Harte Arbeit nötig, bis Spargelstange auf dem Teller liegt

+
Der „Buggy“ hebt die Folie an, die auf den Balken liegt, und trägt die Körbe.

Dieburg -   Die Stangen gleich als „weißes Gold“ zu adeln, wäre übertrieben. Dennoch freuen und stürzen sich derzeit viele Menschen auf ein Gemüse, das aktuell auf den Feldern vor den Toren Dieburgs aus der Erde geholt wird: Es ist Spargel-Zeit. Von Jens Dörr

„Ich denke, dass wir im Juni einknicken und die Saison relativ früh beenden werden“,sagt Ralf Hofmann. Der Landwirt ist Chef von Hofmann Spargelanbau in Eschollbrücken und besitzt Spargel-Felder bei Dieburg, vor allem auf beiden Seiten der Nebenstrecke Richtung Darmstadt. Was durch die Worte „einknicken“ und „beenden“ zunächst negativ klingen mag, hat einen sehr erfreulichen Hintergrund: „Wir hatten in diesem Jahr schon sehr früh unerwartet viel Spargel“,berichtet Hofmann, die Ernte sei bislang gut gewesen. Entscheidend dafür sei das warme Wetter um Ostern herum gewesen, das den kalten Winter wett gemacht habe.

In Reih und Glied: Spargel-Parade.

Schon seit 25 Jahren ist der 45-jährige Hofmann im Geschäft, übernahm den Betrieb von seinem Vater. Auf 100 Hektar baut er Spargel an – nur drei Hektar entfallen dabei auf den über der Erde wachsenden grünen Spargel. Die Hälfte seiner Anbaufläche hat er bei Dieburg. Gewaschen und sortiert wird das Edelgemüse, das an warmen Tagen bis zu vier Zentimeter wachsen kann, in Eschollbrücken. Neue Spargel-Dämme auf den Feldern legt Hofmann in der Regel im März an, steckt dann die Pflanzen und päppelt sie zwei bis drei Jahre lang hoch. „Dann haben sie genug Kraft gesammelt, um geerntet und verkauft zu werden“,weiß Hofmann.

Harte und ausdauernde Arbeit also, bis Geld mit dem Spargel verdient werden kann. Den Asparagus aus der Erde holen für Hofmann in diesem Jahr 280 Mitarbeiter – „überwiegend Frauen“, wie der Landwirt betont. Die kommen aus Polen, Kroatien, Rumänien und Ungarn.

Mittendrin in der Multikulti-Truppe Hofmanns sind in diesem Jahr auch drei Deutsche, die ein Arbeitsamt in Brandenburg geschickt hat. Ob die durchhalten oder – wie so häufig – die harte Arbeit wie die meisten Bundesbürger schnell wieder aufgeben, vermag Hofmann noch nicht zu prognostizieren.

Spargelernte auf den Feldern rund um Dieburg.

Etwas leichter als früher ist die Spargel-Ernte für die fleißigen Helfer aus dem Ausland allerdings geworden. Der so genannte „Buggy“ hebt die Folie, die über den Dämmen liegt, automatisch an der Stelle an, wo gerade gestochen wird. „Die Maschine kann die Folie auch wenden – die ist auf einer Seite nämlich weiß“, sagt Hofmann. Die schwarze Seite komme zum Einsatz, wenn die Lufttemperatur nicht so warm sei – denn die Wärme ist für eine gute Spargelernte von überragender Bedeutung. Und noch eine Arbeit nimmt der „Buggy“ den Erntehelfern ab: Das Tragen der Spargel-Körbe. „War früher ein Korb voll, musste man erst eine Reihe zurückgehen und ihn weg bringen“, erläutert der Landwirt aus Eschollbrücken, der in Griesheim wohnt und auf seinen Feldern in der Region auch auf zehn Hektar Fläche Erdbeeren kultiviert.

Lohn der Mühe sind Produkte, die sich im Hofladen an der Nebenstrecke wie gemalt in zahlreichen Körben präsentieren. Unterteilt sind sie nach Aussehen, wobei vor allem Länge und Dicke wichtig sind. „Schmecken tun sie alle gleich“, lacht Hofmann, der seinen Spargel auch samstags auf dem Dieburger Marktplatz feilbietet. Selbst isst er das Gemüse natürlich ebenfalls gerne: „Am liebsten ganz klassisch als Spargelgemüse mit neuen Kartoffeln.“

Kommentare