Nur Harald Schöning ist bei Facebook

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Weiß, wie man Wahlkampf macht und könnte mit den Grünen in Baden-Württemberg einen Sensationserfolg bei der Landtagswahl landen: Nikolas Huss, der am Mediencampus in Dieburg referierte.

Dieburg (jd) ‐  Die Antwort auf die interessanteste Frage blieb Nikolaus Huss schuldig. Der Experte für politische Kommunikation und frühere Landesgeschäftsführer und Pressesprecher der Grünen in Baden-Württemberg wäre auch der Erste gewesen, der sagen könnte, welche PR-Maßnahmen die meisten Wählerstimmen bringen.

Huss referierte am vergangenen Montag am Campus Dieburg und schloss mit seinem Vortrag die „Media Monday“-Reihe dieses Wintersemesters ab. Kernthema des fast 90-minütigen Referats mit Diskussion: Wie stark beeinflusst Wahlkampf im Internet die politische Realität? Welche Rolle spielen normale Websites und Blogs, soziale Netzwerke wie Facebook und „Wer kennt wen“, beziehungsweise Kommunikationsdienste wie E-Mail und Twitter für die Entscheidung der Menschen am Wahltag?

Dass Dienste im World Wide Web überhaupt eine Rolle spielen, daran ließ der Fachmann vor Publikum insbesondere aus dem Studiengang Online-Journalismus (in dem auch die PR/Öffentlichkeitsarbeit als Schwerpunkt gewählt werden kann) keinen Zweifel. Als ein Beispiel nannte Huss den Wahlkampf von Barack Obama in den USA - die Demokraten bezogen dort, wo sich der Umgang mit Online-Medien meist einige Jahre früher wandelt als in Europa, „Social Media“ stark mit ein. Als „Social Media“ bezeichnet man Netzgemeinschaften wie eben Facebook oder Twitter, aber auch die Video-Seite YouTube.

Landtagswahl im Ländle unspektakulär

Beim zweiten Beispiel, das der eloquente Experte, der nach wie vor die Grünen im „Ländle“ berät, ist Nikolaus Huss noch näher dran: Die Proteste gegen Stuttgart 21 wären ohne „Social Media“-Kampagnen nicht derart wirksam gewesen.

Den allgemeinen Wahlkampf für die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg bezeichnete Huss mit Blick auf die Grünen und das Internet aber als „total unspektakulär“. Ein Budget von 500.000 Euro - davon 50.000 für Wahlkampf im WWW - verhindere die Umsetzung mancher Ideen. „Das ist ein Kampf von David gegen Goliath“, sagte Huss. Die SPD habe ein Budget von rund zwei Millionen Euro, die CDU noch wesentlich mehr zur Verfügung.

Lohnt sich der Online-Aufwand?

Auf die Frage hin, was etwa die Dieburger Bürgermeisterkandidaten im Online-Wahlkampf machen könnten - auch ohne 50.000-Euro-Budget - verdeutlicht Huss: Im Internet lässt sich mit relativ wenig Geld womöglich relativ viel erreichen. „Jeder kennt doch einen, der einen kennt“, deutete er an, dass sich etwa eine Wahlkampf-Website für geringes Geld errichten lasse. Die Präsenz zum Beispiel bei Facebook koste gar nichts - außer Zeit. Dort ist von den drei Kandidaten derzeit nur Dr. Harald Schöning (CDU) zu finden. Amtsinhaber Dr. Werner Thomas fehlt ebenso wie SPD-Mann Ferdinand Böhm.

Eine normale Kandidaten-Website haben Schöning wie Thomas, Böhm präsentiert sich unter anderem mit schickem Foto in der Zuckerstraße auf der Seite der SPD Dieburg.

Die Krux jedoch: Selbst Huss vermochte nicht zu präzisieren, ob sich der Online-Aufwand wirklich in Wählerstimmen auszahlt - oder ob Plakate, Präsenz in den anderen Medien, Wahlkampfstände und Kandidatensprechstunden nicht die wesentlich effektiveren Maßnahmen sind. Lohnend ist ein Wahlkampf in jedem Fall: Die Zahl der Wechselwähler und derjenigen, die sich kurzfristig für Partei oder Kandidat entscheiden - manchmal spontan in der Wahlkabine - ist größer als früher. „Die letzte Woche vor der Wahl ist die wichtigste“, machte Huss zudem deutlich.

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