Heimatverein zeigt beim „Säfter“ fast vergessene Fertigkeiten

Handwerk in der Hofreite entführt in alte Zeiten

Die Kunst am Spinnrad zeigte Astrid Kreuz.

Dieburg - Eintauchen in ein anderes Jahrhundert – dieses Gefühl erfasste die Besucher beim Betreten der Hofreite in der Rheingaustraße.

In besonderer Atmosphäre wurden neben feinsten Stickereien, bunten Quilts und Stoffen auch die Entstehung von hölzernen Arbeitsgeräten gezeigt. Alle diese Fertigkeiten haben eins gemeinsam: Sie zählen zum alten Handwerk und zu den teilweise ausgestorbenen Berufen. Ein Grund für den Heimatverein, diese alten Künste anlässlich von „Dieburg in Blau“ zu demonstrieren.

Das Weben gehört zu einem der ältesten Handwerke der Menschheit. Manfred Hahnemann von der anthroposophischen Behinderteneinrichtung „Heydenmühle“ zeigte seine Arbeiten an einem großen Webstuhl. Stoffe, Handtücher, Tischläufer oder Decken, alles aus reinsten Naturmaterialien wie Wolle Baumwolle, Hanf oder Leinen lassen die Welt ein wenig bunter erscheinen.

Wie in einem Märchen fühlte man sich beim Betrachten von Astrid Kreuz, die in entsprechender Tracht anmutig bewies, wie geschickt sie mit dem Spinnrad und der Handspindel umgehen kann. Im Mittelalter oblag das Spinnen den Mädchen und Frauen, die neben der Arbeit gleichzeitig auch gerne Neuigkeiten austauschten. Kreuz selbst hat das Hobby bereits als Kind für sich entdeckt und vor einigen Jahren wieder damit begonnen. Was für sie Hobby ist, wird in vielen Ländern der Welt heute noch beruflich ausgeübt und trägt zum Lebensunterhalt der Familien bei.

Ihre künstlerischen Fähigkeiten zeigte Ellen Terjung, die sich seit vielen Jahren der Gestaltung von Quilts und Patchworkarbeiten widmet und ihre Arbeiten bereits auf diversen Ausstelllungen präsentierte.

Hessische Weißstickerei hat verschiedene Techniken, bei deren Ausübung man Marie Heisig zusehen konnte. Diese Kunst, die ihre Ursprünge in der hessischen Schwalm hat, war vor allem in den Klöstern des Mittelalters vertreten.

Josef Thomas erlernte den Beruf des Wagners von 1946 bis 1949, danach übte er ihn noch bis 1953 aus. So nach und nach starb der Beruf aus, die Fertigung von Rädern, Wagen und anderen landwirtschaftlichen Geräten aus Holz wurde von Maschinen übernommen. Heute drechselt und hobelt der 80-Jährige immer noch zu Hause an seiner Hobelbank. In der Hofreite bewies er den Besuchern eindrucksvoll, wie geschickt er immer noch mit den Werkzeugen umgehen kann.

Als besonderen Höhepunkt hielten die Mundartkünstler Fritz Ehmke und Jürgen Poth Einzug in der Hofreite. Poth, bekannt als „de Guggugg“ aus Spachbrücken, lud mit Fritz Ehmke, dem Initiator der Benefiz Mundart- CD „Horsch emol, wie schäi“, zu einer musikalische Darbietung. Mit ihren Liedern wollen die beiden, die sich auf einer Wander-Benefiz-Tournee befanden und in Dieburg Rast machten, auf den „Verein für krebs- und chronisch kranke Kinder“ (Darmstadt) aufmerksam machen. Auf der Tour, die gestern zu Ende ging, hatten die beiden bis zum Stopp in Dieburg bereits 90 Kilometer hinter sich. Jeden Abend wurde in einem anderen Etappenort „Mussigg un Schprich“ geboten und Poth lud als „Guggugg“ mit seinem Programm „Wie’s Maul gewachse is“ zum Mitsingen und lokale Mundart-Künstler zum Mitmachen ein. Die Spenden der Tournee kommen gesamt dem Verein zugute. J ves

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