Kein Geld mehr für die Spieler

+
Derzeit wenig Grund zum Jubeln hat die erste Mannschaft des SC Hassia (v. l. Lukas Jaensch, Tayfun Durmus und André Schneider). Nun bewies sie aber Charakter: Obwohl der Verein den Spielern ab sofort kein Geld mehr zahlt, bleiben bis Saison-Ende alle an Bord.

Dieburg - Es ist eine ebenso mutige wie sinnvolle Entscheidung: Der SC Hassia Dieburg zahlt den Spielern seiner ersten Mannschaft ab sofort kein Geld mehr. Von Jens Dörr

Das teilte der Vorstand dem Team von Trainer Michael Motz in den vergangenen Tagen - am Wochenende war der Sportclub spielfrei, testete lediglich gegen Kreisoberligist SG Arheilgen (0:0) - mit. Die finanzielle Lage des 500-Mitglieder-Vereins im Dieburger Westen machte den Schritt praktisch alternativlos. „Das ist auch ein Schritt, damit wir das 100-Jährige noch feiern können“, sagte Hans-Friedrich Busch, Vorsitzender des SC Hassia, am Montag am Rande einer Vorstandssitzung. Die erste Mannschaft habe die Nachricht „sehr ruhig und gut“ aufgenommen und dem Vorstand nach nur kurzer Bedenkzeit mitgeteilt, ausnahmslos die Runde auch ohne Geld zu Ende spielen zu wollen.

Die Entwicklung ist der schlichten Tatsache geschuldet, dass der SC Hassia nicht mehr Geld ausgeben kann und will, als er einnimmt. Unter anderem durch Pachtausfälle im vergangenen Jahr – nicht bezogen auf die „Tanzschule Wehrle“, sondern den bisherigen Gastronomiebereich, der künftig auch zur Tanzschule gehören wird – verschärfte sich die ohnehin nicht rosige Lage des Sportclubs. Der besitzt auch keinen Mäzen, der schnell mal Löcher aus der Privat- oder Firmenschatulle stopft. Jeden Euro muss sich der Verein, der mehr als 200 kickende Kinder und Jugendliche von der Straße holt, mühsam über Mitgliedsbeiträge, Kleinsponsoren, Veranstaltungen, Verpachtungen, Eintrittsgelder und nicht gerade üppig fließende Fördermittel erkämpfen.

Schon bislang zahlte der Verein seinem Kreisoberliga-Team deutlich weniger Geld als der Gruppenliga-Mannschaft in der Vorsaison. Auch im Vergleich mit anderen Kreisoberligisten ließ der SC Hassia schon seit Sommer 2011 Vernunft walten und zahlte eher moderat. In der zweiten Mannschaft erhielt und erhält ohnehin kein Spieler einen Euro, auch kein Spritgeld oder sonstige geldwerte Vorteile.

Bezahlung auch in den unteren Ligen üblich

Wer – gerade mit Blick auf den Ist-Zustand in anderen Sportarten - meint, auch Kreisoberliga-Fußballer seien nur Amateur-Sportler, die letztlich ihr Hobby sowieso komplett entgeltfrei ausüben sollten, hat einerseits Recht, verkennt andererseits aber die seit Jahrzehnten herrschende Realität. Der Fußball nimmt im deutschen Sport eine Ausnahmestellung ein, hier werden nicht nur Übungsleiter, sondern auch Kicker bis in die unteren Ligen hinein bezahlt. Noch in der Gruppenliga lassen sich bestimmte Vereine Leistungsträger einen mittleren dreistelligen Eurobetrag pro Monat kosten. Auch in der Kreisoberliga gehen die meisten Akteure - Punktprämien eingeschlossen - mit einem dreistelligen Eurobetrag pro Monat nach Hause.

Das hat sich auch beim SC Hassia summiert, der nun die Reißleine zieht. Hans-Friedrich Busch erläuterte, die Verbesserung der Infrastruktur und der Nachwuchsbereich hätten Priorität. „Als Vorstand müssen wir an den gesamten Verein denken und dessen Zukunft auch langfristig sichern.“

Kein Geheimnis ist es, dass der SC Hassia einen Weg beschreitet, auf dem ihm früher oder später viele ähnlich strukturierte Vereine folgen werden. Schon jetzt können viele Vereine finanzielle Zusagen an Amateur-Fußballer nicht mehr einhalten – die SG Dietzenbach, die im Winter ihr Kreisoberliga-Team abmeldete, ist nur ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Wie es sportlich ab Sommer weitergeht und welche Spieler der ersten Mannschaft auch dann noch zum SC Hassia Dieburg stehen werden, wird die Zeit zeigen. Das aktuelle Team, so Busch, habe ihm jedenfalls versichert, alles für den Klassenerhalt in der Kreisoberliga tun zu wollen.

Die jüngsten Entwicklungen am Wolfgangshäuschen dürften auch am 28. März (20 Uhr, Vereinsheim/ „Tanzschule Wehrle“) zur Sprache kommen. Dann steht die Jahreshauptversammlung (ohne Wahlen) an.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare