescheid - auch der Hebammenpraxis nebenan - und sorgt dafür, dass alle Personen das Geschäftshaus schnell verlassen. Die Räume der Schülerhilfe im zweiten Stock sind zu dieser Zeit leer.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas sitzt gerade bei einer Besprechung mit seinem Hauptamtsleiter, als die Wolke den Himmel verdunkelt. Das Rathaus ist keinen Steinwurf entfernt. „Als ich die Flammen sah, war mir eigentlich klar, dass das Haus nicht mehr zu retten ist“, sagt er später, als er als Chef der Feuerwehr mit Thilo Beilstein schon die Einsatzleitung übernommen hat.

Kurze Zeit drauf schlagen Feuersalven aus den geborstenen Fenstern. Immer mehr Einsatzwagen der Feuerwehren aus Dieburg, Groß-Zimmern, Münster und Groß-Umstadt rücken an. Passanten laufen auf dem Marktplatz zusammen und beobachten fassungslos, wie aus dem Textilladen im Erdgeschoss Flammen schlagen und die Rauchsäule höher und dicker wird. Inzwischen hat die Feuerwehr eine Drehleiter ausgefahren. Einsatzkräfte mit Atemschutz bekämpfen den Brand jetzt auch von hoch oben, um zu verhindern, dass die Flammen auf das Dach des benachbarten Fachwerkhauses überschlagen. Der Mann hoch oben, der ein schweres Atemschutzgerät trägt, ist im Qualm kaum zu sehen, nur der weiße Wasserstrahl hebt sich ab und zu ab. Über der Szenerie kreist ein Polizeihubschrauber.

Trafostation schwer beschädigt

Die Strategie geht auf: Die benachbarten Gebäude, die die Polizei vorsorglich geräumt hat, bleiben verschont. Alle Menschen, die sich bei der Alarmierung im Haus befanden, konnten rechtzeitig ins Freie. Lediglich eine Textilverkäuferin zieht sich eine leichte Rauchvergiftung zu. Ein Feuerwehrmann erleidet bei der Brandbekämpfung leichte Verletzungen. Beide können nach ambulanter Behandlung durch den Rettungsdienst nach Hause entlassen werden.

Inzwischen müssen die insgesamt 80 Rettungskräfte von allen Seiten angreifen: Das Lager des Textilgeschäftes, das sich im Rückgebäude befindet, brennt bald lichterloh. Angeblich steht dort auch ein Öltank. Plötzlich schießt eine schwefelgelbe Rauchwolke über die Grundstücksmauer zum Fechenbachpark.

„Wir haben deswegen Messfahrzeuge aus Groß-Umstadt angefordert“, sagt Thomas Neumann von der Pressestelle der Kreisfeuerwehr mit Blick auf die dicker werdenden Schwaden. Später gibt es Entwarnung: Die Experten haben mit ihren Messgeräten keine gesundheitsgefährdenden Werte festgestellt.

Schwer beschädigt ist neben dem Textillager die Trafostation eines Verteilnetzbetreibers, die ebenfalls in einem hinteren Anbau untergebracht ist. Die Station wird vom Netz genommen. Die Versorgung der Anwohner übernehmen andere Stationen. Nach einer ersten Einschätzung ihres Technikers vor Ort, sei die Trafostation nicht der Auslöser des Brandes gewesen, teilt die HSE später mit.

Textilien im Wert von 700.000 Euro verbrannt

Am frühen Abend, als Bauhofmitarbeiter, THW und Feuerwehr schon mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind, gibt es noch keinen Hinweis auf die Brandursache. Auch wo das Feuer genau ausgebrochen ist, bleibt unklar. Nach Schätzungen der Polizei ist ein Schaden in Millionenhöhe entstanden.

Neben dem Laden ist auch das Lager völlig zerstört. Allein den Wert der verbrannten Textilien schätzt die Polizei auf rund 700.000 Euro.

Um kurz vor zehn waren bereits drei Groß-Zimmerner Feuerwehrmänner mit dem neuen Tanklöschfahrzeug und 4000 Liter Wasser an der Brandstelle. Sie mischten dem Wasser geringe Mengen Schaummittel bei. Die so erreichte Netzstruktur soll helfen, das Feuer schneller zu ersticken.

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