Deutschlands größter Karnevalverein wählt Hüttig zum Präsidenten / Ovationen für Friedel Enders

KVD mit Günter ohne „h“

Der neue und der bisherige Präsident: Günter Hüttig (links) leitet nun den Karnevalverein Dieburg, dem zwölf Jahre lang Friedel Enders vorstand. Enders wurde für seine Arbeit von den Mitgliedern mit stehenden Ovationen gefeiert.

Dieburg -   Deutschlands größter Narrenklub hat einen neuen Präsidenten: 114 Mitglieder des Karnevalvereins Dieburg (KVD) wählten in ihrer Jahreshauptversammlung am Dienstagabend in der üppig besetzten Halle des SV DJK 0Viktoria Günter Hüttig zu ihrem ersten Mann. Von Jens Dörr

Beim Karnevalverein endete eine Ära: Friedel Enders war nach zwölf Jahren Vorsitz im 1 800 Mitglieder starken KVD für dieses Amt nicht mehr angetreten. Er bleibt dem Verein nach den Neuwahlen im Vorstand jedoch als Medienbeauftragter erhalten. Dieses Amt, das bisher „Pressewart“ geheißen hatte und am Dienstag via Satzungsänderung umbenannt wurde, hatte kürzlich der einstige KVD-Präsident Wolfgang Dörr niedergelegt. Er machte auf der Versammlung deutlich, dass er sich die Besetzung dieses Amtes mit einer jüngeren Person gewünscht hätte und mit seinem Rücktritt kurz vor den Wahlen „nach innen“ ein Zeichen habe setzen wollen. „Es war ein Signal, dass immer wieder die Jugend eingebaut werden soll“, so Dörr. Er betonte aber, dass er „niemandem gegenüber Groll und Ärger“ hege.

Bei der Wahl von Enders zum „Medienbeauftragten“ enthielt sich Dörr wie eine Handvoll weiterer Mitglieder. Gegenstimmen zu den Kandidaten gab es bei keiner der per Handzeichen durchgeführten Voten. Ehe sich 113 Hände für die Wahl Hüttigs reckten – er selbst enthielt sich –, hatte sich der Kandidat und amtierende Dieburger Fastnachtsprinz in einer kurzen Ansprache den Mitgliedern vorgestellt. Der 46-jährige Elektroingenieur, der mit einer gebürtigen Dieburgerin verheiratet ist, wuchs in Jügesheim auf, studierte einst an der „IngAk“ und arbeitet im Außendienst der Telekom. In Dieburg brachte er sich bislang ehrenamtlich unter anderem im Schulelternbeirat von Marien- und Goetheschule ein. „Integrität und Verlässlichkeit“ seien ihm sehr wichtig, ebenso die Familie. Bleibe mal freie Zeit, fahre er gern Motorrad. Große Umwälzungen im KVD plane er nicht, blickte Hüttig auf seine große neue Aufgabe voraus: „Man kann ein, zwei Dinge anders angehen. Insgesamt ist der KVD aber ein super Verein!“ Was „Günter ohne ,h’“, wie ihn Wahlleiter Albrecht Dienst mehrfach nannte, besonders stark einbringen wolle und könne, sei „der Kontakt zur Jugend“. Er sehe im Verein noch einige ungenutzte Potenziale bei jungen Mitgliedern, die er besonders über die vielen Arbeitskreise des KVD an Verantwortung heranführen wolle.

Für die ersten drei Jahre seiner Amtszeit kann Günter Hüttig auf die Unterstützung eines äußerst narreteierfahrenen Teams bauen. So wie geschildert auf Friedel Enders: Der nun ehemalige KVD-Präsident wurde von den Mitgliedern nach seinem letzten Bericht mit stehenden Ovationen verabschiedet. Sein Nachfolger dankte ihm im Namen des KVD mit einem Reisegutschein. Als Protokoller bleibt Enders, der den ausgiebigen Dank der Fastnachter sichtlich gerührt, aber dennoch gefasst genoss, auch den Sitzungen in der Römerhalle weiter erhalten.

Neben Enders nehmen in der neuen Amtszeit Matthias Sahm, Gunter Fries (beide stellvertretende Vorsitzende), Bernd Wolfenstädter (Sitzungspräsident), Bernd Schneider, Robert Spieß (beide Schriftführer), Jürgen Stemmler (Schatzmeister), Martina Grohe, Thorsten „Bembi“ Stemmler (beide stellvertretende Schatzmeister), Norbert Stemmler (Zeugwart), Jonas Czior (stellvertretender Zeugwart), Johannes Stemmler (Vermögensverwalter) und Zugmarschall Thomas Lewis wichtige Funktionen wahr. Hinzu kommen elf Beisitzer, darunter die Hofmarschalle Gerald Grohe und Hans-Friedrich Busch. Zum Ehrenhofmarschall ernannte der KVD am Dienstag Klaus Becker, den ungewöhnlichen Titel des „Ehrennarrs“ bekam Heinz Modrei verliehen.

Der Rückblick auf die vergangene Kampagne machte in wirtschaftlicher Hinsicht öffentlich, dass der KVD mit einer Null aus dem bis Ende April dauernden Geschäftsjahr herausgegangen ist. Zwar wies der Verein einen Gewinn aus, dem standen aber noch zu begleichende kurzfristige Verbindlichkeiten in fast gleicher Höhe gegenüber. Insgesamt, das verrieten die Kontostände und Vermögenswerte des Vereins, ist der KVD dank jahrzehntelangen soliden Wirtschaftens, extrem gut aufgestellt. Schulden hat der Verein keine, vielmehr stattliche finanzielle Polster.

Inhaltlich blickte Ex-Präsident Friedel Enders in seiner letzten Ansprache auf eine gelungene Kampagne zurück, in der lediglich zwei Veranstaltungen Spielraum nach oben gelassen hätten: Bei der „Äla-Meile“, dem närrischen Treiben in den Innenstadt-Kneipen zum Kampagnenauftakt, wünsche sich der KVD einen besseren Zuspruch als bislang. Dieses Jahr wird es die „Äla-Meile“ (am 11.11.) erneut geben, sie stehe in ihrer jetzigen Form aber auf dem Prüfstand. Die „Äla-Nacht“ war stark besucht, spaltete programmatisch aber die Meinungen der Besucher. Auch hier will der KVD selbstkritisch bleiben und Veränderungen notfalls nicht scheuen.

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