Landrat-Gruber-Schüler nutzen Tablets im Sport- und Mathe-Unterricht

Für Gymnastik und Funktionen

Erst gucken, dann filmen: Ihre Fortschritte können sich die Schülerinnen direkt nach dem Probelauf auf den iPad anschauen. Dies ist eine Form des gewünschten feedbackgesteuerten Lernens.

Dieburg – Alle Welt scheint in dieser Zeit vom Megatrend Digitalisierung zu sprechen. VON JENS DÖRR

Was die etwa in der Bildung bedeuten kann, bricht ein aktuelles Beispiel aus der Dieburger Landrat-Gruber-Schule (LGS) herunter: Alissa Waldmann, Lehrerin am Beruflichen Gymnasium (BG), das eine der vielen Schulformen der 2 400 Schüler großen LGS ist, setzt seit diesem Schuljahr in ihrem Mathematik- und Sportunterricht iPads ein.

Im Sommer schaffte die LGS 30 der Tablet-Computer von Apple an. Bedient werden sie über die Berührung des Bildschirms; Schutzhüllen ermöglichen es, die iPads wie ein kleines Notebook sicher senkrecht oder schräg aufzustellen. Was etwa dann von Vorteil ist, wenn die Tablets plötzlich mitten auf der Sportfläche der ABC-Halle platziert werden.

So immer dann in diesem Halbjahr, wenn Mathe- und Sportlehrerin Waldmann einen BG-Kurs der Jahrgangsstufe 13 in der Rhythmischen Sportgymnastik anleitet. Wobei die iPads wie folgt zu helfen vermögen: Auf dem Weg zum Kursziel, in der Gruppe eine sportgymnastische Kür mit drei der fünf Geräte (Ball, Band, Keulen, Seil, Reifen) zu erarbeiten und zu präsentieren, verbessern die Tablets insbesondere die Visualisierung.

Zunächst schauen sich die Schülerinnen – der Kurs ist wenig überraschend rein weiblich besetzt – Videos mit entsprechenden Vorführungen gymnastischer Übungen an. Die hat Waldmann vorab auf die vier Tablets geladen, die die vier Gruppen des Kurses verwenden. „Im Optimalfall werden die Videos direkt aus dem Internet abgerufen“, erläutert die Lehrerin. In der ABC-Halle, die im Zuge der Neugestaltung der Schulinsel „Auf der Leer“ 2026 abgerissen und durch Hallenneubauten im Südwesten (heutiger ADS-Parkplatz) und Nordosten (ehemalige Gutenbergschule) des Areals (über)kompensiert werden soll, gibt es allerdings kein WLAN.

Im Sportunterricht behilft sich der Kurs also offline. „Die Schülerinnen können sich die Übungen der Rhythmischen Sportgymnastik zum einen in den Videos anschauen, was als Vorlage besser ist als die zweidimensionale Darstellung auf Papier“, sagt Waldmann. Davon können die Gruppen so oft Gebrauch machen, wie sie diese visuelle Anleitung benötigen – was in einen Wechsel zwischen dem Üben der Bewegungsabläufe sowie kurzen „Sit-ins“ auf dem Hallenboden mündet. „Zum anderen können sich die Gruppen mit den iPads filmen.“ Direkt im Anschluss gibt das über die Kamera des Tablets entstandene Video den Schülerinnen eine ungeschminkte Rückmeldung, worauf sie noch stärker achten müssen.

Ihre Rolle als Lehrerin verändere sich dadurch, schildert Waldmann einen weiteren Effekt des iPad-Einsatzes. „Es entlastet mich. Der Lehrer wird stärker zum Beobachter, ist nun mehr der Lernberater.“ Weiterer Vorteil: „Das Arbeiten mit den iPads ist binnendifferenziert, weil du dir das Video in deinem eigenen Tempo anschauen kannst. Das Filmen mit den iPads wiederum ist eine Form des ebenfalls gewünschten feedbackgesteuerten Lernens.“ In weiteren Schritten könnten die Schülerinnen auch Clips einzelner Elemente zu jener Kür zusammenschneiden, die ihnen abschließend vorschwebt. In der Gruppe tauschten sich die Schülerinnen zudem miteinander aus, „dabei lernen sie auch das Argumentieren, ein weiteres Lernziel“, sagt die Lehrerin.

Wie Alissa Waldmann hat seit Schuljahres-Beginn grundsätzlich das gesamte LGS-Kollegium die Gelegenheit, sich einige der iPads zu reservieren und sie die Schüler im eigenen Unterricht nutzen zu lassen. Waldmann ist von dieser Möglichkeit bereits angetan, nutzt die kleinen Computer auch in der Mathematik. Mithilfe des Programms GeoGebra macht sie plastisch, wie sich bei quadratischen Funktionen die Parabeln durch bestimmte Werte verändern. „Das ersetzt nicht das Zeichnen von Hand“, sagt sie. „Die Schüler bekommen das Öffnen und Strecken der Parabel durch das Programm aber direkt angezeigt und können das auch fürs Smartphone verfügbare Programm zudem bei der Kontrolle ihrer Hausaufgaben verwenden.“

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