Im Heiligen Land: „Man spürt, dass der Himmel geerdet ist“

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Die Dieburger Pilgergruppe im Heiligen Land.

Dieburg - „Eine Reise ins Heilige Land ist wie das fünfte Evangelium“, zitiert Pfarrer Alexander Vogl den Kirchenvater Hieronymus. „Diese Reise war ein sehr intensives Erlebnis für uns alle“, pflichtet Gemeindemitglied Maria Karst bei. Von Verena Scholze

45 Reisende der katholischen Pfarrgemeinden St. Peter und Paul und St. Wolfgang waren nach Ostern zu einer zehntägigen Pilgerreise nach Israel aufgebrochen. „Ich hegte bereits 2006 den Wunsch nach einer Gemeindefahrt“, blickt Pfarrer Vogl zurück. „Nachdem ich damals neu in der Gemeinde war und erst einmal Fuß fassen musste, wurde der Wunsch zunächst hinten angestellt.“Im Oktober 2008 war es jedoch soweit, die Vorbereitungen zu einer Pilgerreise nahmen Formen an. Geplant wurde eine Rundreise durch das Heilige Land, bei der der Besuch der Heiligen Stätten in Israel auf dem Programm stand. „Unser Ziel war es, an den Wurzeln zu beginnen“, erklärt Vogl.

Ein besonderes Erlebnis für die Pilger: Gottesdienst am See Genezareth.

Die 45 Reisenden im Alter von 41 bis 81 Jahren machten sich per Flugzeug auf den Weg. Nach der Ankunft in Tel Aviv und einem kurzen Aufenthalt ging es weiter durch die Scharonebene nach Cäsarea am Meer, weiter nach Galiläa, wo man drei Tage verweilte. „Diese Reise hatte so viele Facetten, wobei die religiösen Erlebnisse für uns im Vordergrund standen“, sagt Karst. Mit dem Führer David Glesinger, einem aus Villach stammenden und vertriebenen Juden hatte die Gruppe einen kompetenten Führer auf der gesamten Reise dabei. „Er hat das Land wunderbar repräsentiert und uns trotzdem den Raum für unseren christlichen Glauben gelassen“, berichtet Pfarrer Neumann.

Bei einer Bootsfahrt über den See Genezareth und einem anschließenden Gottesdienst am Ufer spürten die Pilger die Ruhe und Intensität der Stätte. „Man konnte richtig in sich gehen“,so Karst. Den Weg der Bergpredigt bis hin zur Kirche der Brotvermehrung legten die Reisenden zu Fuß zurück.

Weiter ging die Reise nach Nazareth, von hier durchs Jordantal nach Jericho und von dort nach Jerusalem, wo die Gruppe einen sechstägigen Aufenthalt genoss. „Es waren einige unter uns, die nicht zum ersten Mal nach Israel reisten. Jeder von uns hat trotzdem wieder neue und andere Bereiche entdeckt und viele neue Eindrücke gewonnen“, bemerkt Karst.

Nach einer Fahrt auf die Höhe des Ölbergs legte man den Weg Jesus zurück. Hinunter ging es durch den Garten Gethsemane weiter zur Verratsgrotte und dem Mariengrab in die Altstadt.

„Das Flair der Stadt ist sehr unterschiedlich, aber einzigartig“,berichtet Neumann. Durch die vielen verschiedenen, architektonischen Viertel weitet sich Jerusalem aus und behält trotz allem seine ganz besonderes Atmosphäre. „Das liegt an dem Jerusalemstein, ähnlich wie Sandstein, mit dem die Häuser gebaut oder verkleidet werden“, so Neumann.

Ein besonderes Erlebnis bot sich der Gruppe beim Besuch der Klagemauer. Die Pilger aus Dieburg konnten hautnah eine Bar Mitzwa miterleben, bei der die knapp 13-jährigen Jungen in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen werden. Sie dürfen nun das erste Mal aus der Thora, der Schriftrolle, vorlesen.

„Wir Frauen standen getrennt von den Männern hinter einer Mauer und ich hatte einen wunderbaren Blick auf das Ereignis“,erzählt Karst. „Die Frauen um uns herum waren die Mütter und Omas der Jungen und es herrschte eine wunderbare Stimmung. Alle waren stolz, als die Jungen mit großem Ernst und voller Andacht aus der Schriftrolle vortrugen.“

Benedikt XVI. in Israel

Bei seinem Israel-Besuch ruft der Papst zum Kampf gegen Judenhass auf. Mehr Informationen zum Thema sowie aktuelle Bilder vom Papstbesuch finden Sie hier.

Auch wenn die politische Lage vor Ort meist nicht spürbar war, ein Schock war es für die Reisenden, als man beim Übergang nach Bethlehem die errichtete Mauer sah. „Wir hatten in Deutschland über Jahrzehnte eine Mauer und hier wieder eine zu sehen, ist erschreckend“, sind sich die Reisenden einig. Die Dieburger Gruppe erlebte auch die Vorbereitungen auf den Besuch von Papst Benedikt hautnah mit, der am vergangenen Freitag seine Pilgerreise ins Heilige Land angetreten hat. „Alle Orte wurden herausgeputzt“, erzählt Karst.

Rückblickend betrachtet Pfarrer Neumann diese Reise, die bereits seine fünfte in das Heilige Land war, als eine besondere Erfahrung. „Wir alle hatten einen bestimmten Grund, diese Reise anzutreten. Im Heiligen Land ist die Glaubenserfahrung möglich. Hier spürt man, dass der Himmel geerdet ist. Hier ist Gott in die Menschheitsgeschichte eingetreten und wir durften den Weg Jesus erleben.“ Ein besonderer Dank der Reisenden galt auch Pfarrer Vogl, mit dem die Gruppe an vielen heiligen Stätten im Gebet verweilte.

„Die Gottesdienste waren für uns als Pilger die Höhepunkte der Reise“,so Karst „Sie werden uns allen unvergesslich sein.“

Nach der Reise erhielten alle Teilnehmer eine Pilgerurkunde und auch ein Nachtreffen ist in Planung. „Wir wollen uns bei Kichererbsen und arabischen Kaffee zusammensetzen und unsere Erlebnisse aufarbeiten“, sagt Pfarrer Vogl und fügt lächelnd hinzu: „Als Begrüßungstrunk werden alle einen Sabra, einen landestypischen Orangen-Schokolikör erhalten.“

Die Reise hat bei den Beteiligten einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. „Mir fallen immer wieder neue Dinge und Erlebnisse ein und ich denke noch viel über alles nach“,berichtet Karst. Und Pfarrer Neumann gesteht sogar: „Ich träume bisher jede Nacht von dieser Reise.“

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