Hand in Hand über die Brücke zur Ausbildung

Sabine von Mörner mit einer der beiden Goetheschülerinnen, die sie im Rahmen des Projekts „Ausbildungsbrücke“ unterstützt. - Foto: Dörr

Drei Paten für vier Goetheschüler / Hilfe zwischen Vokabeln, Martin Luther und Bewerbungen.

Dieburg - Seit Beginn des Schuljahres 2011/12 läuft auch in Dieburg das deutschlandweite Projekt „Ausbildungsbrücke“. Trägerin ist die Initiative „Arbeit durch Management/Patenmodell“ der Diakonie. Für Dieburg koordiniert Uwe Hauschild das Projekt, das in Zusammenarbeit mit der Goetheschule realisiert wird. Der Grundgedanke: insbesondere Schülern, die in absehbarer Zeit den Haupt- oder Realschulabschluss machen wollen, mittels erfahrener Paten von außerhalb dabei behilflich sein.

Schließlich mache es Sinn, nicht erst nach einem eventuell verpatzten Schulabschluss unter die Arme zu greifen, so Hauschild. „Die optimale Zeit für den Einstieg in die Kooperation mit einem Paten ist zu Beginn der achten Klasse.“ Dann sei mit Blick auf den Hauptschulabschluss (Ende der neunten Klasse) oder den Realschulabschluss (Ende der zehnten Klasse) noch ausreichend Zeit, gemeinsam an Defiziten zu arbeiten und die Weichen für einen guten Abschluss zu stellen. Lehrer schlagen Hauschild entsprechende Schüler - häufig mit Migrationshintergrund - vor, der Dieburger bringt sie dann mit dem Einverständnis von Schülern und Eltern mit den Paten zusammen. Die Teilnahme an der „Ausbildungsbrücke“, die mehr als „nur“ ein Nachhilfeunterricht sein will, ist kostenlos.

Eine der Patinnen ist Sabine von Mörner, eigentlich Grundschullehrerin und beruflich an der Marienschule im Einsatz. Sie hat sich für die ehrenamtliche Arbeit mit derzeit zwei Hauptschülerinnen der Goetheschule gemeldet. „Noch sind wir in der Findungsphase“, sagt von Mörner. Gleichwohl sie bereits festgestellt hat: „Die Mädchen sind sehr gewillt.“ Beide gehen in die achte Hauptschulklasse, machen im Frühjahr 2014 ihren Abschluss. „Da geht es um die Strukturierung der Arbeit, ums Lernen lernen, auch um die Motivation, im Unterricht mitzumachen“, sagt die Lehrerin. Ihre Schülerinnen sind 15 und 16 Jahre alt, eine hat ein großes Ziel: „Sie will einmal selbst Lehrerin werden“, sagt von Mörner.

Sie kümmert sich mit den beiden Hauptschülerinnen immer um das, was den Teenies gerade auf dem Herzen liegt: Englisch, Deutsch, Bewerbungen schreiben, „zuletzt haben wir uns einen ziemlich anspruchsvollen Martin-Luther-Text aus dem Ethik-Unterricht vorgenommen“. Mit ihrer Lebenserfahrung weiß Sabine von Mörner indes mehr als „nur“ fachliche Hilfestellung zu geben.

Zwei weitere Paten kümmern sich derzeit zudem um zwei Realschüler der Goetheschule. „Es sind Zwillingsbrüder aus Afghanistan, die nach nur einem Jahr Sprachkurs schon so gut Deutsch können, dass sie am Regelunterricht teilnehmen“, so Uwe Hauschild. Er könne sich gut vorstellen, dass für die beiden Migranten mit der Realschule nicht unbedingt Schluss sein müsse.

Nichtsdestotrotz ist die Arbeit rund um die „Ausbildungsbrücke“ für Hauschild und die anderen Koordinatoren – das Projekt läuft auch an der Münsterer Aue-Schule und an der Groß-Zimmerner Albert-Schweitzer-Schule – nicht immer ein Zuckerschlecken. Paten springen ebenso ab wie Schüler, manchmal fehlen Zeit, Lust oder die Chemie stimmt nicht. Auch die Lehrer interpretieren ihre Rolle – Hinweise geben, für wen das Projekt hilfreich sein könnte – unterschiedlich.

Dennoch setzt sich Uwe Hauschild weiter für die Etablierung der „Ausbildungsbrücke“ in Dieburg ein. Für das nächste Schuljahr, wenn wieder ein neuer Schwung Haupt- und Realschüler in die achte und neunte Klasse kommt, sucht er bereits die nächsten Paten für neue Schüler im Projekt. Wer Interesse hat, junge Menschen einmal pro Woche oder auch seltener bei ihrer schulischen Entwicklung und beruflichen Orientierung zu unterstützen, kann mit Hauschild unter s  06071 980222 oder via E-Mail (u.hauschild@t-online.de) in Kontakt treten.

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