Handwerker beherrschen Römerhalle

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Es geht voran: Die neue Römerhalle im Herzen von Dieburg soll Mitte August eröffnet werden. Bis dahin haben die Handwerker noch viel zu tun.

Dieburg - Hinauf zur Decke gingen die Blicke - und in jede Ecke und jeden Winkel der Römerhall“: Beim „Unternehmer-Treff“ der Stadt, noch etwas besser frequentiert als sonst, war am Mittwochabend die neue gute Stube der Dieburger zugleich Veranstaltungs- als auch Besichtigungsort. Von Jens Dörr

 Noch ist die Halle eine Baustelle, kam kein polierter Schuh ganz unbefleckt davon. Der Blick zur Decke, wo Stromkabel noch auf Leuchtmittel warten, fiel beim Mann vom Fach, Thomas Glober vom gleichnamigen Elektro-, Heizungs- und Sanitärfachgeschäft, aber recht wohlwollend aus.

Außer Lampen, Deckenverkleidung und einigem mehr fehlt in der Römerhalle aktuell noch das Parkett im großen Saal. „Es kann erst verlegt werden, wenn der Estrich trocken ist“, sagte Bürgermeister Dr. Werner Thomas, ehe er auf der Bühne probehalber schon mal kurz intonierte und sich auf die neue fastnachtliche Heimat der „Speeslochfinken“ zu freuen schien. Der Estrich braucht wegen der feuchten Luft derzeit länger zum Trocknen als erhofft. Man denke über das Aufstellen eines Gebläses nach, damit die Sache schneller gehe und der Parkettboden vollendet werden könne, so Thomas. Am zuletzt genannten Eröffnungstermin - dem 12. August - halte man derzeit noch fest. Auch wenn das ein „sportliches Ziel“ sei, wie er zugab. Keinesfalls werde man jedoch ein Risiko eingehen - und die Eröffnung notfalls auch verschieben, sagte das Stadtoberhaupt beim Gespräch auf der Bühne.

Einige Meter weiter blickte CDU-Parlamentarier Godehard Hagn recht ergriffen in den Saal: Es sei schon toll, ein solches Projekt von den ersten Plänen bis hin zur baulichen Vollendung als Lokalpolitiker zu begleiten, meinte der Christdemokrat mit einem Hauch Pathos. 30 bis 40 Abende habe er ehrenamtlich wegen der Römerhalle geopfert, schätzte er: Ausschuss- und Parlamentssitzungen eingerechnet, aber auch parteiinterne Treffen. Mit Blick auf den viel gescholtenen Tilman Lange gab Hagn zu bedenken, dass nur ein Teil der Mehrkosten vom Architekten zu verantworten seien. Auch Faktoren wie die Witterung hätten ihr Scherflein beigetragen.

Ihre Hauptarbeit in punkto Halle haben die politischen Gremien mittlerweile beendet. Nun und in Zukunft gilt es, den Ort mit Leben zu füllen, mit Veranstaltungen kultureller und sonstiger Art, am besten mit unrabattierter Nutzung. Diese Aufgabe teilen sich die Stadt, wo Ute Thomas und das Kulturamt erste Ansprechpartner sind, sowie Römerhalle-Pächter Tobias Niestatek. Für die Stadt sprach Bürgermeister Werner Thomas davon, dass man bereits erste Firmenveranstaltungen für 2011 zugesagt bekommen habe..

Niestatek hat unter anderem vor, die Halle und ganz Dieburg mit einem Jahreswechsel-Event zu beleben: „Dieser Plan ist definitiv - an Silvester will ich etwas machen“, so der sympathische junge Gastronom und Co-Vermarkter des Millionenobjekts. Gefragt, wo er mit der Halle in einem Jahr stehen möchte, sagte Niestatek: „Ich möchte einerseits eine gutbürgerliche Küche etabliert und andererseits die Erwartung, die rund um die Halle existiert, befriedigt haben.“

Weniger eng verwoben damit, dass die Römerhalle trotz der Kostenexplosion beim Bau eine Erfolgsgeschichte wird, ist im Gegensatz zu Niestatek das unternehmerische Schicksal von Melanie Wehrle (Tanzschule). Berührungspunkte mit der Halle wird sie zukünftig dennoch einige haben: Eine ihrer Gruppen soll bei der Eröffnung tanzen, zudem will sie am neuen Veranstaltungsort den Abschlussball der Goetheschule steigen lassen. Die Termine seien schon geblockt, so Wehrle, die es „sehr ergreifend“ fand, erstmals in diesem Gebäude zu stehen. Einen positiven Satz ließ sich auch Gewerbevereinsvorsitzender Erich Kleene (Bücherinsel) entlocken: „Die Bühne sieht wirklich super aus.“

Apropos: Der Gewerbeverein könnte ebenfalls zu den Nutzern der Halle gehören, so die erste Vertreterin des Vorsitzenden, Evelyn Allmann (Raumausstattung). „Innerhalb der nächsten beiden Jahre könnte ich mir hier gut eine Gewerbeschau wie früher in der Gutenberghalle vorstellen.“ Sie machte sich schon Gedanken über Details: „Den Parkettboden müsste man wohl mit einem Belag versehen, den man kaufen oder mieten könnte.

Jetzt heißt’s anpacken

Einen Schoppen, den Pächter Niestatek und einige Mitarbeiter reichten, genehmigte sich während und nach dem etwas untergehenden Vortrag zum „Haus Priska“ am Mittwochabend auch Michael Laubinger („Agentur-Annanas“). Er schreibt die Frucht im Namen seiner Künstleragentur absichtlich weiblich angehaucht und sorgt normalerweise unter anderem dafür, dass „Gern-Gerner-Gernhardt“ des Theater Curioso auf die Bühne kommt. Für die Römerhalle hat er ebenfalls schon Ideen - Kleinkunst etwa könne dort Einzug halten.

Vor den Dichtern und Denkern aber müssen die Handwerker ran. Sie müssen wahrhaftig den olympischen Geist leben, um das „sportliche Ziel“ der Eröffnung am 12. August möglich zu machen.

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