Es wird blau gemacht

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Museumsmitarbeiter Lothar Lammer erklärt den Besuchern, was in der Küpe, dem großen Färbebottich, passiert. Die Stoffe müssen mehrfach getaucht und dann fixiert werden.

Dieburg - Ausgewaschene Jeans sind „in“: Ob den Jeansträgern, die gestern die Blaufärbertage im Museum Schloss Fechenbach besuchten, klar war, dass die ewig jungen Hosen einst als robuste Arbeitsbekleidung gedacht waren? Von Lisa Hager

Mit heimischem Färberwaid, später mit dem tropischen Indigo blau gefärbt wurden sie, weil die Farbe wenig „schmutzte“, andererseits eine Art Hygieneschutz bot. Das alles erfuhren die Gäste der 25. Aktionstage rund ums Blaufärben im Museum. Lothar Lammer führte die Besucher in bewährter Form durchs Haus und zeigte dann den Färbevorgang an der großen Edelstahl-Küpe im Keller.

Warum wird ein Tuch blau, wenn man es in gelbe Brühe taucht, wo kommt Indigo her und zu welchen Zwecken kann man ihn noch einsetzen? Antworten auf alle diese Fragen konnten Lammer und seine anderen Museumskollegen geben. Die Handwerksdemonstrationen werden in diesem Jubiläums jahr durch eine Sonderausstellung begleitet, bei der auf die vielfältige Nutzung der Färbepflanzen Waid und Indigo hingewiesen und der Färberprozess durch Filmaufnahmen und zahlreiche Exponate veranschaulicht wird. Nicht nur im südhessischen Raum diente das Blaufärben als Nebenerwerb für bäuerliche Familienbetriebe bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Museum Schloss Fechenbach ist im Besitz einer alten Blaufärberstube und verfügt über eine Vielzahl kunstvoll gefertigter Druckstempel, sogenannte Model.

Handgeschnitzte Stempel in die „Papp“

In der Osterzeit lernen Besucher unter fachkundiger Anleitung, wie man die handgeschnitzten Stempel in die „Papp“ taucht und mit dieser farbundurchlässigen Paste den Stoff versiegelt. Im Färbebad kann man beobachten, wie die Stoffe durch wiederholtes Eintauchen in den Bottich mit synthetischem Indigofarbstoff die leuchtende blaue Farbe annehmen. Die mit der „Papp“ im Reservedruckverfahren versiegelten Muster werden nach dem Waschen leuchtend weiß. Wer möchte, bedruckt seine Stoffe mit den alten Modeln gleich selbst und kreiert eigene Muster.

Den Blaufärbertagen sind noch der Ostersonntag (8. April) und der Weiße Sonntag (15. April) vorbehalten. Zwischen 14 und 17 Uhr finden die Handwerksdemonstrationen statt. Das Museum öffnet sonntags bereits um 11 Uhr. Auskünfte unter Telefon 2002-460 oder info@museum-schloss-fechenbach.de.

Quelle: op-online.de

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