Klostergarten

Heilendes selbst zwischen Gehsteinen

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Rund 200 Besucher drängten sich am Sonntag im Franzikusgarten, um die Führung durch die Kräuterwelt des Klosters mitzuerleben.  

Dieburg - Elixiere der Phönixkerze dienen der Wundbehandlung und haben eine betäubende Wirkung. Dies wusste bereits Philosoph Aristoteles, der mit Hilfe des Pflanzenextraktes angeln ging und mit den benebelten Fischen ein leichtes Spiel gehabt haben soll. Von Ursula Friedrich

Bei einer Wanderung durch den Kräutergarten des Kapuzinerklosters am Sonntag würzte Referentin Hannelore Mertesacker ihren Vortrag über die Kräuterwelt mit derlei Anekdoten.  Obwohl das Thermometer tüchtig in die Höhe schoss, nutzten rund 200 Besucher am Sonntag die Führung durch den Klostergarten, die vom OWK und dem Freundeskreis Kapuziner angeboten wurde.

Seit zwei Jahren unterstützt der OWK die Mönche bei der Pflege des Gartens und lädt zu stets gut besuchten Führungen. Doch nicht üppig blühende Stauden und schwer unter ihrer Last tragende Apfelbäume standen diesmal im Rampenlicht. Den unzähligen (Heil-)Kräutern, die oft ein bescheidenes, unscheinbares Aussehen pflegen, galt die Aufmerksamkeit. „Der Klostergarten wurde 1866 angelegt, als auch die Kirche gebaut wurde“, erzählte Mertesacker.

Vielfalt der Kräuter ist eine Schatzkammer

„Franziskus lobt und preist die Schöpfung – und so sollte auch der Garten angelegt werden“, ergänzte Bruder Berthold, der den Franziskusgarten pflegt. Der Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi ist das Motto des Klostergartens, der sich thematisch in mehrere Bereiche, Wind, Feuer, Mond, Sterne und mehr gliedert.

Waren vor 150 Jahren noch viele Nutzpflanzen hier heimisch, um die Mönche mit ihrer Frucht zu ernähren, sind heute auch Gräser und Blumen zu sehen. Die Vielfalt der Kräuter ist jedoch nach wie vor eine Schatzkammer von Mutter Natur, deren Wert im 21. Jahrhundert oftmals verblasst.

Mutterkraut gegen Melancholie

So hatte die Äbtissin Hildegard von Bingen Mutterkraut alias Schafgabe gegen Melancholie und gegen Frauenleiden eingesetzt. Dieses Wissen um Kräuter und ihre heilende Wirkung teilen nur Insider. Liebstöckel fand nicht nur als feine Suppenwürze, sondern auch als Mittel gegen Gicht und Appetitlosigkeit Einsatz.

Andere Kräuter haben eine spannende Geschichte: „Oregano wurde schon im alten Ägypten der Göttin Osiris geweiht“, erzählte Mertesacker, „im Mittelalter sollte das Kraut vor Hexen schützen. Heute lieben wir es auf Pizza.“ Und die krause Minze, einst probates Mittel gegen Blähungen, hat als wichtiger Inhalt von Zahnpasta einen großen Stellenwert in der Lebensmittelindustrie.

Die Vielzahl der Kräuter im Klostergarten vermag nicht einmal Bruder Berthold schätzen, „unzählig“, sagte er lächelnd und wies auf ein Pflänzchen, das zwischen den Gehsteinen hervorlugte: „Spitzwegerich – auch ein Heilkraut“, so der Mönch. Was aus dem Klostergarten wird, wenn das Kloster Ende des Jahres schließt? Hier ist der Gottesmann ratlos.

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