„Habe es nicht bereut“

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Viele Bau- und Lagepläne hat Dr. Werner Thomas in seinem Amtszimmer derzeit zu begutachten.

Dieburg - Fast genau vier Jahre sind es jetzt, seit Dr. Werner Thomas den Chefsessel in der Edith-Stein-Schule in Darmstadt mit dem im Dieburger Rathaus getauscht hat. Zwei Drittel seiner Amtszeit hat der 56-Jährige also hinter sich.

Hinter sich hat er viele neue Erfahrungen, die er als Newcomer auf der kommunalpolitischen Bühne gemacht hat. „Es macht immer noch Spaß“, betont er zu Beginn des Sommer-Interviews, das Lisa Hager vom DA mit ihm geführt hat. Haushaltslage, Entwicklung der Stadt, Campus, Konviktsgelände, neue Stadthalle - in dem Gespräch ging es um die „Dauerbrenner“ Dieburgs.

Haben Sie sich die Arbeit des Bürgermeisters anders vorgestellt? Einfacher?

Vorab muss ich sagen, ich habe es noch nicht bereut, vom Schulleiter ins Bürgermeisteramt gewechselt zu haben. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, mir nicht allzu viel vorzustellen, sondern mit den Dingen einfach klarzukommen. Natürlich ist meine Position nicht einfach ohne Fraktion im Rücken. Aber ich denke, ich bin auf einem guten Weg, was die Zusammenarbeit mit den Fraktionen des Stadtparlaments angeht.

Sie haben in Ihrer bisherigen Amtszeit schon etliche Großprojekte in Angriff genommen. Das Wichtigste ist die Bebauung des Altstadtgeländes mit neuer Stadthalle und Lebensmittelmarkt - ein Projekt, das schon Ihr Amtsvorgänger über die Bühne bringen wollte. Wie ist der derzeitige Stand?

Der Bauantrag für die Stadthalle und den Lebensmittelmarkt ist eingereicht. Es war ein Weg, der nur in kleinen Schritten zurückzulegen war.

Sie hatten ja auch Rückschläge, Investoren sind abgesprungen…

Ja, das stimmt, aber ich denke, meine Verhandlungspartner wussten immer, woran Sie mit mir waren. Das hat sich jetzt ausgezahlt.

Wie sieht der Zeitplan für den Neubau aus?

Bis Ende September sind wir eine großen Schritt weiter. Ich habe die realitätsnahe Hoffnung, dass wir im Oktober den Ersten Spatenstich machen können. Der Markt will schließlich im Mai eröffnen. Und die Fastnachtskampagne 2010/11 wird dann die letzte in der alten Ludwigshall sein. Es ist realistisch zu vermuten, dass die ersten Veranstaltungen im April 2011 in Dieburgs neuer Ludwigshalle stattfinden können.

Der Penny-Markt, der jetzt dort entsteht, ist nicht gerade Ihr Wunsch-Discounter.

Wichtig ist, dass wir überhaupt endlich einen Nahversorger für die Innenstadt bekommen. Das war kein einfacher Weg. Spätestens als Tegut in Zimmern gebaut hat, war zu vermuten, dass es mit Dieburg doch nichts wird.

Bis der Markt öffnet, muss ja auch der Kreisel, der das Gelände andient, fertig sein. Müssen sich die Dieburger wieder längere Vollsperrungen einstellen?

Die Straße wird während der Bauarbeiten befahrbar sein. Es wird immer eine Richtung offen bleiben.

Was passiert mit den derzeitigen Pächtern der alten Halle, die haben ja noch einen gültigen Vertrag mit der Stadt?

Mit denen haben wir schon gesprochen. Da die Gastronomie in der neuen Halle ausgeschrieben werden muss, können sich die Pächter natürlich bewerben wie jeder andere auch.

Gab es angesichts der schlechten Haushaltslage der Stadt irgendwann eine Tendenz, die Halle doch nicht zu bauen?

Die gab es zeitweise bei Teilen der Stadtverordneten - wie zu spüren war. Ich bin und war immer der Meinung, dass Dieburg, das ja Mittelzentrum ist und bleiben will, eine adäquate Halle haben muss. Und die alte Ludwigshalle zu sanieren, wäre bestimmt nicht viel billiger gekommen, als eine neue zu bauen.

Wie soll denn die Halle „vermarktet“ werden? Wer übernimmt das Management, damit man auch entsprechende Veranstaltungen an Land zieht?

Wir brauchen ein vernünftiges Management, das sollte bei der Stadt angesiedelt sein. Dazu suchen wir gerade eine Fachkraft, das wird eine volle Stelle sein. Wir werden ja auch Tagungen anbieten können, das war in der alten Halle ja nicht möglich.

Ist eine derartige Investition wie eine Stadthalle, die ja auch hohe Folgekosten hat, angesichts der Haushaltslage noch mit gutem Gewissen zu stemmen?

Wir sind bei den Gewerbesteuereinnahmen jetzt doch besser weggekommen als erwartet, was an dem guten Branchenmix liegt, den Dieburg hat. Diese Mehreinnahmen gleichen die Verluste bei der Einkommenssteuer wieder aus. Somit dürfen wir verhalten optimistisch sein.

Bleiben Sie auch optimistisch, was die Zukunft des Konviktsgeländes betrifft? Oder hat des Bistum Mainz, dem das Gelände gehört, jetzt Vorbehalte, weil ein weiterer Investor für ein Seniorenzentrum fürs Schlachthofgelände aufgetreten ist?

Es gab keinerlei Signal dafür, dass das neue Projekt die Pläne für das Konviktsgelände in irgendeiner Form beeinflusst. Zudem der Investor, dem das Schlachthofgelände jetzt für weitere Planungen neun Monate reserviert wurde, ja ein reines Pflegeheim bauen will. Und auf dem Konviktsgelände sollen ja auch andere betreute Wohnformen verwirklicht werden. Insgesamt kann es ja auch für Dieburg ein Vorteil sein, wenn es zwei verschiedenartige Seniorenzentren anbieten kann.

Die Idee, an der Schlachthofkreuzung einen Kreisel zu bauen, hat aber nicht nur mit dem möglichen Neubauprojekt dort zu tun?

Nein, da steckt eine Idee von mir dahinter, die ich gerne verwirklichen möchte: Den Nahverkehr, also die Busse, aus der Innenstadt rauszuhalten. Es ist manchmal abenteuerlich, wie die Busse da durch die teils engen Passagen in der Fußgängerzone fahren müssen. Und mit einem Kreisel an der Schlachthofkreuzung könnten die Busse bequem zum Leer-Parkplatz fahren. Von dort aus sind es ja nur ein paar Schritte bis in die Fußgängerzone.

Nächste Baustelle: Campus Dieburg. Werden die Wohntürme irgendwann gesprengt?

Davon gehe ich aus. Die sind ja nicht mehr zu sanieren. Allerdings hat das Landesdenkmalamt sie als stadtbildprägend eingestuft. Damit muss sich die Telekom noch auseinander setzen. Am Donnerstag ist der Kaufvertrag zwischen dem Land Hessen und der Corpus Sireo, der Immobilienverwaltungsgesellschaft der Telekom, notariell besiegelt worden. Jetzt kann es mit dem Architekturwettbewerb für das neue Wohnviertel zügig weiter gehen. Der Siegerentwurf, der ja als Grundlage für den Bebauungsplan dienen soll, soll dann möglichst im November der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt werden. Die Stadt soll ja schließlich Baurecht für die Fläche schaffen. Dieburg ist damit der dritte im Bunde. Und wenn wir schon entscheiden sollen, soll das Ganze ja auch in unserem Sinne sein.

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