Heavy Metal für Poseidon

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Odysseus muss der schönen Nymphe Kalypso als Liebessklave dienen.

Dieburg ‐ Odysseus könnte es so schön haben: Nach überstandenem Trojanischen Krieg winken dem König von Ithaka in der Heimat Wein und Gesang und vor allem sein Weib Penelope, das schon sehnsüchtig auf ihn wartet. 20 Jahre, um genau zu sein – selbst für die innigste Liebe eine wahre Zerreißprobe. Von Jens Dörr

An potenziellen Bewerbern für den Königs-Job mangelt’s nicht, und auch Odysseus’ Sohn Telemachos mag nicht mehr an die Rückkehr seines Vaters glauben. Der erträgt das „harte“ Los, der schönen Nymphe Kalypso auf einer Insel als Liebessklave dienen zu müssen. Vielleicht auch, weil es sich um das verflixte siebte Jahr des Liebesspiels zwischen der Nymphe und dem Schiffbrüchigem handelt und die Liebesdienste zumindest aus Odysseus’ Sicht scheint’s wenig Erbauliches bereithalten, fassen Gott Zeus und seine Sprösslinge Athene und Hermes einen Beschluss: Der König darf heim zu seiner Angebeteten.

So beginnt „Eine Odyssee“ von Ad de Bont, die die AG Theater, AG Maske, AG Technik, AG Organisation, AG Zeitung und AG Bühnenbau der Jahrgangsstufe 13 des Beruflichen Gymnasiums der Landrat-Gruber-Schule (LGS) am Samstagabend erstmals vor Publikum auf die Bühne zauberten. Für das Stück war eigens eine zweite Bühne in Laufstegform inmitten der Zuschauerreihen platziert worden.

Ein Feuerwerk an kreativen Ideen

Die Götter Hermes, Zeus und Athene dürfen sich auch schon mal an der Hausbar gütlich tun.

Nach 18 Jahren unter der Leitung von Deutschlehrerin Elisabeth Stoklossa, die damit die Theaterarbeit an der LGS entscheidend prägte, zeichnet nun erstmals Theaterpädagogin Simone Neuroth verantwortlich für ein Stück. Ergebnis: Wie schon in den vergangenen Jahren ein Feuerwerk an kreativen Ideen, kurzweilig und aufs Unterhaltsamste in seinen Bann ziehend. Sprachlich locker und auch sonst reich an Humor geht es zu in dieser Fassung der „Odyssee“, ohne den Stoff zu verfälschen. Da darf bei den Schauspielern vereinzelt ruhig der hessische Slang durchscheinen, Telemachos breitbeinig und in der Lederjacke aufmarschieren, Poseidon zu Heavy Metal abgehen, die Götter sich an der Spirituosen-Auswahl gütlich tun. Überhaupt die Götter: Deren Vernetzung und Verantwortung für den Werdegang der Menschen ist der rote Faden, der sich durch die „Odyssee“ zieht. Was Zeus sagt, manipuliert von seinen Kindern, ist Gesetz.

Kommunikativ nicht gerade ein Vorzeige-Macho

Weitere Aufführungen

Für die weiteren Aufführungen von „Eine Odysee“ gibt es noch Karten. Sie kosten pro Stück sechs Euro und sind unter anderem in der „Bücherinsel“ erhältlich. Termine: 2., 4., 6. und 7. November, jeweils um 19.30 Uhr in der LGS.

Ganz so einfach – obwohl Zeus’ Wille auf seiner Seite ist – gelingt Odysseus Rückkehr dann aber doch nicht. Da gibt’s ja noch Meeresgott Poseidon, der noch wütend ist auf Odysseus’ Gewaltakt, seinem Sohn – wenn auch in Notwehr - ein Auge ausgestochen zu haben. Besonders dramatisch bei einem Zyklopen. Odysseus geht auf seinem Floß also unter, landet schon wieder auf einer Insel, scheint reif für dieselbige zu sein. Obwohl kommunikativ nicht gerade ein Vorzeige-Macho, funkeln Odysseus helle Augen auch an seinem neuen Standort ungewollt die Weiblichkeit an, die ihm dort ebenfalls zu Füßen liegt. Als er seinen bisherigen Lebenslauf vorlegt, helfen ihm die auf der Insel ansässigen Phaiaken dabei, weiter nach Ithaka zu reisen. Im Showdown tauschen die LGS-Schauspieler den Bogen des Odysseus zunächst zwar gegen eine Plastikpistole ein, das Resultat bleibt aber das gleiche wie bei Homer, dem ursprünglichen Autor der Irrfahrt: Konkurrenten tot, als König wieder im Amt - und vor allem aufs Neue vereint mit seiner Penelope.

Zu sehen sind:

Odysseus (Navid Maneshkarimi), Zeus (Meryem Ayan), Penelope (Alyssa Pelletier), Athene (Miriam Böhm), Magdalena (Karin Herbst), Poseidon (Alexander Hirsch), Eurymachos (Nihat Kiziltoprak), Eumaia/Schäferin (Julia Koch), Antinoos (Sven Müllner), Königin (Mabel Bauer), Odysseus alt (Timo Schick), Hermes (Michael Schledt), Telemachos (Abdullah Taymuree) und Kalypso (Anna Wellbrock).

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