Große Augen gibt´s gratis

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Da brauchen die Vier nicht lange die Werbetrommel rühren: Doris Witte erkennt sofort, dass fünf Euro gut angelegt sind.

Dieburg - An vier Tagen übte sich die Gustav-Heinemann-Schule als kleines Unternehmen: „Fünf Euro kostet der“, spricht ein Schüler eine verdutzte Passantin an und streckt ihr fordernd die Hand entgegen. Von Sebastian Faerber

„Du musst erst sagen, woher du kommst und was das für ein Kalender ist“, versucht Klassenlehrerin Hildegard Woldt an der Strategie des Verkaufsgesprächs zu feilen.

Den Kalender gibt es in der Bücherinsel zu kaufen.

Diese Woche schwärmten Jungen und Mädchen der Schule für Geistige und Motorische Entwicklung in der Innenstadt aus, um ihren selbst gestalteten Kalender unter die Dieburger zu bringen. Zum einen sammelten sie so Geld, etwa für Gartenwerkzeuge und Saatgut, denn die Schule möchte mit ihrer Rasselbande künftig ein kleines Grundstück bewirtschaften. Zum anderen ist der Verkauf Werbung in eigener Sache: Auf den Rückseiten finden sich Informationen zur Schule, beispielsweise die tiergestützte Pädagogik mit Hund und Pferd wird erklärt. So soll das besondere Angebot der Bildungsstätte über zwölf Monate ins Bewusstsein der Käufer gerückt sein.

Die Motive von Januar bis Dezember zeigen dagegen farbenfrohe Bilder, die Schüler das Jahr über zu Papier gebracht haben. Die kleinen Kunstwerke sind der Fantasie entsprungen, etwa entfacht durch die Lektüre von Kinderbüchern und lassen auf große Kreativität schließen.

Da sollten die fünf Euro ein fairer Preis sein. Doch nicht vielen Passanten sitzt das Geld so locker wie Doris Witte. „Ich habe selbst eine schwerbehinderte Tochter - da hat man ein offeneres Portemonnaie“, sagt sie, lässt sich nicht lumpen und kauft gleich zwei Kalender. Die großen, erfreuten Kinderaugen sind für sie gratis.

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