Asylkreis kritisiert Zustände in Flüchtlingshaus

Hakenkreuz-Schmierereien und keine Heizung: Ärger um Wohnhaus

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Der Vermieter nimmt auch die Bewohner in die Pflicht, doch der Asylkreis kritisiert die Zustände

Dieburg – Eine kaputte Haustür, nicht funktionierende Heizungen oder Hakenkreuz-Schmierereien im Treppenhaus, die nicht entfernt werden: Immer wieder kommt es zu Kritik an den Zuständen in dem Wohnhaus im Dieburger Nordring an der Grenze zu Münster, in dem Flüchtlinge und sozial schwache Menschen leben. Von Lars Herd

„Die Zustände sind unhaltbar“, hadert Carola Gräff, Sprecherin des Asylkreises Dieburg, der sich für Flüchtlinge einsetzt. In der Vergangenheit zum Teil mit Erfolg. Denn eigentlich hätten die Bewohner im Herbst 2017 aus dem Haus im Dieburger Nordring ausziehen müssen, da der Mietvertrag, den der Landkreis für die Flüchtlingsunterkunft mit dem Eigentümer geschlossen hatte, ausgelaufen war. Nach etlichen Verhandlungen seien mit den Mietern jedoch private Mietverträge geschlossen worden, berichtet Gräff.

Der für die Verwaltung des zur „Adler Wohnen Service GmbH“ gehörenden Wohnblocks zuständige Peter Obermeier weist die Kritik allerdings zurück. Im Fall der kaputten Haustür und dem damit verbundenen kalten sowie verschmierten Treppenhaus kritisiert Obermeier auch die Bewohner. Wenn er sich den Wohnblock anschaue, lägen Steine vor der Haustür, damit sie nicht zu geht. „Da sind manche zu bequem, den Schlüssel rauszuholen“, klagt Obermeier. Die defekten Türschlösser seien im vergangenen Jahr ausgetauscht worden. „Die wurden offensichtlich manipuliert“, erklärt er. Bei einem erneuten Besuch will er sich das noch einmal genauer anschauen. Auszuschließen ist es wohl nicht, dass die Schlösser wieder zerstört wurden. „Das ist alles nicht so einfach hier.“ Da die Tür offen steht, ist es eben im Treppenhaus kalt, und auch Fremde können reinkommen und die Wände verschmieren. „Ich will nicht sagen, dass das unbedingt die Bewohner waren. Wenn die Tür offensteht, kann ja jeder reinkommen und Hakenkreuze an die Wände malen“, betont Obermeier und nimmt die Hausbewohner gleichzeitig in die Pflicht: „Da müssen sie vielleicht auch etwas besser aufpassen.“ Zumindest wurde das Treppenhaus erst vor knapp einem Jahr gestrichen und sei nun schon wieder mit Hakenkreuzen und anderen Zeichnungen verschmutzt.

Ein weiterer Kritikpunkt von Seiten des Asylkreises sind die kaputten Heizungen. Zwar seien die Heizkessel ausgetauscht worden, doch in manchen Wohnungen soll es dennoch kalt sein – gerade im Winter ein Problem.

„Unserer Meinung nach wird gezielt die Not der Mieter ausgenutzt, von denen man weiß, dass sie sich nicht wehren können“, meint Carola Gräff vom Asylkreis. „Die Kinder, die dort leben, sind ständig krank. Ein einjähriges Mädchen leidet unter häufigen Lungenentzündungen, ein anderes Kind ist krebskrank und bräuchte dringend Erholung. Aber wie soll das gehen, in einer schimmeligen, kalten Wohnung, ohne Wasseranschluss in der Küche?“

Von einer Wohnung mit einem kaputten Heizkörper weiß Obermeier eigenen Angaben zufolge; er habe diesen in der vergangenen Woche neu installieren lassen. Jetzt möchte er sich noch einmal die Zustände im Nordring anschauen und alles reparieren lassen, was kaputt ist. Schließlich könne er auch nur die Probleme beheben, von denen er wisse.

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Gräff betont, alle Umstände sofort zu melden: „Die Servicehotline der Adler Immobiliengesellschaft nimmt die Probleme auf, aber es kommt kein Feedback. Wir kümmern uns gemeinsam um eine Lösung, aber unsere Bemühungen verlaufen im Sand.“

Daher sieht Gräff den Vermieter in der Pflicht, sich für die Bewohner einzusetzen, ist aber der Ansicht, dass die Lage der Menschen ausgenutzt wird: „Das sind Menschen, die keine Alternative haben. Die vor maroden Strukturen und Gewalt in ihrem Land geflohen sind und nun froh sind, in Deutschland angekommen und sicher zu sein. Menschen, die seit drei Jahren auf einen positiven Asylbescheid hoffen und nicht hier in Deutschland auffallen möchten. Diese Leute gehen nicht zum Anwalt und verklagen die Vermieter.“

Quelle: op-online.de

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